Rauchen

Eine Million Krebsfälle mit drei Maßnahmen vermeiden?

18. Jun 2020

Laut Berechnungen des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) könnten bis 2050 eine Million Krebsfälle vermieden werden, wenn drei Tabakkontrollmaßnahmen von heute an in Deutschland konsequent umgesetzt würden: Wiederholte Steuererhöhungen, ein umfassendes Tabakwerbeverbot und eine einheitliche neutrale Verpackung für alle Zigarettenmarken.

Hand weist eine Schachtel Zigaretten von sich.

Rauchen ist Risikofaktor für viele verschiedene Krankheiten, darunter Krebs, COPD oder auch Diabetes. © vchalup - Fotolia.com

Jede fünfte Krebsneuerkrankung in Deutschland ist nach Forschungsergebnissen des DKFZ auf Tabakrauch zurückzuführen, und bis heute rauchen immer noch vergleichsweise viele Deutsche Zigaretten: Etwa 26 Prozent der Männer und 19 Prozent der Frauen. Was die Umsetzung wirksamkeitserprobter Tabakkontrollmaßnahmen angeht, sei Deutschland nach wie vor das europäische Schlusslicht, so das DKFZ. 

Forschende des Deutschen Krebsforschungszentrums haben nun anhand Modellrechnungen ermittelt, was eine konsequente Tabakkontrollpolitik für die Gesundheit der Deutschen tatsächlich bringen würde. Im Fokus standen Steuererhöhungen um jährlich zehn Prozent über einen Zeitraum von zehn Jahren, ein umfassendes Tabakwerbeverbot sowie eine einheitliche neutrale Verpackung für alle Zigarettenmarken. All das sind Maßnahmen, die sich in internationalen Studien bereits als wirksam erwiesen haben, um die Zahl der Raucher zu senken. Zudem ist bekannt, wie groß der zu erwartende Rückgang der Raucherquoten durch die einzelnen Maßnahmen ist.

Auf der Basis des heutigen Rauchverhaltens und der derzeitigen jährlichen Rückgangs der Raucherquote berechneten die Forschenden, dass 2050 etwa 15 Prozent der Männern und 10 Prozent der Frauen rauchen werden, wenn keine zusätzlichen Tabakkontrollmaßnahmen eingeführt werden. Würden die drei Maßnahmen heute jedoch aktiviert, so würden in 30 Jahren voraussichtlich nur noch 10 Prozent der Männer und 7 Prozent der Frauen rauchen, so das Ergebnis der DKFZ-Experten.

Nicht nur tabakbedingte Krebsfälle könnten verhindert werden

Die tabakbedingten Krebsfälle würden dadurch bis 2050 um 14 Prozent bei Männern sowie um rund 12 Prozent bei Frauen zurück gehen. In Zahlen bedeutet dies, dass durch die stärkere Tabakkontrolle innerhalb der kommenden 30 Jahre über eine Million Krebsfälle in Deutschland vermeiden werden könnten. Die Forschenden betonen zudem, dass ihre Modellierung nur die Krebsfälle betrachtete, die durch den Konsum von Tabak entstehen. Tabakkonsum sei jedoch nicht nur für Krebs verantwortlich, sondern auch ein Risikofaktor für eine ganze Reihe weiterer Krankheiten, wie beispielsweise die chronisch obstruktive Lungenerkrankung COPD, Herzkreislauferkrankungen oder auch Diabetes verantwortlich. Die tatsächlichen Auswirkungen der drei Präventionsmaßnahmen könnten daher noch weitaus positiver für die Gesundheit der Menschen ausfallen, so ihre Einschätzung.

Quellen:

Deutsches Krebsforschungszentrum: Drei Maßnahmen könnten eine Million Krebsfälle vermeiden. Pressemitteilung vom 29.05.2020 

Gredner, T. et al.: Impact of tobacco control policies on smoking-related cancer incidence in Germany 2020 to 2050 – a simulation study. In: Cancer Epidemiology, Biomarkers & Prevention 2020. DOI: 10.1158/1055-9965.EPI-19-1301

Deutsches Krebsforschungszentrum: Tabakkonsum und gesundheitliche Folgen. 


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