Tuberkulose: Symptome, Formen und Krankheitsmechanismen

Tuberkulose (TB) ist eine Infektionskrankheit, ausgelöst durch Bakterien aus der Familie der Mykobakterien, die insgesamt über 160 verschiedene Mitglieder hat. Die meisten von ihnen sind für uns harmlos. Der mit Abstand häufigste Erreger von Tuberkulose-Infektionen beim Menschen ist das von Robert Koch entdeckte Mycobacterium tuberculosis. Daneben gibt es noch einige weitere Bakterien-Arten, die eine Tuberkulose hervorrufen können  unter anderem M. bovis und M. africanum.

Zumindest hierzulande spielen die beiden letztgenannten Erreger aber kaum eine Rolle. Bei neun von zehn Infizierten bleibt die Infektion lebenslang latent (ohne Tuberkulose-Symptome oder Beschwerden). Die Krankheit bricht erst aus, wenn das Immunsystem der Betroffenen geschwächt ist. Unbehandelt und in schweren Verlaufsformen kann sie zum Tod führen.

 

 

Wie wird Tuberkulose übertragen?

Übertragen wird die Tuberkulose in der Regel per Tröpfcheninfektion, das heißt durch das Einatmen erregerhaltiger Tröpfchen, die von erkrankten Personen freigesetzt werden - beim Sprechen, Lachen und insbesondere beim Husten. Voraussetzung dafür ist, dass der/die Betroffene unter einer offenen Tuberkulose leidet, bei der ein Krankheitsherd Anschluss an die Atemwege hat. Nur dann können Tuberkulose-Erreger in die Außenwelt gelangen und andere gefährden.

Tuberkulose-Erreger
Der Erreger der Tuberkulose. Copyright: Max Planck-Institut für Infektionsbiologie/Volker Brinkmann

Eine Ansteckung mit Tuberkulose erfolgt längst nicht so leicht wie bei einigen anderen, ebenfalls durch Tröpfcheninfektion übertragenen, Krankheiten, wie Masern oder Windpocken. Ob es zu einer Infektion kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Menge und Aggressivität (Virulenz) des Erregers
  • Abwehrlage der exponierten Person 
  • wie lange und wie häufig stand man mit der/dem Kranken in Kontakt

So scheiden Kinder mit offener Tuberkulose beispielsweise nur kleine Erregermengen aus, so dass eine Ansteckung sehr unwahrscheinlich ist. Über den Luftweg übertragene Infektionen gehen deshalb fast immer von Erwachsenen aus. Andere Übertragungswege sind zwar theoretisch möglich, in der Realität aber selten.

Tuberkulose: Symptome und Formen

Incon: Symptome

Die Tuberkulose ist ein Krankheitsbild mit vielen Gesichtern. Abhängig vom Verlauf und vom Krankheitsstadium werden mehrere Formen unterschieden. Abhängig vom Ort, an dem sich die Infektion manifestiert, unterscheidet man Lungentuberkulose und Organtuberkulose. Mehr als 80 Prozent der Erkrankten leiden unter einer Lungentuberkulose.

Latente tuberkulöse Infektion

Steckt man sich mit einer Tuberkulose an, werden die eingedrungenen Erreger vom Immunsystem bekämpft. Beim Hauptübertragungsweg über die Lunge sind die sogenannten Alveolarmakrophagen das erste Abwehrbollwerk. Diese Fresszellen nehmen die Tuberkulose-Bakterien in ihr Inneres auf. Sie können sie aber, anders als viele andere Keime, nicht abtöten, weil die Mykobakterien dies verhindern. Um die Tuberkulosebakterien am Ort des Eindringens zu isolieren und deren Ausbreitung zu unterbinden, baut das Immunsystem um sie eine Art Wall, der Granulom genannt wird. Durch die Bildung solcher Granulome wird die Infektion zwar eingedämmt, sodass keine Symptome auftreten. Vollständig vernichtet werden können die Tuberkulose-Erreger aber nicht.

IN KÜRZE

Etwa ein Drittel der Weltbevölkerung ist mit Tuberkulose-Bakterien infiziert. Die Krankheit bricht jedoch nicht bei allen Menschen aus. Gefährdet sind Kinder und Jugendliche sowie Personen, deren Immunsystem geschwächt ist.

Inzwischen ist bekannt, dass die Bildung dieses knotenartigen Gewebes um die Infektionsherde nicht nur zur Eindämmung der Infektion dient. Vielmehr fördern die Erreger selbst diese Granulombildung aktiv durch die Ausschüttung von Botenstoffen, die die Immunzellen anlocken. Anfangs profitieren die Bakterien nämlich - was ihre Vermehrung anbelangt - davon.

Ein solcher Verlauf, bei dem Betroffene den Keim in sich tragen ohne zu erkranken, wird als latente tuberkulöse Infektion bezeichnet. Sie ist bei Menschen mit intaktem Immunsystem die häufigste Form von Tuberkulose. Da keinerlei Beschwerden auftreten, ist das einzige Indiz dafür ein positiver Tuberkulin-Hauttest oder ein Nachweis spezifischer Entzündungszellen im Blut.

Primärtuberkulose

Bei einer Primärtuberkulose entwickelt sich direkt aus der Erstinfektion ein so genannter Primärkomplex. Das ist ein örtlicher tuberkulöser Entzündungsherd mit Beteiligung der regionalen Lymphknoten. Auch in diesem Fall werden die Entzündungsherde meist vom Immunsystem eingeschlossen – wenngleich langsamer als bei einer latenten Infektion. Dabei bilden sich kleine Knötchen, die im Röntgenbild sichtbar sind und der Krankheit ihren Namen geben – die Tuberkel.

Eine Primärtuberkulose verursacht in vielen Fällen keinerlei Beschwerden. Treten Symptome auf, sind diese oft unspezifisch – d.h. sie könnten auch in Zusammenhang mit vielen anderen Krankheiten wie z.B. einer Grippe stehen. Dazu gehören:

  • eingeschränkte Leistungsfähigkeit und Allgemeinbefinden
  • Schwäche
  • Müdigkeit
  • Appetitverlust
  • leichtes Fieber
  • vermehrtes Schwitzen (vor allem nachts)

Charakteristischere Symptome einer Lungen-Tuberkulose sind Husten, niedriges Fieber (subfebril), Gewichtsverlust und seltener Bluthusten.

Postprimäre (sekundäre) Tuberkulose

Das Tückische an Tuberkulose ist, dass selbst bei einer latenten Infektion die eingedrungenen Mykobakterien lebend im Körper der Betroffenen verbleiben. Diese schlummernden Erreger können jederzeit reaktiviert werden und zu einer sogenannten postprimären Tuberkulose führen.

Angesichts dessen, dass Schätzungen zufolge etwa ein Drittel der Weltbevölkerung mit Tuberkulose-Bakterien infiziert ist, kann man sich vorstellen, was für ein gefährliches Potenzial diese Krankheit birgt. Auslöser einer solchen postprimären oder sekundären Tuberkulose, wie man auch sagt, ist fast immer eine Schwächung der körpereigenen Abwehr. Diese kann verschiedenste Ursachen haben, von Alkoholismus über Mangelernährung bis hin zu Erkrankungen wie Krebs und Diabetes. Besonders hoch ist das Risiko bei Patienten mit einer HIV-Infektionen.

GUT ZU WISSEN

Der Tuberkuloseerreger hat in einem immungeschwächten Körper, wie bei HIV-Patienten der Fall, ein relativ leichtes Spiel. Viele HIV-Patienten erkranken deshalb auch an Tuberkulose. Daher wird dazu geraten, alle Tuberkulose-Patienten auf HIV zu testen, um gegebenenfalls die Therapie an die Doppelerkrankung HIV/Tuberkulose anpassen zu können.

Miliartuberkulose

Eine frühe Form der Postprimärtuberkulose ist die Miliartuberkulose, die unmittelbar aus der Primärtuberkulose entsteht. Über Blut- und Lymphwege breiten sich die Erreger massenhaft in die Lunge und in andere Organe aus. Deshalb spricht man auch von einer primären Generalisation. Sind auch die Hirnhäute befallen, führt das zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis). Diese TB-Meningitis - und die Miliartuberkulose ganz generell - ist ein schweres Krankheitsbild, das umgehend behandelt werden muss. Symptome der Miliartuberkulose sind:

  • Fieber
  • Kopfschmerzen
  • neurologische Ausfälle
  • Husten und Atemnot
  • Nachtschweiß

Zu einer Miliartuberkulose kann es bei Menschen kommen, deren Immunsystem zum Zeitpunkt der Ansteckung geschwächt ist. Man beobachtet sie aber auch bei Säuglingen und Kleinkindern und sehr alte Menschen. In Deutschland ist diese Verlaufsform der Tuberkulose glücklicherweise sehr selten geworden.

Bei reaktivierten Tuberkulosen liegt zwischen der Erstinfektion und dem Aufflammen der Krankheit ein beschwerdefreies Intervall, das unter Umständen Jahrzehnte andauern kann. Betroffen ist dann vor allem die Lunge. Doch die Erreger können auch andere Organe befallen. Klassische Orte für solche Organtuberkulosen sind:

  • das Rippenfell
  • die Nieren und die ableitenden Harnwege
  • die Knochen
  • die Lymphknoten

Zu welchen Tuberkulose Symptomen es kommt, hängt davon ab, welches Organ beziehungsweise welche Organe betroffen sind.

Die Geschichte der Tuberkulose

Am 24. März 1882 hielt Robert Koch vor der Physiologischen Gesellschaft zu Berlin einen Vortrag, der in die Medizingeschichte eingehen sollte. Darin stellte er eine von ihm identifizierte, bis dato unbekannte Bakterienart vor, der er den Namen Mycobacterium tuberculosis gab. Für diese Entdeckung wurde der Mediziner und Mikrobiologe 1905 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Denn Robert Koch hatte den Auslöser einer Krankheit gefunden, die man mit Fug und Recht als eine der größten Geißeln der Menschheit bezeichnen kann: Tuberkulose oder kurz TB. Spuren der Erkrankung fanden Forscher an den Knochen ägyptischer Mumien und sogar an den 500.000 Jahre alten fossilen Überresten eines Frühmenschen.

GUT ZU WISSEN

Thomas Mann wurde durch die Tuberkulose-Erkrankung seiner Frau zu seinem berühmten Roman "Zauberberg" inspiriert. Er spielt in einem Davoser Lungensanatorium.

Hippokrates (460 v. Chr. – 370 v. Chr.), der wohl berühmteste Arzt der Antike, beschrieb "den Schwund" als die am weitesten verbreitete Krankheit aller Zeiten, die fast immer tödlich endet. Dies galt bis zu Robert Kochs Zeiten. So starben in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts über 20 Prozent der Menschen an Schwindsucht, wie die Tuberkulose damals oft genannt wurde. Verbesserte Lebensumstände, die Entwicklung eines Impfstoffs und vor allem die Einführung einer Kombinationstherapie mit Antibiotika in den 1960er Jahren konnten die Erkrankung immer weiter zurückdrängen.

 

 >> Mehr zur Tuberkulose Verbreitung in Deutschland und weltweit. 

Tuberkulose - Häufigste Todesursache durch bakterielle Infektion

Weltweit ist die Tuberkulose noch immer die häufigste zum Tode führende bakterielle Infektionskrankheit. Mit dem globalen Plan zum Stopp von Tuberkulose (TB) startete 2006 unter der Leitung der WHO eine groß angelegte Initiative zur weltweiten Bekämpfung der Tuberkulose. Der milliardenschwere Aktionsplan trägt inzwischen Früchte. Sorge bereitet den Experten allerdings, dass sich zunehmend Tuberkulosestämme ausbreiten, die gegen viele oder gar alle gängigen Tuberkulose-Medikamente resistent sind. Substanzen zu entwickeln, die auch bei diesen multiresistenten Keimen wirken, gehört im Kampf gegen Tuberkulose mit zu den wichtigsten Herausforderungen.

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Informationen zum Inhalt

Quellen:

Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. Tom Schaberg, Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg

Letzte Aktualisierung:

08.03.2018

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