Asthma-Medikamente

Wirkstoff aus Parasiten-Larven als Asthma-Medikament?

18. May 2020

Ein Wirkstoff aus Larven eines Wurmparasiten könnte helfen, Immunreaktionen zu dämpfen und sich daher eventuell für neue Therapien bei Asthma oder Allergien eignen. Zu diesem Schluss kommen Forschende des Helmholtz Zentrums München und der Technischen Universität München (TUM) in einer Studie.

Bild verschiedener Inhalatoren zur Asthma-Therapie.

Könnte ein Wirkstoff aus Larven eines Wurmparasiten die Entzündungsreaktion bei Asthma dämpfen? © Atunin - Fotolia.com

Heligmosomoides polygyrus, kurz Hpb, ist der komplizierte lateinische Name des Rundwurms, dessen Larven für die Studie genutzt wurden. In ihrem natürlichen Lebenszyklus nisten sich die Laven in der Darmschleimhaut von Nagetieren ein, um dort zu geschlechtsreifen Würmern heranzuwachsen. Dazu müssen die sie allerdings das Immunsystem ihres Wirts überwinden, denn dieses wehrt sich gegen die Eindringlinge, beispielsweise mit Entzündungsreaktionen. Der Trick der Larven: Sie verfügen über Wirkstoffe, mit denen sie die Immunantwort des Wirts gezielt regulieren können. Diese evolutionär gereiften Substanzen wollen die Forschenden für die Therapie von chronischen Entzündungskrankheiten, wie beispielsweise Asthma bronchiale oder Allergien nutzbar machen.

Wurmprotein verändert die Immunantwort

In ihrer Studie beschreiben sie, dass es ihnen gelungen ist, eine der Substanzen zu isolieren, identifizieren und analysieren. Das Protein Hpb-Glutamat-dehydrogenase aktiviert verschiedene Stoffwechselwege, die das Immunsystem regulieren und sorgt so dafür, dass sich in den Immunzellen des Wirts entzündungshemmende Botenstoffe bilden. Gleichzeitig geht der Anteil der entzündungsfördernden Botenstoffe zurück.

Bei Allergien oder auch chronischem Asthma spielt eine überschießende Immunreaktion eine zentrale Rolle. Die Fähigkeit der Hpb-Glutamat Dehydrogenase die Immunantwort abzuschwächen, könnte sie daher zu einem aussichtsreichen Kandidaten für die Therapie dieser Krankheiten machen, so die Hoffnung der Forschenden. An Mausmodellen mit allergischem Asthma konnten sie bereits zeigen, dass sich mit den Larven-Proteinen eine Entzündungsreaktion dämpfen lässt. Und auch Laboruntersuchungen mit menschlichen Zellen lieferten gute Ergebnisse: Die Hpb-Glutamat Dehydrogenase konnten die pro-entzündliche Aktivität von bestimmten menschlichen Immunzellen, den Makrophagen deutlich absenken. Sind diese Zellen dauerhaft aktiviert, entstehen chronische Entzündungen. Es zeigte sich bei den Versuchen auch, dass die Larven-Substanz wirkungsvoller ist als Kortison.

Weg bis zu neuer Therapie ist noch lang

Die Forscherinnen und Forscher haben den neuen Larven-Wirkstoff bereits zum Patent angemeldet. Sie betonen aber ausdrücklich, dass der Weg bis zum fertigen Medikament noch lang ist. Ihre Forschung befinde sich noch in der präklinischen Phase und es müssen noch viele Fragen beantwortet werden. Beispielsweise wie das Protein von Zellen der Atemwege aufgenommen wird oder welche Auswirkungen es insgesamt auf das menschliche Immunsystem hat.

Quellen:

De los Reyes Jiménez, M. et al: An anti-inflammatory eicosanoid switch mediates the suppression of type-2 inflammation by helminth larval products. In: Science Translational Medicine, 22 April 2020.

Technische Universität München: Neuer Wirkstoff gegen allergisches Asthma entdeckt: Mit Parasiten-Larven gegen Allergien. Pressemeldung vom 24.04.2020 


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