Corona-Pandemie

Abrupter Rückgang an akuten Atemwegserkrankungen in Deutschland

16. Apr 2020

Laut Robert Koch-Institut (RKI) ist die Rate an akuten Atemwegskrankheiten seit Anfang März 2020 in Deutschland stark gesunken. Ein so deutlicher Rückgang sei extrem ungewöhnlich. Für die Experten ist dies ein klarer Hinweis darauf, dass die aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Epidemie generell die Ausbreitung von Atemwegserkrankungen verlangsamen.

Hustender Mann mit Schal und Taschentuch.

Die Zahl akuter Atemwegserkrankungen hat in den letzten Wochen stark abgenommen. © Lydie - Fotolia.com

Eine Reihe weitreichender Bestimmungen soll in ganz Deutschland momentan dabei helfen, die weitere Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 zu bremsen. Aufgrund der Inkubationszeit des Virus kann ihr Effekt jedoch erst mit einem Zeitverzug von zwei bis drei Wochen bewertet werden. Um den allgemeinen Effekt der Maßnahmen zu prüfen, kann man sich jedoch auch zunutze machen, dass SARS-CoV-2 auf dem gleichen Weg wie andere Erreger von akuten Atemwegserkrankungen (ARE) übertragen wird.

GrippeWeb: Informationen direkt aus der Bevölkerung

Über das Web-Portal GrippeWeb (grippeweb.rki.de) erhält das RKI bereits seit 2011 aktuelle Informationen zur Aktivität akuter Atemwegskrankheiten direkt aus der Bevölkerung. Registrierte Personen werden dafür einmal wöchentlich gebeten, anzugeben, ob sie in der Vorwoche eine neu aufgetretene Atemwegserkrankung hatten oder nicht. Gegenwärtig erhält das RKI etwa 5.000 Meldungen pro Woche.

Eine aktuelle Auswertung der Daten zeigt, dass seit der zehnten Kalenderwoche (2. bis 8. März 2020) die ARE-Raten stark gesunken sind. Diese Entwicklung ist sowohl bei Kindern (bis 14 Jahren) als auch bei Jugendlichen und Erwachsenen (ab 15 Jahren) zu sehen. Gerade bei Erwachsenen sei ein so deutlicher Abfall der Zahlen über mehrere Wochen hinweg extrem ungewöhnlich und konnte in keiner der Vergleichszeiträume der letzten drei Jahre beobachtet werden, betont das RKI. Ein weiteres Ergebnis: Besonders die Zahl der grippeähnlichen Erkrankungen – also neu aufgetretene akute Atemwegserkrankungen mit Fieber und Husten oder Halsschmerzen – ging überproportional stark zurück. Nach RKI-Angaben deutet dies darauf hin, dass die aktuellen Maßnahmen das Ende der diesjährigen Grippewelle beschleunigen.

Insgesamt seien diese Entwicklungen ein klarer Hinweis darauf, dass die aktuellen Distanzierungsmaßnahmen, die die Ausbreitung von Atemwegserkrankungen verlangsamen sollen, wirken, so die RKI-Experten.

GrippeWeb-Plus: Nachweis von einzelnen Erregern

Seit der 13. Kalenderwoche nehmen etwa 200 zufällig ausgewählte GrippeWeb-Teilnehmende auch an einer mikrobiologischen Überwachung teil (GrippeWeb-Plus). Dabei entnehmen sie bei sich selbst Proben aus der Nase und dem Gaumen und schicken diese an das RKI. Dort werden sie auf 22 verschiedene Erreger, darunter auch SARS-CoV-2, getestet. Bisher sind von 138 Teilnehmern sogenannte Nullproben, die zu Beginn abgenommen werden, eingegangen; in keiner der Proben wurde SARS-CoV-2 nachgewiesen.

Quelle:

Robert Koch-Institut: Epidemiologisches Bulletin 16/2020. 3. April 2020 


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