Grundlagenforschung

Grippe in der Schwangerschaft: Sind Nachkommen anfälliger für Infekte?

02. Sep 2021

Eine Studie am Tiermodell zeigt: Eine Infektion mit Influenza-A-Viren (Grippe) in der Schwangerschaft, könnte dazu führen, dass die Nachkommen anfälliger für Infektionen durch andere Viren oder Bakterien sind - insbesondere im frühen Leben. Die Forschungsergebnisse wurden in 'Nature Communications' veröffentlicht.

©Feydzhet Shabanov - stock.adobe.com

Bei einer Infektion mit Influenzaviren (Grippeviren) haben Schwangere ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe. Daher empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut auch seit 2010 die saisonale Grippeimpfung für alle Frauen, die während der Influenzasaison im Winter schwanger sind.

In der aktuellen Studie untersuchten Forschende nun, ob eine Grippe in der Schwangerschaft auch die Gesundheit der Nachkommen negativ beeinflusst. Hierfür nutzten sie ein speziell entwickeltes Mausmodell. Die Auswertungen zeigen: Nachkommen, die von Müttern geboren wurden, die während der Schwangerschaft eine Infektion mit Influenza-A-Viren durchgemacht hatten, waren anfälliger gegenüber anderen Viren wie Influenza-B-Viren und MRSA-Bakterien (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus).

Zur Frage, warum die Infektanfälligkeit steigt, fanden die Forschende ebenfalls Hinweise: Zum einen kamen die Nachkommen der grippeinfizierten Mütter mit einem niedrigeren Gewicht zur Welt und wuchsen langsamer. Zum anderen beeinträchtigte die Grippeinfektion der Mütter scheinbar die Funktion des Immunsystems der Nachkommen. So konnten spezielle Immunzellen, sogenannte alveoläre Makrophagen, eindringende Erreger schlechter bekämpfen.

„Schwangere benötigen besonderen Schutz in Epidemien und Pandemien.“

Mehrere Studien am Menschen hätten bereits Hinweise darauf gegeben, dass Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft an Grippe erkrankt waren, in den ersten Lebensmonaten ein erhöhtes Infektionsrisiko besitzen, so die Studien:autorinnen. Bislang sind dies jedoch Assoziationsstudien, also Studien, die nur einen Zusammenhang zeigen, nicht jedoch eine Ursache belegen. Die aktuellen Ergebnisse würden nun zum ersten Mal eine klare Verbindung zwischen der Virusinfektion in der Schwangerschaft und der erhöhten Infektionsanfälligkeit der Nachkommen zeigen.

Es bleibt jedoch zu betonen, dass es sich in der aktuellen Studie um Untersuchungen am Tiermodell handelt, ob die Prozesse so auch im Menschen ablaufen, wurde nicht gezeigt.

Dennoch kommen die Forschenden aber zu dem Schluss, dass schwangere Frauen einen besonderen Schutz in Epidemien und Pandemien brauchen. Nicht nur um sich selbst zu schützen, sondern auch zum Schutz der nächsten Generation.

Quellen:

  • Henning, J. et al.: Offspring born to influenza A virus infected pregnant mice have increased susceptibility to viral and bacterial infections in early life. In: Nature Communications, 16. August 2021
  • Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover: Influenza in der Schwangerschaft begünstigt erhöhte Infektanfälligkeit der Nachkommen. Pressemeldung vom 16.08.2021 
  • Robert Koch-Institut: Warum wird die saisonale Influenzaimpfung für Schwangere empfohlen? 


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