22. Patientenforum Lunge - München 2020

Startfolie zur Präsentation des Patientenforums Lunge am 19.2.2020 in München. Bild zeigt die Folie und einige Menschen davor, die bereits im Hörsaal sitzen.
©CPC-Munich/Helmholtz Zentrum München

Spannenden Einblicke in die Arbeit von Forschenden und Medizinern und intensive Diskussionen zum Thema „Lungengesundheit und Umwelt“ – all das gab es beim Patientenforum Lunge am 19. Februar in München.

Rund 120 Besucherinnen und Besucher folgten der Einladung des Lungeninformationsdienstes des Helmholtz Zentrums München und der Asklepios Fachkliniken München-Gauting und trugen damit maßgeblich zu einer gelungenen Veranstaltung bei.

„Lungengesundheit und Umwelt"

„Man kann sich nicht aussuchen was man atmet.“ Mit diesen Worten eröffnete Regina Pickford, vom Helmholtz Zentrum München ihren Vortrag zum Thema „Luftschadstoffe und Gesundheit“. Die Epidemiologin sprach über die großen gesundheitlichen Auswirkungen der kleinsten Teilchen, die uns tagtäglich in der Luft, die wir atmen umgeben. 

Regina Pickford vom Helmholtz Zentrum München, bei ihrem Vortrag zu Luftschadstoffen und Gesundheit.
Welche Auswirkungen haben Luftschadstoffe auf
unsere Gesundheit? ©CPC-Munich/Helmholtz
Zentrum München

Sie verwies auf große Bevölkerungsstudien, die zeigen, dass sich die Belastung mit Luftschadstoffen in vielerlei Hinsicht negativ auf unsere Gesundheit auswirken kann. So zum Beispiel auf das Herz, das Risiko für Diabetes oder auch das Gehirn. Die Lunge mit ihrer großen Oberfläche ist ganz besonders den Inhaltsstoffen der Luft ausgesetzt. Eine anhaltende Belastung mit Schadstoffen in der Luft kann Atemwegssymptome hervorrufen und verstärken.  Menschen mit Asthma oder COPD leiden häufiger an Verschlechterungen ihrer Krankheit, und auch die Lungenfunktion kann durch die kleinen Partikel beeinträchtigt werden. 

Wer nun Bedenken hat, mit dem Rad durch die Stadt zu fahren, den konnte sie jedoch auch beruhigen. Denn Studien zeigen auch, dass die positiven Effekte von körperlicher Betätigung im Freien überwiegen. Für alle, die sich noch weiter über die Auswirkungen von Luftschadstoffen auf die Gesundheit informieren wollen, empfahl Regina Pickford das Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (DGP):
Atmen: Luftschadstoffe und Gesundheit – Positionspapier der DGP 

„Nicht überall wo Nano draufsteht, ist auch ‚schädlich‘ drin.“

Mit Partikeln, die noch weit kleiner sind als Feinstaub der Größe PM10 oder PM2,5, nämlich mit den Nanopartikeln beschäftigte sich Tobias Stöger vom Institut für Lungenbiologie am Helmholtz Zentrum München in seinem Vortrag. 

Tobias Stöger bei seinem Vortrag über Nanopartikel.
Nanopartikel können in der Lunge Entzündungs-
reaktionen auslösen. ©CPC-Munich/Helmholtz
Zentrum München

Gerade diese feinen und ultrafeinen Teilchen von einer Größe zwischen 100 und einem Nanometer gelangen besonders tief in die Lunge hinein. Sie können dort Entzündungsreaktionen auslösen, die letztendlich auch zu Lungenerkrankungen und Herzkreislauferkrankungen beitragen können. Nanopartikel entstehen zum Beispiel bei Verbrennungsprozessen (Ruß) in Fabriken, beim Autofahren oder auch beim Rauchen. Sie können aber auch im beruflichen Umfeld entstehen, wie zum Beispiel im Rauch, der beim Schweißen entsteht. Auf Nachfrage aus dem Publikum betonte Stöger aber auch: Nicht überall wo Nano draufstehe, sei auch eine schädliche Wirkung drin. 

Asthma-Risiko: Von rauchenden Omas und Bauernhofkindern

Nicole Maison vom Dr. von Haunerschen Kinderspital München erläuterte in ihrem Vortrag, wie sich verschiedene Umweltfaktoren auf das Asthma-Risiko bei Kindern auswirken. So gehen weltweit ca. 15 Prozent aller Asthma-Erkrankungen bei Kindern auf Umweltschadstoffe zurück. Einer der größten Einflussfaktoren sei noch immer das Rauchen. 

Nicole Maison bei ihrem Vortrag zum Thema "Asthma bei Kindern und der Einfluss der Umwelt"
Rauchen - ob aktiv oder passiv - ist noch immer
einer der größten Einflussfaktoren auf das
Asthma-Risiko. ©CPC-Munich/Helmholtz
Zentrum München

Rauchen in der Schwangerschaft und auch das Passivrauchen in der frühen Kindheit erhöhen das Risiko für Asthma bei Kindern, dies belegen Studien. Auch der Konsum der vermeintlich „gesünderen“ E-Zigaretten hängt mit Asthma bei Jugendlichen zusammen.

Ein überraschendes Ergebnis: Das Asthma-Risiko kann sogar von vorherigen Generationen, über sogenannte epigenetische Prozesse, beeinflusst werden. Rauchte etwa die Großmutter in der Schwangerschaft, kann dies sogar das Asthma-Risiko des Enkelkindes erhöhen.

Die Umwelt könne sich aber auch positiv auf die Gesundheit auswirken – das zeigt der sogenannte Bauernhofeffekt. So erkranken Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen, statistisch seltener an allergischen Erkrankungen wie zum Beispiel allergischem Asthma. Man nimmt an, dass dies auf Bestandteile von „guten Bakterien“ im Bauernhofstaub zurückzuführen ist, mit denen sich das Immunsystem der Kinder schon früh auseinandersetzen muss.

Aber auch der Besuch einer Kindertagesstätte oder Geschwisterkinder beeinflussen laut Studienlage das Asthma-Risiko positiv. 

„Die Lunge vergisst nichts“

Die Lungenfibrose – also die Vernarbung der Lunge – und ihre Auslöser waren Thema des Vortrags von Prof. Jürgen Behr vom Klinikum der Universität München und Chefarzt der Asklepios Fachkliniken Gauting. Bei der häufigsten Form, der idiopathischen Lungenfibrose, seien die Ursachen noch immer unbekannt. Aber auch genetische Veränderungen oder äußere Einflüsse, wie Medikamente, Dämpfe und Stäube, Schimmelpilzsporen oder auch Bestrahlung können die Entstehung einer Lungenfibrose zumindest in Teilen beeinflussen. 

Prof. Jürgen Behr bei seinem Vortrag zu den Ursachen von Lungenfibrose.
Lungenfibrose kann viele verschiedene
Ursachen haben. ©CPC-Munich/Helmholtz
Zentrum München

Die Ursachen herauszufinden sei besonders wichtig, denn sind diese bekannt, ist das Abschalten der Auslöser die beste Therapie. Hierfür müssten die Ärzte ihren Patienten jedoch genau zuhören. Auch Rauchen kann sich noch lange Zeit später, negativ auswirken „Die Lunge vergisst nichts.“, so Behr.

Forschung zu Ursachen und neuen Behandlungsmöglichkeiten sei weiterhin besonders wichtig, in diesem Zusammenhang verwies er auch auf die Studienplattform des Lungeninformationsdienstes, auf der sich interessierte Patientinnen und Patienten über aktuelle klinische Studien und Teilnahmemöglichkeiten informieren können.

Zudem betonte Behr, der auch Vorstandsmitglied der Stiftung AtemWeg zur Erforschung von Lungenkrankheiten ist, wie froh er sei, aktuelle Forschungsideen und -ergebnisse im Rahmen von Veranstaltungen wie dem Patientenforum Lunge direkt an die Patientinnen und Patienten weitergeben zu können. 

Was tun für eine gesunde Lunge?

Sarah-Christin Mavi bei ihrem Vortrag zu Prävention.
Impfen, Rauchstopp, Bewegung - all das kann für
eine gesunde Lunge hilfreich sein. ©CPC-Munich/
Helmholtz Zentrum München

Umfassende Tipps zur Frage, was man selbst für eine gesunde Lunge tun kann, gab Sarah-Christin Mavi von den Asklepios Fachkliniken Gauting. Wichtige Punkte seien hier besonders der Rauchstopp und regelmäßige Bewegung. Für Menschen mit Lungenerkrankungen hob sie in diesem Zusammenhang auch die Bedeutung von Lungensport hervor – spezielle Trainingseinheiten, die das Leben mit einer Lungenerkrankung verbessern sollen.

Auch das Impfen sei eine wichtige vorbeugende Maßnahme. Impfungen gegen die Grippe, Pneumokokken – die häufigsten Auslöser einer Lungenentzündung – oder auch gegen Keuchhusten werden besonders auch für chronisch Kranke empfohlen. Weitere Punkte ihres Vortrags waren der Schutz vor Radon und die Allergieprävention, die bereits vor der Geburt beginnen kann.

Mehr zur Allergieprävention lesen Sie beim Allergieinformationsdienst des Helmholtz Zentrums München. 

Dosierte Lippenbremse hilft bei Atemnot

Abschließend präsentierte Gesche Wartner praktische Tipps zur Atemtherapie, auch für zu Hause. Ein zentraler Bestandteil sei die dosierte Lippenbremse, die Menschen mit Atemwegskrankheiten zum Beispiel beim Treppensteigen oder in anderen Situationen der Atemnot gute Dienste leisten kann. Besonders wichtig: Nicht pressen beim Ausatmen, sondern die Luft gleichmäßig, eher passiv als aktiv zwischen den Lippen ausströmen lassen.

Des Weiteren ging sie auf PEP- und oszillierende PEP-Systeme ein. Diese kleinen Geräte sollen helfen, die Atemwege offen zu halten, zum Beispiel bei Hustenanfällen. Zudem können sie Sekret lösen, sodass dieses besser abgehustet werden kann.  

Beruscherinnen und Besucher bedienen sich in der Pause des Patientenforums Lunge am Catering, mit Brezen, Kuchen und Getränken.
Danke für ein erfolgreiches Patientenforum Lunge!
©CPC-Munich/Helmholtz Zentrum München

Wir bedanken uns bei allen Besucherinnen und Besuchern, unseren Referenten und Referentinnen und natürlich bei allen Vertretern und Vertreterinnen der Selbsthilfegruppen für ein gelungenes Patientenforum Lunge!  

Das Patientenforum Lunge ist eine Veranstaltung des Lungeninformationsdienstes am Helmholtz Zentrum München, dieses Jahr erstmalig in Kooperation mit den Asklepios Fachkliniken München-Gauting. Es wird gefördert vom Deutschen Zentrum für Lungenforschung.

Vorträge

Luftschadstoffe und Gesundheit: Kleine Teilchen, große Wirkung (PDF 1,4 MB)
Dr. Regina Pickford, Helmholtz Zentrum München

Nanopartikel und ihr Einfluss auf die Lungengesundheit
Dr. Tobias Stöger, Helmholtz Zentrum München

Kindliches Asthma – Welchen Einfluss hat die Umwelt? (PDF 1,3 MB)
Dr. Nicole Maison, Klinikum der Universität München

Wenn die Lunge vernarbt: Lungenfibrose und ihre Auslöser (PDF 1,2 MB)
Prof. Dr. Jürgen Behr, Klinikum der Universität München und Asklepios Fachkliniken München-Gauting

Prävention: Was kann man selbst für eine gesunde Lunge tun?
Dr. Sarah-Christin Mavi, Asklepios Fachkliniken München-Gauting

Richtig Atmen: Atemtherapie und Übungen für zu Hause (PDF 644 KB)
Gesche Wartner, Atmungstherapeutin, Gauting

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