Intensivstation

Krankheitsverlauf anhand Lungenmikrobiom einschätzen

13. Feb 2020

Die Zusammensetzung des Lungenmikrobioms könnte voraussagen, wie gut schwer kranke Menschen, auf der Intensivstation auf eine Behandlung ansprechen. Darauf deuten die Ergebnisse einer Studie hin, die im American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine veröffentlicht wurde.

Bild: Petrischale mit verschiedenen Bakterien, Pilzen etc.

Wie viele und welche Bakterien in der Lunge vorkommen, könnte für den Behandlungserfolg in der Intensivstation entscheidend sein. © science photo - Adobe Stock

Die Untersuchung zeigt, dass Personen, die am ersten Tag nach der Aufnahme auf die Intensivstation viele Bakterien in der Lunge hatten, im weiteren Verlauf häufiger beatmet werden mussten. Dies war unabhängig davon, wie schwer sie erkrankt waren, oder ob sie eine Lungenentzündung (Pneumonie) hatten oder nicht.

Auch die Zusammensetzung des Mikrobioms in den Lungen hatte Auswirkungen auf den Erfolg der Behandlung. So fanden die Forschenden bei Personen, deren Behandlung schlechter anschlug, im Lungenmikrobiom häufiger zwei Bakterienarten, die normalerweise im Darm vorkommen - Lachnospiraceae und Enterobacteriaceae spp. War letzteres in der Lunge vorhanden, war außerdem das Risiko für ein akutes Atemwegsyndrom (ARDS) erhöht - eine lebensbedrohliche Erkrankung, bei der die Lunge stark entzündet ist. Frühere Untersuchungen der gleichen Arbeitsgruppe deuteten bereits darauf hin, dass das das Vorhandensein von Darmbakterien in der Lunge eine Rolle bei der ARDS-Entstehung spielen könnte.

Lungenmikrobiom: Ansatzpunkt für Vorbeugung und bessere Behandlung?

Dass das Lungenmikrobiom bei schwer kranken Patientinnen und Patienten verändert ist, war bereits bekannt, so die Studienautoren. Die Ergebnisse der aktuellen Studie würden jetzt zeigen, dass diese Unterschiede auch klinisch bedeutsam sind. Die Zahl und Zusammensetzung der Bakterien könne erklären, warum sich Patienten, die ansonsten ähnlich schwer erkrankt sind, wieder erholen oder auch nicht.

Behandlungsergebnisse auf der Intensivstation vorhersagen zu können sei zwar wichtig, die Forschenden wünschen sich aber, die neuen Ergebnisse in Zukunft auch für die Vorbeugung und Behandlung ernsthafter Erkrankungen nutzen zu können. Denn im Gegensatz etwa zu den Genen der Patienten könne man die Bakterienzusammensetzung in der Lunge möglicherweise beeinflussen, so ihre Hoffnung. Um herauszufinden ob dies tatsächlich möglich ist, und ob damit der Therapieerfolg verbessert oder sogar weitere Krankheiten verhindert werden können, müssten nun weitere Studien folgen.

Quellen:

Dickson, R. P. et al.: Lung microbiota predict clinical outcomes in critically ill patients. In: American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine, Online publiziert am 24. Januar 2020 

American Thoracic Society: Lung Microbiome May Help Predict Outcomes in Critically Ill Patients. Meldung vom 24. Januar 2020 


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