Pneumokokken-Impfung

Die Pneumokokken-Impfung wird umgangssprachlich auch als Impfung gegen Lungenentzündung bezeichnet. Denn Pneumokokken sind die Erreger, die unter den Bakterien am häufigsten eine Lungenentzündung auslösen. Die Bakterien können durch Tröpfchen in der Luft von Mensch zu Mensch übertragen werden. Oft sind sie jedoch bereits in der Schleimhaut von Mund- und Rachenraum vorhanden ohne, dass sie eine Krankheit verursachen bzw. Symptome hervorrufen. Man spricht dann von Kolonisation.

In bestimmten Situationen, beispielsweise bei geschwächtem Immunsystem kann es dann zur Infektion kommen. Neben Lungenentzündungen können Pneumokokken auch Erkrankungen wie Hirnhaut- oder Mittelohrentzündungen verursachen. Bei zwei bis zehn Prozent der Erkrankten verläuft eine schwere Infektion mit Pneumokokken tödlich, bei etwa 15 Prozent entstehen dauernde Folgeschäden. Besonders Säuglinge und Kleinkinder sind durch eine Infektion mit diesen Bakterien gefährdet. 

Kurz erklärt:

Die Pneumokokken-Impfung wird Personen ab 60 Jahren und Menschen mit bestimmten chronischen Krankheiten, unter anderem Asthma und COPD empfohlen. 

Nach Angaben der Ständigen Impfkommission STIKO des Robert Koch Instituts ist das Risiko für eine schwer verlaufende Infektion mit Pneumokokken altersabhängig. Sie empfiehlt eine Pneumokokken-Impfung folgenden Risikogruppen:

  • Babys ab einem Alter von 2 Monaten
  • Ältere Menschen über 60 Jahre
  • Menschen mit chronischen Herz-, Kreislauf- und Lungenerkrankungen – also auch Patienten mit  Asthma und COPD
  • Menschen mit Behandlungsbedürftigem Diabetes oder bestimmten neurologischen Krankheiten
  • Menschen mit schwachem Immunsystem (Immundefizienz) oder ausgelöst durch bestimmte Medikamente (Immunsuppressiva)
  • Menschen mit z.B. einem Cochlea-Implantat oder einer Liquorfistel, da diese Personen anfälliger für eine Pneumokokken-Meningitis (Hirnhautentzündung) sind.

Die Pneumokokken-Impfung kann zeitgleich mit der Grippeschutzimpfung erfolgen. Gelegentlich treten lokale Nebenwirkungen und Allgemeinreaktionen ähnlich wie bei der Grippeschutzimpfung auf. Muskelkaterähnliche Beschwerden über ein bis zwei Tage können jedoch etwas stärker ausgeprägt sein. Gravierende Nebenwirkungen sind sehr selten, wobei Überempfindlichkeitsreaktionen nicht sicher auszuschließen sind.

Eine Wiederholungsimpfung gegen Pneumokokken im Abstand von mindestens sechs Jahren wird für Senioren und Patienten mit einem Immundefekt sowie chronischen Nierenkrankheiten empfohlen.

Pneumokokken-Impfstoff

In Deutschland sind derzeit drei Impfstoffe gegen Pneumokokken zugelassen. Ein Pneumokokken-Polysaccharid-Impfstoff (PPSV) PPSV23 und zwei Konjugatimpfstoffe (PCV für pneumococcal conjugate vaccine), PCV13 und PCV10. Bei allen handelt es sich um sogenannte Totimpfstoffe.

Pneumokokken-Polysaccharid-Impfstoff (PPSV)

Der Polysaccharid-Impfstoff besteht aus reinen Zuckermolekülen der Hülle von Pneumokokken-Bakterien, sogenannte Antigene. Als Reaktion auf die Bakterien-Bestandteile bildet das Immunsystem nach dem Impfen Antikörper, die vor kommenden Pneumokokken-Infektionen schützen. Insgesamt enthält der Impfstoff Antigene der 23 wichtigsten Pneumokokken-Typen und kann daher auch vor diesen 23 sogenannten Serotypen schützen. Nach derzeitigem Kenntnisstand sind diese im Impfstoff enthaltenen Pneumokokken-Typen für 80 bis 90 Prozent aller (schweren) Pneumokokken-Erkrankungen verantwortlich. PPSV23 ist in Deutschland ab einem Alter von zwei Jahren zugelassen.

Pneumokokken-Konjugatimpfstoff (PCV)

Ein Nachteil des Pneumokokken-Polysaccharid-Impfstoffes (PPSV) ist, dass die Impfung bei Kindern bis zwei Jahren nur unzureichend wirkt. Diese Lücke wurde Anfang der 2000er durch die sogenannten Konjugatimpfstoffe (PCV für pneumococcal conjugate vaccine) geschlossen.

Bei Konjugatimpfstoffen ist das Bakterien-Zuckermolekül noch an ein zusätzliches Eiweiß gebunden. Dadurch wird das Immunsystem stärker aktiviert und es entsteht ein besserer Impfschutz durch Aktivierung der zellulären Immunität. In Deutschland gibt es aktuell einen Konjugatimpfstoff gegen zehn Pneumokokken-Serotypen (PCV10, zugelassen bis zum Alter von 5 Jahren) und einen gegen 13 Serotypen (PCV13, zugelassen für alle Altersgruppen).

Pneumokokken-Impfung bei Babys, Kindern und Risikogruppen

Babys und Kinder unter zwei Jahren sollten nach dem Empfehlungen der STIKO ausschließlich mit den Konjugatimpfstoffen (PCV10 oder PCV13) gegen Pneumokokken geimpft werden. 

In der Regel werden Babys mit drei Einzeldosen im Alter von zwei, vier und 11 bis 14 Monaten gegen Pneumokokken geimpft. Für Frühgeborene wird eine zusätzlich Impfdosis im dritten Lebensmonat empfohlen.

Menschen mit angeborenem Immundefekt oder Personen die eine immunsupressive Behandlung erhalten, haben ein erhöhtes Risiko für eine durch Pneumokokken ausgelöste Lungenentzündung. Für diese Hochrisikopatienten empfiehlt die STIKO eine sogenannte sequentielle Impfung, bestehend auf einer Impfung mit PCV13 gefolgt von einer Impfung mit PPSV23 nach sechs bis zwölf Monaten.

Auch für Personen mit einer chronischen Krankheit wie beispielsweise Asthma, COPD oder Lungenemphysem wird die sequentielle Impfung im Alter von 2 bis 15 Jahren empfohlen.

Für Risikogruppen, wie Menschen mit chronischen Grunderkrankungen und Senioren hält die STIKO Wiederholungsimpfungen im Abstand von mindestens sechs Jahren für sinnvoll, dann jedoch ausschließlich mit dem Impfstoff PPSV23.

Für gesunde Kindern, die bereits als Baby eine Grundimmunisierung erhalten haben, wird eine Wiederholungsimpfung nicht empfohlen, da das Risiko für einen schweren Verlauf einer Pneumokokken-Infektion nach dem Alter von zwei Jahren laut STIKO sehr gering ist.

Schließen
Informationen zum Inhalt

Quellen:

Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. Susanne Herold, Universitätsklinikum Gießen und Marburg

Letzte Aktualisierung:

30.10.2018

zum Seitenanfang
Druckversion

We use cookies to improve your experience on our Website. We need cookies to continuously improve the services, to enable certain features and when embedding services or content of third parties, such as video player. By using our website, you agree to the use of cookies. We use different types of cookies. You can personalize your cookie settings here:

Show detail settings
Please find more information in our privacy statement.

There you may also change your settings later.