Forschungsansätze

Neue Ansätze in der Forschung zielen vor allem auf die Entwicklung eines Impfstoffs gegen das RS-Virus ab. Es gibt mittlerweile diverse Ansätze für Impfstoffe in unterschiedlichen Stadien und verschiedenen Funktionsweisen bis hin zum Lebendvirus-Impfstoff.

Verhinderung von RS-Virusinfektionen

Das RS-Virus ist ein membranumhülltes Virus, das sein genetisches Material in seine Wirtszelle, die Lungenepithelzelle, einschleust. Die Hülle des Virus muss hierfür mit der Zelle verschmelzen. Darüber hinaus führen Proteine der Virusmembran zum Verschmelzen benachbarter Lungenepithelzellen und damit zur Bildung von Riesenzellen mit mehreren Zellkernen (sogenannten Syncytien).

Mit einem neuen Therapieprinzip versuchen US-Forscher Infektionen mit dem RS-Virus von vornherein zu verhindern. Sie verwenden hierfür sogenannte Fusionsinhibitoren gegen das Virus. Diese Fusionsinhibitoren verhindern die Verschmelzung zwischen dem RS-Virus und den Lungenepithelzellen. Die Fusionsinhibitoren wurden bereits in einer Phase II-Studie an gesunden Erwachsenen getestet, die zuvor gezielt mit dem RS-Virus infiziert wurden. Das Ergebnis: Die Behandlung mit Fusionsinhibitoren ist wirksam. Sie mildert die Symptome und verringert die Viruslast deutlich. Bis die Ergebnisse einer Phase III-Studie vorliegen und das Medikament vor allem auch für den Einsatz bei Säuglingen und Kleinkindern verfügbar sein wird, werden nach Expertenschätzungen noch einige Jahre vergehen.

Impfstoffe gegen das RS-Virus

Die Impfstoffentwicklung gegen RSV schreitet voran. Es gibt mittlerweile diverse Ansätze für Impfstoffe in unterschiedlichen Stadien und verschiedenen Funktionsweisen bis hin zum Lebendvirus-Impfstoff. Derzeit werden drei Impfstoffe in Phase-III-Studien, drei Impfstoffkandidaten in Phase-II-Studien und elf Kandidaten in Phase-I-Studien getestet. Im präklinischen Bereich werden 44 Impfstoffkandidaten auf eine mögliche Eignung untersucht.

In einer Phase-II-Studien an 1600 Senioren hat sich ein neuer Impfstoff als sicher erwiesen und befindet sich inzwischen in einer Phase-III-Studien. Laut Herstellerangaben wurden 44 Prozent aller RSV-Erkrankungen und 46 Prozent aller Infektionen der unteren Atemwege verhindert. Für Säuglinge gibt es ebenfalls einen vielversprechenden Impfstoffkandidaten. Der Impfstoff wurde zunächst an Kälbern getestet, die ebenfalls an RSV-Infektionen erkranken können. Es zeigte sich, dass hierbei eine Kombination von zwei Impfstoffen am wirksamsten ist. Wird bereits die Mutter gegen RS-Virusinfektionen geimpft, ist das Neugeborene von vornherein gegen das Virus geschützt.

Höheres Infektionsrisiko durch genetische Faktoren

Wirkstoffe gegen die RS-Viruspolymerase sind ein weiteres Forschungsfeld. „Derartige Wirkstoffe sind beispielweise kombiniert mit Fusionsinhibitoren einsetzbar. Auf diese Weise kann das Risiko für Virusresistenzen verkleinert werden“, sagt der Biologe Prof. Thomas Pietschmann, Leiter der Abteilung Experimentelle Virologie, der gemeinsam mit seinen Mitarbeiter am TWINCORE in Hannover unter anderem zu RS-Viren forscht. In Zusammenarbeit mit Prof. Gesine Hansen, Ärztliche Direktorin des Zentrums für Kinderheilkunde und Jugendmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), versuchen die Wissenschaftler aufzuklären, welche genetischen Faktoren bei Kleinkindern das Infektionsrisiko erhöhen und einen schweren Infektionsverlauf begünstigen. „Eine erste Kandidatenliste liegt inzwischen vor“, so Pietschmann.

Informationen zum Inhalt

Fachliche Beratung für das Kapitel 'Forschungsansätze': Prof. Thomas Pietschmann, Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung

28.09.2016

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