Respiratorisches Syncytial-Virus (RSV)

RS-Virus: Starke Immunantwort durch neuen experimentellen Impfstoff

10. Oct 2019

Forschende haben einen vielversprechenden Impfstoffkandidaten gegen das Respiratorische Syncytial-Virus (RSV) entwickelt, indem sie dessen Atomstruktur auf den Grund gingen. Durch den neuen Wirkstoff produziert das Immunsystem deutlich mehr Antikörper gegen das Virus, als dies mit bisherigen Impfstoffkandidaten der Fall war - und das jetzt auch in einer ersten klinischen Studie mit gesunden Erwachsenen.

Hand mit Spritze.

©ra2 studio - Fotolia.com

Das Respiratorische Syncytial-Virus, kurz RSV, kann schwere Atemwegserkrankungen verursachen, insbesondere bei Säuglingen und älteren Menschen. Bei Säuglingen ist das RS-Virus daher auch eine der Hauptursachen für Todesfälle durch Infektionskrankheiten.

Eine Impfung gegen RSV zu entwickeln blieb bisher erfolglos, auch aufgrund der speziellen Eigenschaften des Virus: Bekannt ist, dass ein bestimmter Teil des Virus, das so genannte F-Protein, das menschliche Immunsystem dazu veranlasst, Antikörper zu produzieren. Allerdings ändert das Protein seine Form, sobald das Virus die Zellen infiziert. Trifft das menschliche Immunsystem auf ein RS-Virus mit dem F-Protein in der ersten Form, bildet es starke Antikörper. Befindet sich das Protein jedoch bereits in der zweiten Form, werden weniger Antikörper gebildet, die die Infektion nicht sehr effektiv bekämpfen können. Die Herstellung von RSV-Impfstoffen mit traditionellen Methoden führte in der Vergangenheit meist zu F-Proteinen in der zweiten Form und daher zu einer schlechten Antikörperreaktion.

Die Autoren der aktuellen Studie nutzen einen neuen Ansatz zur Herstellung eines RSV-Impfstoffs: Zunächst ermittelten sie die genaue Atomstruktur des F-Proteins in seiner ersten Form. Anschließend stellen sie das Protein künstlich her, veränderten es aber so, dass es in der ersten Form fixiert bleibt und nicht mehr in die zweite Form wechseln kann. Dadurch kann das Immunsystem die besten Antikörper produzieren. Erste Versuche im Tiermodell zeigten bereits 2013, dass der neue Impfstoffkandidat DS-Cav1 eine sehr gute Immunantwort auslöst und die Tiere vor einer RSV-Infektion schützt.

Phase-1-Studie bestätigt Ergebnisse im Menschen

In einer klinischen Phase-I-Impfstoffstudie mit 40 gesunden Erwachsenen zeigen die Wissenschaftler nun, dass der experimentelle Impfstoff auch bei Menschen das Immunsystem stark aktiviert. Im Schnitt stieg die Zahl von RSV-vernichtenden Antikörpern um das Zehnfache an, verglichen mit der Antikörperzahl, die eine Person natürlicherweise produziert, wenn sie mit dem RS-Virus in Kontakt kommt.

Die Ergebnisse seien vielversprechend, so die Forschenden. Sie betonen aber auch ausdrücklich, dass Phase-I-Studien zunächst nur überprüfen, ob die Anwendung sicher ist, und die Art der Reaktion hervorgerufen wird, die sich die Wissenschaftler erhoffen. Um die Wirksamkeit des Impfstoffs zu testen, müssen Phase-II- und -III-Studien folgen. Viele Wirkstoffkandidaten überstehen die klinischen Studien nicht. Sollte es dieser, oder ein anderer Wirkstoff, der auf der neu entdeckten Proteinvariante beruht, aber schaffen, könnte dies viele Kinder retten, so die Hoffnung der Studien-Autoren.

Quellen:

Crank, M. C. et al.: A proof of concept for structure-based vaccine design targeting RSV in humans. In: Science, 2019, Vol. 365, Issue 6452 DOI: 10.1126/science.aav9033 

University of Texas at Austin: Experimental Vaccine Against Respiratory Syncytial Virus (RSV) Elicits Strong Immune Response. Pressemeldung vom 1. August 2019 


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