Therapie

Generell werden eher die Symptome der Grippe behandelt, als die Viren selbst. Bei bakteriellen Sekundärinfektionen wird ein Antibiotikum gegeben. Anders sieht das bei Risikogruppen aus: bei ihnen kann die Krankheit besonders schwer verlaufen. Für ihre Behandlung stehen verschiedene antiviral wirkende Medikamente zur Verfügung, die allerdings alle verschreibungspflichtig sind und möglichst innerhalb 48 Stunden nach Einsetzen der Symptome eingenommen werden sollten.

Neuraminidase-Hemmer

Neuraminidase-Hemmer, zum Beispiel Oseltamivir oder Zanamivir, sollen laut Hersteller die Wirkung des Enzyms Neuraminidase vermindern. Dieses Enzym befindet sich auf der Zelloberfläche des Virus und kann den schützenden Schleim der Schleimhautzelle durchdringen. Es ebnet dem Virus quasi den Weg, in die Schleimhautzelle einzudringen und sie nach seiner Vermehrung auch wieder zu verlassen. Für den Wiederaustritt aus der Zelle greift die Neuraminidase die Membran der Schleimhautzelle von innen an.

Neuraminidase-Hemmer blockieren diesen „Türöffner“ und schwächen deshalb die Infektion durch Grippeerreger (Influenzaviren) sowie deren Ausbreitung im Körper ab. Auf diese Weise sorgen sie dafür, dass die Grippe zumeist insgesamt milder verläuft. 
Entscheidend für die Wirksamkeit der Neuraminidase-Hemmer ist ihre frühzeitige Anwendung innerhalb von 48 Stunden nach Beginn der Infektion. Antivirale Medikamente sind gegen Influenzaviren sowohl vom Typ A als auch vom Typ B wirksam. Doch wie Bakterien gegen Antibiotika, können auch Influenzaviren gegen antivirale Medikamente resistent werden. Etwa 16 Prozent der Erkrankten sprechen deshalb nicht auf Neuraminidase-Hemmer an. Und antivirale Medikamente sind nicht nebenwirkungsfrei. Bei oraler Einnahme kann es zu Übelkeit und Erbrechen kommen. Werden die Medikamente mittels Inhalator verabreicht, sind asthmaartige Anfälle möglich.

Zur Wirksamkeit der Neuraminidasehemmer gibt es widersprüchliche Aussagen. Seit 2009 herrscht darüber Streit zwischen den herstellenden Pharmafirmen und der Cochrane Collaboration sowie dem British Medical Journal. Nach langwierigen Verhandlungen stellten die Pharmaunternehmen umfangreiches Datenmaterial zur Verfügung, das laut einer Übersichtsarbeit vom April 2014 durch Cochrane-Wissenschaftler nur einen geringen Nutzen, dafür aber mehr Nebenwirkungen für die antiviralen Substanzen bestätigt.

Im Februar 2016 ist eine Expertengruppe, die für das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) den Entwurf einer wissenschaftlichen Empfehlung herausgegeben hat, zur Einschätzung gelangt, dass Oseltamivir und Zanamivir wirksame und sichere Medikamente zur Vorbeugung und Behandlung der Influenza sind. Allerdings sei die Wirkung von Oseltamivir begrenzt. Die Zeit bis zum Abklingen der Symptome beträgt 16,8 bis 17,8 Stunden. Außerdem senkt das Medikament das Komplikationsrisiko beispielsweise für Lungenentzündungen. Basis für diese Einschätzung war die Studienübersicht durch die Cochrane Collaboration, sowie die Ergebnisse einer Beobachtungsstudie aus dem Jahr 2014 und einer weiteren Studie aus dem Jahr 2015. Das bislang umständlich zu inhalierende Zanamivir könnte schon bald intravenös anwendbar sein. Derzeit läuft eine Phase-3-Studie hierzu.

Weiterführende Informationen:

Übersichtsartikel (Deutsches Ärzteblatt)
Aktuelle Studienlage 2014 (Deutsche Apotheker Zeitung)

M2-Membranprotein-Hemmer

Bei den M2-Membranprotein-Hemmern wie zum Beispiel Amantadin, wird die Membranhülle des Virus manipuliert, sodass es nicht mehr in den Zellkern eindringen kann. Amantadin ist nur gegen Typ-A-Viren wirksam, die allerdings eine Resistenz gegen das Medikament entwickelt haben. Amantadin verursacht hauptsächlich neurologische und gastrointestinale Nebenwirkungen  wie Übelkeit, Schlaflosigkeit und Nervosität. Der Membranprotein-Hemmer wird heute kaum mehr verwendet. Ein zweiter M2-Membranprotein-Hemmer ist derzeit in Deutschland nicht zugelassen.

Hemmstoffe gegen Überreaktionen

Bei einem Teil der Patienten, die an Grippe erkranken, reicht die klassische Therapie mit antiviralen Medikamenten offenbar nicht aus. US-Wissenschaftler des Scripps Research Institute in La Jolla, USA, haben herausgefunden, woran dies liegen könnte: Nicht die Virusvermehrung führt zu lebensbedrohlichen Entzündungsreaktionen, sondern eine Überreaktion des Immunsystems. Dieses  löst einen sogenannten „Zytokinsturm“ aus. Zytokine sind Botenstoffe, die der Körper bei einer Infektion ausschüttet, damit die Immunzellen untereinander kommunizieren und sich koordinieren können.

Die übermäßige Zytokinfreisetzung schädigt insbesondere das Lungengewebe und kann zu einem lebensbedrohlichen Grippeverlauf führen. Die Studie zeigt, dass es bei Erkrankungen, bei welchen ein Zytokinsturm auftritt, wichtig ist, mit einem spezifisch gegen einen bestimmten Rezeptor gerichteten Hemmstoff zu behandeln. Mittlerweile werden geeignete Hemmstoffe in klinischen Studien getestet.

Vorbeugend impfen

Es gibt auch die Möglichkeit, sich präventiv gegen Grippeerreger impfen zu lassen. Der richtige Zeitpunkt: Anfang Oktober bis Ende November vor dem Start der Welle, denn es dauert etwa 10 bis 14 Tage, bis sich der volle Impfschutz aufgebaut hat. Aber auch zu Beginn und während der Grippesaison kann es sinnvoll sein, die versäumte Impfung nachzuholen.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) rät insbesondere Menschen ab 60 Jahren zur Impfung. Auch gesunde Schwangere ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel und chronisch kranke Schwangere bereits ab dem ersten Schwangerschaftsdrittel sowie Personen, die in Pflegeheimen oder Langzeitpflegeeinrichtungen leben, medizinisches Personal und Menschen jeden Alters mit chronischen Beschwerden wie etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes sollten sich laut Stiko impfen lassen. Chronisch kranke Menschen erkranken aufgrund ihrer geschwächten körpereigenen Abwehr schwerer und sie leiden häufiger als Gesunde unter Komplikationen einer Grippe wie Lungenentzündungen, schwerer Bronchitis, Herzinfarkt und Schlaganfall. Schwangere haben bei einer Grippe ein erhöhtes Früh- und Fehlgeburtenrisiko. Außerdem schützt eine Impfung die Neugeborenen vor influenzabedingten Komplikationen während ihrer ersten Lebensmonate.

Allerdings ist ein Schutzeffekt nicht in jedem Fall gegeben. So beträgt die  Wirksamkeit beim gesunden Erwachsenen etwa 55 bis 70 Prozent und nimmt mit dem Alter ab. Liegen bestimmte Grunderkrankungen vor, die das Immunsystem schwächen, verringert dies auch die Schutzwirkung der Impfung. Je nachdem wie stark sich die grassierenden Grippeviren von jenen im Impfstoff unterscheiden, wird die Impfwirkung nochmals abgeschwächt.

Bei der herkömmlichen, mittels Nadel in den Muskel verabreichten Impfung enthält der Impfstoff nur abgetötete Viren. Er ist zugelassen für Personen älter als sechs Monate.

Wer an einer Blutgerinnungsstörung leidet und Marcumar einnehmen muss, hatte bislang ein Impfproblem. Injektionen in den Muskel können bei den betroffenen Menschen unter Umständen  zu schweren Blutungen führen. Neuerdings kann man sich die Schutzimpfung mit einem kleinen Nädelchen in die Haut, das heißt  intradermal, verabreichen lassen. Dadurch ist ein direkter und effizienter Zugang zum Immunsystem möglich, da in der Haut viele Immunzellen und Blutkapillaren vorhanden sind. Die ausgelöste Immunreaktion ist stärker und der Antikörpertiter, ein indirektes Maß für die Konzentration von Antikörpern im Blut, ist höher als beim in den Muskel injizierten Impfstoff. Der Impfstoff besteht aus gespaltenen, inaktivierten Influenzaviren mit den Antigenen der jeweils aktuellen Virusstämme.

Es gibt seit 2003 auch einen Lebendimpfstoff, der als Nasenspray eingesetzt wird. Frühere Studien zeigten, dass bei Kindern zwischen zwei und sechs Jahren das Nasenspray eine bessere Schutzwirkung hat als der Totimpfstoff in der Spritze. Für den Lebendimpfstoff gebe es aber  Kontraindikationen: Kinder der Altersgruppe, die  etwa an schwerem Asthma leiden oder eine Immunerkrankung haben, sollten sich lieber spritzen lassen. Neuerdings heißt es, dass das Nasenspray doch nicht besser sei als die Impfung mit der Spritze. Vorläufige Studiendaten, die während der Grippesaison 2015/16 gesammelt wurden, ergaben für das Nasenspray gerade mal eine Wirksamkeit von 3 Prozent. Das Nasenspray ist gegen H1N1 unwirksam. In den vergangenen Jahren ist H1N1 aber vermehrt aufgetaucht und hat gerade auch bei Kindern zu schweren Erkrankungen geführt.

Für Hühnereiweiß-Allergiker ab 18 Jahren gibt es einen verträglichen Impfstoff auf Zellkulturbasis.

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Informationen zum Inhalt

Quellen:

Letzte Aktualisierung:

04.08.2016

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