Forschungsansätze

Wo steht die Forschung im Kampf gegen Grippeviren?

Neben der jährlichen Produktion von passenden Impfstoffen für die hochgradig flexiblen Typ-A-Influenzaviren, wird auch Grundlagenforschung betrieben, die neue Ansatzpunkte für Medikamente zutage bringen soll.

Menschliche Proteine helfen bei der Virusvermehrung

Viren können sich nicht von selbst vermehren. Sie sind immer auf eine Wirtszelle angewiesen, die ihnen die Möglichkeit zur Reproduktion bietet. Genau diese Abhängigkeit versuchen Forscher des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie zu nutzen. Sie haben 287 menschliche Gene identifiziert, die Proteine produzieren, die Grippeviren zur Vermehrung brauchen. 120 davon helfen den Erregern der Schweinegrippe und einige davon sind relevant für das Vogelgrippevirus. Das bietet potentielle neue Anknüpfpunkte zur Entwicklung von Medikamenten, bei denen nicht so schnell eine Resistenzbildung der Viren zu erwarten ist.

Auch das Braunschweiger Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung hat einen neuen Ansatzpunkt für die Bekämpfung von Viren entdeckt. Die Viren nutzen Proteine der Wirtszelle, um ihr Erbgut aus der eigenen Hülle zu entlassen und dieses in das Erbgut der Zelle einzuschleusen. Eines dieser Helferproteine wurde identifiziert, es handelt sich um das sogenannte Caveolin-1. Die Forscher veränderten die Bindungsstelle des Proteins und infizierten die betroffenen Zellen absichtlich mit Influenzaviren. Die Menge an freigesetzten Viren reduzierte sich um die Hälfte. Die Erreger breiten sich folglich schwerer aus. Es wird allerdings noch dauern, bis dieses Prinzip seine Anwendung in Medikamenten findet.

Neue antivirale Wirkstoffe

Ein neuer Wirkstoff gegen Viren könnte zum Beispiel CYSTUS 052 sein. Diese aus einem Pflanzenextrakt gewonnene Substanz hat überraschende antivirale Eigenschaften. CYSTUS 052 greift nicht in den Vermehrungszyklus der Viren ein, sondern blockiert die Viren unspezifisch, indem der Wirkstoff die Anbindung an die menschlichen Zellen verhindert. Das erschwert dem Virus unter anderem auch die Resistenzbildung. An diesem CYSTUS 052 forscht zum Beispiel das Zentrum für Molekularbiologie der Entzündung in Münster.

Wissenschaftler der University of Pennsylvania haben festgestellt, dass Immunzellen in der Lunge die körpereigenen Reparaturmechanismen nach einer Grippeinfektion koordinieren. Inwieweit sich dies therapeutisch nutzen lässt, müssen weitere Untersuchungen zeigen. Das gilt auch für den Fund von Stammzellen in der Lunge durch Forscher der Harvard Medical School in Boston und des Genome Institutes in Singapur. Diese Stammzellen haben die Kapazität, Lungenschäden nach einer Grippeinfektion auszubessern. Möglicherweise sind sie Teil der körpereigenen Reparaturprozesse.

Immun dank guter Gene?

Während einige Menschen jedes Jahr eine Grippe durchzustehen haben, erkranken andere Menschen jahrelang gar nicht oder erleben nur einen milden Verlauf. Die Frage, warum manche Menschen scheinbar resistent gegen Influenzaviren sind, beschäftigt Forscher des Helmholtz Zentrums für Infektionsforschung. Anhand von Mäusen haben die Wissenschaftler herausgefunden, dass eine überzogene Reaktion des Immunsystems die Schwere der Erkrankung bestimmt. Genauso scheinen Mäuse, die leichter krank werden, den Viren an ihren Zellen mehr Rezeptoren zum Andocken zu bieten. Beides wird von genetischen Faktoren festgeschrieben. Inwiefern diese Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind, müssen die Wissenschaftler noch klären.

Schwachstellen des Virus für die Impfung nutzen

Einen weiteren Ansatz Viren dauerhaft zu bekämpfen, verfolgt die Harvard Medical School in Boston. Dort haben Wissenschaftler eine Region der Virushülle identifiziert, die relativ stabil bleibt, egal wie oft die Erreger mutieren. Die amerikanischen Forscher haben daraufhin Antikörper entwickelt, die sich genau an diese Stellen anheften und verhindern, dass die Viren weiter ihre Form ändern können. Dadurch kann das Virus nicht mehr in die menschliche Zelle eindringen. Klinische Studien stehen noch aus. 

Warum Grippe Bakterien den Weg bereitet

Mit Hilfe eines Maus-Modells fanden US-Wissenschaftler heraus, warum eine Grippe nicht selten mit lebensbedrohlichen Folgeinfektionen einhergeht. Wenn Grippeviren das Lungengewebe schädigen, löst dies im Organismus eine Stressantwort aus. Sie unterdrückt nun aber die Abwehrreaktionen des Immunsystems gegen Bakterien. Grippeviren hinterlassen das Immunsystem quasi wehrlos gegenüber attackierenden Keimen. Bakterien können sich deshalb nach einer Grippe leichter einnisten, vermehren und im Körper ausbreiten als dies ansonsten möglich wäre.

 

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Quellen:

Letzte Aktualisierung:

04.08.16

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