Demenz

Beeinflussen Lungenkrankheiten das Gedächtnis?

08. Apr 2019

Menschen, die im mittleren Alter an einer Lungenkrankheit leiden, haben möglicherweise ein höheres Risiko, später im Leben an Demenz zu erkranken. Darauf deuten Ergebnisse einer amerikanischen Langzeitstudie hin, die in der Fachzeitschrift ‚American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine‘ veröffentlicht wurde.

Lunge und Gehirn - Grafik eines Gehirns.

© Siarhei - Fotolia.com

Die Forschenden analysierten für ihre Studie die Daten von mehr als 14.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern (Durchschnittsalter: 54). Alle Probanden wurden in den 1980er Jahren zu ihrer Lungengesundheit befragt und nahmen an Lungenfunktionstests teil. Durchschnittlich 23 Jahre später untersuchten die Studienautoren nun, wie viele der Probanden Demenz oder kognitive Störungen entwickelt hatten, also Beeinträchtigungen der Denkleistung, die über das Normale hinausgehen.

Mit Hilfe von Krankenhausdaten und speziellen Gedächtnistests fanden die Autoren insgesamt 1.407 Fälle von Demenz. Der Vergleich zwischen Personen mit und ohne Lungenerkrankung ergab, dass eine Erkrankung der Lunge im mittleren Lebensalter das Risiko, später eine leichte kognitive Störung oder Demenz zu entwickeln, erhöhte:

  • Um 58 Prozent bei restriktiven Lungenerkrankungen, wie z.B. Lungenfibrose.
  • Um 29 Prozent bei obstruktiven Lungenkrankheiten, wie COPD.

Dieses Ergebnis ergab sich sowohl für Raucher als auch für Nichtraucher.

Eine mögliche Erklärung mutmaßen die Autoren: Menschen mit Lungenkrankheiten haben meist weniger Sauerstoff im Blut. Dieser Mangel könnte zu Stress, Entzündungen und Schädigungen der Blutgefäße im Gehirn führen.

Generell muss betont werden, dass nach 23 Jahren weniger als 10 Prozent aller Teilnehmer von kognitiven Störungen betroffen waren. Zudem schreiben die Autoren, dass ihre Untersuchung zwar nicht direkt nachweisen könne, dass Lungenkrankheiten die tatsächliche Ursache der Demenz-Erkrankung seien. Sollten weitere Studien die Ergebnisse aber belegen, wäre dies ihrer Ansicht nach ein zusätzlicher Grund, weitere Maßnahmen zum Schutz der Lungengesundheit zu ergreifen. Denn eine bessere Luftqualität oder eine bessere Unterstützung beim Rauchstopp würden somit nicht nur Lungenerkrankungen verhindern, sondern zugleich das Demenz-Risiko senken.  

Quellen:

Medical Tribune: Pulmonale Erkrankungen steigern das Demenzrisiko. Meldung vom 25.2.2019

American Thoracic Society: Lung Disease in Middle Age May Be a Risk Factor for Dementia Later in Life. Pressemitteilung vom 26.11.2018 

Lutsey, P. L. et al.: Impaired Lung Function, Lung Disease and Risk of Incident Dementia. In: American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine, online publiziert am 15.11.2018


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