Lungenforschung

Frühchen: Chronische Lungenerkrankungen gezielt erkennen

21. May 2019

Zu früh geborene Kinder entwickeln oft eine bronchopulmonale Dysplasie. Diese chronische Lungenerkrankung lässt sich bislang erst anhand klinischer Symptome diagnostizieren. Forschende haben jetzt ein neues Protokoll entwickelt, um Frühgeborene mit der Erkrankung per Magnetresonanztomographie (MRT) zu identifizieren.

Frühchen im Inkubator im Perinatalzentrum des Klinikums der Universität München © CPC-M/Helmholtz Zentrum München

Etwa 15 bis 30 Prozent aller Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 1000 Gramm bzw. einem Geburtstermin vor der 32. Schwangerschaftswoche entwickeln eine bronchopulmonale Dysplasie (BPD). Da konkrete Diagnosemethoden fehlen, kann die Erkrankung bisher erst relativ spät festgestellt und damit auch erst spät behandelt werden. Auch die individuelle Behandlung und Nachbeobachtung ist im klinischen Alltag erschwert. Denn es gibt bislang keine spezifischen Möglichkeiten, strukturelle Veränderungen der Lungen ohne schädliche Strahlung zu beurteilen. Ein neues MRT-Protokoll, entwickelt von Forschenden des Helmholtz Zentrums München und des Klinikums der Universität München – Partner im Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL) – könnte diese Lücke jetzt schließen. Vorteil der Methode: Schädliche Röntgenstrahlung wird beim MRT nicht eingesetzt.  

Für die Studie wertete das Wissenschaftsteam MRT-Untersuchungen von 61 frühgeborenen Risikopatienten aus, die nahe am errechneten Geburtstermin durchgeführt wurden. Alle kleinen Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer waren vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren und atmeten zum Zeitpunkt der Untersuchung bereits selbstständig, sodass die MRT-Aufnahmen im Spontanschlaf aufgenommen werden konnten.  Bei der statistischen Analyse der Bildgebungsdaten zeigt sich, dass bestimmte Werte im MRT Hinweise auf das Vorliegen einer bronchopulmonalen Dysplasie gaben.

Die Ergebnisse seien wichtig um zukünftig Säuglinge mit Krankheitsrisiko besser und schneller zu erkennen, so die Studienautoren. Sie hoffen, dass damit in Zukunft individuelle Behandlungs- und Überwachungsstrategien möglich werden. Wichtig sei es nun, dass große Zentren zur Versorgung von Früh- und Neugeborenen (Perinatalzentren) diese Methode einsetzen und gemeinsam auswerten. So könnten auch mögliche Subtypen der bronchopulmonalen Dysplasie identifiziert werden.

Was ist eine bronchopulmonale Dysplasie?

Die bronchopulmonale Dysplasie trifft vor allem Frühgeborene, deren Lunge bei der Geburt noch nicht ausgereift ist, und die deshalb für einen längeren Zeitraum künstlich beatmet werden müssen. Vermutlich entsteht die BPD durch verschiedene Risikofaktoren wie entzündliche Prozesse, Mikroverletzungen durch die Beatmungstherapie und die schädliche Wirkung von Sauerstoff-Radikalen, die auf das unreife Lungengewebe einwirken. Langfristig geht damit Gewebe, das für den Gasaustausch wichtig ist, zugrunde und vernarbt. Je nach Schweregrad kann eine bronchopulmonale Dysplasie zu Lungenfunktionsstörungen führen, die bis in das Erwachsenenalter reichen und in einigen Fällen zum Tode führen können.

Quellen:

Helmholtz Zentrum München: Chronische Lungenerkrankungen bei Frühgeborenen gezielt erkennen. Pressemitteilung vom 6.5.2019 (letzter Abruf 14.5.2019)

Förster, K. et al.: Altered Relaxation Times in Magnetic Resonance Imaging Indicate Bronchopulmonary Dysplasia. In: Thorax, 2019. DOI: 10.1136/thoraxjnl-2018-212384


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