Alpha-1-Antitrypsin-Mangel: Verbreitung

Der Alpha-1-Antitrypsin (AAT)-Mangel ist eine seltene Erkrankung. In Deutschland sind schätzungsweise  zwischen 8.000 und 10.000 Menschen betroffen. Aktuell wird in Deutschland jedoch nur bei etwa 25 Prozent der Betroffenen die Krankheit korrekt diagnostiziert. Es gibt also in Deutschland sehr viele Patienten, bei denen die Erkrankung gar nicht oder erst sehr spät erkannt wird. Beschwerden der Lunge treten meist zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr auf, die Störungen der Leber können sich jedoch schon wesentlich früher – auch im Kindes- und Jugendalter – zeigen. Typisch ist eine Gelbfärbung der Haut bei Neugeborenen (sog. neonataler Ikterus), die meistens jedoch nur vorübergehend ist. Allgemein kann gesagt werden, dass durch einen AAT-Mangel verursachte Lebererkrankungen seltener und auch meist nicht so ausgeprägt sind wie die Erkrankungen der Lunge. Von allen Patienten, die ein Lungenemphysem haben, sind ca. ein bis zwei Prozent von einem AAT-Mangel betroffen.

Formen

Der AAT-Mangel wird durch eine genetische Mutation auf Chromosom 14 verursacht. Man unterscheidet eine homozygote und eine heterozygote Form. Bei der homozygoten Form sind beide Genkopien von der Mutation betroffen. Dies führt zu einem stark ausgeprägten AAT-Mangel. Bei der heterozygoten Form ist eine Genkopie von der Mutation betroffen, die andere liegt unverändert vor. Daher ist die AAT-Menge nur leicht reduziert. Bei einem schweren AAT-Mangel findet sich bei der Mehrzahl der Erwachsenen ein Lungenemphysem. Patienten mit einem nur leichten AAT-Mangel weisen nur ein leicht erhöhtes Risiko für die Bildung eines Lungenemphysems auf. Dies nur dann, wenn zusätzlich schädliche Faktoren, wie das Zigarettenrauchen auf die Lunge einwirken.

Es sind verschiedene Mutationen des Gens für Alpha-1-Antitrypsin bekannt, die zu Krankheitsbildern unterschiedlichen Schweregrades führen können. Die unterschiedlichen Mutationen wurden mit Buchstaben bezeichnet; das normale (gesunde) Gen wird als M bezeichnet. Da das Genom des Menschen aus einem doppelten Chromosomensatz besteht, bezeichnet die Formel PiMM einen gesunden Menschen ohne Mutation (Pi steht dabei für Protease-Inhibitor, die beiden folgenden Großbuchstaben geben den Zustand der beiden Genkopien an).

Die häufigste Mutation des AAT-Gens ist die sogenannte Z-Mutation. Patienten mit einem gesunden Gen und einer Z-Mutation (also heterozygot, PiMZ) haben ein nur gering erhöhtes Risiko für Lungen- bzw. Lebererkrankungen. Sind beide Gene defekt (also homozygot, PiZZ), liegt das Risiko für eine COPD bzw. ein Lungenemphysem bei über 50 Prozent. Die Z-Mutation wurde erstmals in Schweden beschrieben. Wenngleich sie in skandinavischen Ländern am häufigsten auftritt, findet man sie in Europa praktisch in jedem Land.

Die zweithäufigste Mutation des AAT-Gens ist die S-Mutation. Diese Mutation findet sich am häufigsten in Regionen der iberischen Halbinsel. Die S-Mutation führt zu einer Erkrankung mit relativ milder Ausprägung. Bei Patienten mit nur einem defekten Gen (also heterozygot, PiMS) ist das Risiko für Lungen- und/oder Lebererkrankung im Vergleich zur Normalbevölkerung nicht erhöht. Erst wenn beide Gene von der S-Mutation betroffen sind (also homozygot, PiSS), kann es zu Lungenerkrankungen kommen. Im Vergleich zur Z-Mutation ist die Ausprägung von Lungenerkrankungen deutlich geringer, ein vermehrtes Auftreten von Lebererkrankungen ist bei der S-Mutation nicht beschrieben.

Das Deutsche Alpha-1-Register erfasst AAT-Mangel-Patienten in Deutschland. Regelmäßige Befragungen und Kontrolluntersuchungen dienen dazu, den Langzeitverlauf der Erkrankung beurteilen zu können, Verlaufsformen zu dokumentieren und entsprechende Anpassungen der Versorgung und Therapie vorzunehmen.

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Informationen zum Inhalt

Quellen:

  • Biedermann A, Köhnlein T: Alpha-1-Antitrypsin-Mangel – eine versteckte Ursache der COPD: Überblick über Pathogenese, Diagnostik, Klinik und Therapie. In: Deutsches Ärzteblatt, 2006, 103: 26, 1828-1832. http://www.aerzteblatt.de/archiv/51957 

Letzte Aktualisierung:

01. Juli 2013

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