Lungenkrebs: Therapien

Welche Behandlung ist die richtige?
Das ist von verschiedenen Faktoren abhängig, zum Beispiel:

  • vom allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten,
  • von der Ausdehnung seiner Erkrankung, also dem Stadium,

Operation - Tumor möglichst vollständig entfernen

Wann werden Patienten mit Lungenkrebs operiert?

  • Bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs werden Patienten in frühen Tumorstadien nach Möglichkeit operiert. Voraussetzung ist, dass ihr Gesundheitszustand es zulässt, entscheidend ist vor allem ihre Herz- und Lungenfunktion.

GUT ZU WISSEN:

Kliniken mit besonderer Spezialisierung auf Bronchialkarzinome können sich seit einiger Zeit als „Lungenkrebszentrum“ zertifizieren lassen, eine Liste finden Sie hier: www.onkozert.de/
lungenkrebszentren.htm
.

  • In fortgeschrittenen Stadien des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms kommt eine Operation oft nicht mehr infrage: wenn der Tumor bereits in benachbarte Organe eingewachsen ist, bei ausgedehntem Lymphknotenbefall oder dem Vorliegen von Fernmetastasen (Absiedlungen des Tumors in andere Organe).
  • Beim kleinzelligen Lungenkrebs steht die Chemotherapie im Vordergrund. Nur ein sehr kleiner Tumor kann eventuell operiert werden, Patienten bekommen aber auch dann zusätzlich eine Chemotherapie.

Strahlentherapie und Radiochemotherapie: Zellen am Wachstum hindern

Ist eine Operation nicht möglich, setzen Ärzte bei Patienten mit nicht-kleinzelligen Lungentumoren wenn irgend möglich eine Bestrahlung ein, um das Tumorwachstum zu bremsen. Ist die Erkrankung nicht sehr weit fortgeschritten, lässt sich bei einigen Patienten damit auch eine Heilung erzielen.

Unter Umständen lässt sich ein zunächst inoperabler nichtkleinzelliger Tumor durch eine neoadjuvante, der Operation vorgeschaltete Bestrahlung so verkleinern, dass ein chirurgischer Eingriff doch noch möglich wird. Eine der Operation nachgeschaltete adjuvante Bestrahlung kann eine Operation ergänzen, etwa wenn nicht alles Tumorgewebe entfernt werden konnte. Eine Kombination von Bestrahlung und Chemotherapie ist möglich.

GUT ZU WISSEN:

Was ist vor einer Bestrahlung zu beachten? Wie läuft die perkutane Bestrahlung ab? Was bietet die Brachytherapie? Antworten auf diese und viele andere Fragen zur Strahlentherapie bei Lungenkrebs finden Sie beim Krebsinformationsdienst.

Bei kleinzelligem Bronchialkarzinom hat die Bestrahlung einen festen Stellenwert, wird allerdings fast bei allen Patienten mit einer Chemotherapie kombiniert, als Radiochemotherapie. Dann kann sie zumindest im Stadium Limited Disease zur Heilung beitragen.

Eine Rolle spielt die Bestrahlung bei kleinzelligen wie bei nichtkleinzelligen Tumoren auch dann, wenn ein Patient ein hohes Risiko für Metastasen trägt oder bereits solche Tochtergeschwülste entwickelt hat.

  • Eine vorsorgliche Bestrahlung des Kopfes kann Patienten vor Metastasen im Gehirn schützen. Sie spielt vor allem bei kleinzelligem Lungenkrebs eine Rolle. Bei nicht-kleinzelligen Tumoren ist der Stellenwert nicht wirklich klar: Daher gehört die prophylaktische Bestrahlung in Deutschland nicht zu den Standardverfahren, sie kann je nach Situation aber durchgeführt werden.
  • Die Bestrahlung hilft auch, wenn bereits Hirnmetastasen aufgetreten sind, sie kann zur Linderung von Beschwerden beitragen und das Fortschreiten der Erkrankung im Gehirn verlangsamen.
  • Patienten mit Knochenmetastasen können von einer Bestrahlung eine oft sehr wirksame Schmerzlinderung erwarten, und die Bruchgefahr nimmt ab.
  • Die Strahlentherapie wird, je nach Situation, auch zur Behandlung der Symptome eingesetzt, die ausgedehnte Tumoren im Brustkorb verursachen, zum Beispiel bei Husten, Bluthusten, Brustschmerzen oder Atemnot.

Bei der Strahlentherapie werden Krebszellen durch energiereiche Strahlung zerstört. Die Bestrahlung erfolgt meist "perkutan", also von außen durch die Haut. Sollen Tumoren bestrahlt werden, die zum Beispiel die Atemwege zu verlegen drohen, kommt auch eine sogenannte Brachytherapie infrage. Hier führen Ärzte eine Strahlenquelle direkt an den Tumor heran, durch die Luftröhre.

Patienten mit Lungenkrebs sollten möglichst nicht rauchen. Raucher vertragen die Bestrahlung weniger gut und die Gefahr von Komplikationen ist größer. Viele Radiologen empfehlen Patienten, während der Behandlung besser auch auf hochprozentigen Alkohol und scharfe oder sehr saure Speisen zu verzichten. Diese können bei einer Bestrahlung des Mediastinums die Speiseröhre zusätzlich reizen - sie liegt mit im Strahlenfeld. Die Haut im Bestrahlungsgebiet kann für einige Monate sehr empfindlich bleiben und sollte keiner direkten Sonnenstrahlung ausgesetzt werden.

Was sie im Vorfeld einer Bestrahlung noch beachten müssen, sollten Patienten mit ihren behandelnden Ärzten direkt besprechen. Informationen aus dem Internet können ein persönliches Gespräch nicht ersetzen.

Wann bekommen Patienten mit Lungenkrebs eine Chemotherapie?

  • Beim kleinzelligen Lungenkarzinom ist die Chemotherapie die wichtigste Behandlungsmethode. In frühen Krankheitsstadien kann sie zur Heilung führen oder die Erkrankung zumindest längere Zeit aufhalten. In späteren Stadien lindert sie tumorbedingte Beschwerden und kann das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. Die Chemotherapie wird häufig mit einer Bestrahlung zur Radiochemotherapie kombiniert.
  • Patienten mit nicht-kleinzelligen Karzinomen werden nach Möglichkeit operiert. Die Chemotherapie wird trotzdem bei vielen Betroffenen „adjuvant“ - also ergänzend - gegeben: Sie soll im Körper verstreute Krebszellen vernichten.
  • Ist ein nicht-kleinzelliger Lungenkrebs zwar noch lokal begrenzt, aber nicht mehr operierbar, setzen Ärzte eine Chemotherapie ein, wenn möglich in Kombination mit Bestrahlung als Radiochemotherapie.
  • Bei fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs bekommen Patienten eine Chemotherapie zur Vorbeugung und Linderung von krankheitsbedingten Beschwerden und Komplikationen. Für Patienten und ihre Ärzte ist es in dieser Situation wichtig, den Nutzen und die Vorteile durch die Behandlung gegen die möglichen Belastungen und Nebenwirkungen abzuwägen. Wie die Behandlung bei einer fortgeschrittenen Erkrankung aussieht, orientiert sich daher vorrangig an der individuellen Situation.


Weitere Informationen zur Chemotherapie

Was bei einer Chemotherapie passiert, wie sich die Symptome behandeln lassen und weiterführende Fragestellungen, erfahren Sie beim Krebsinformationsdienst.

 

 

Frühe Stadien: Lokal begrenzter Tumor

Als lokal begrenzt werden nicht-kleinzellige Bronchialkarzinome der frühen Stadien I und II sowie Tumoren im Stadium IIIA Stadien mit der Einstufung T3N1M0 beschrieben.

Therapie der Wahl: Möglichst vollständige Operation
Die betroffenen Lungenanteile werden chirurgisch entfernt, ebenso Lymphknoten, die von Tumorzellen befallen sind. Gesundes Gewebe wird so weit wie möglich geschont. 

  • Ein ausreichender Rand an gesundem Gewebe muss jedoch mit weggeschnitten werden: Dieser Sicherheitsabstand ist nötig, damit auch solche Tumoranteile entfernt werden, die für den Chirurgen nicht sichtbar sind. Das Gewebe wird nach der Entfernung unter dem Mikroskop auf nicht mit bloßem Auge sichtbare Tumorzellen hin untersucht
  • Eventuell werden weitere Lymphknoten zur Diagnostik herausgenommen und untersucht. So können Ärzte die Ausbreitung der Erkrankung genauer bestimmen.

Mehr zur Operation und ihrer Durchführung bietet der Text "Behandlungsverfahren bei Lungenkrebs"


Bestrahlung: Wenn der Tumor nicht vollständig entfernt werden konnte

  • Nachresektion: Erfolgte die Operation nicht "im Gesunden", finden sich also im Sicherheitsrand noch Krebszellen, sollte möglichst in einer zweiten Operation weiteres Gewebe entfernt werden (mehr dazu beim Krebsinformationsdienst).
  • Nachbestrahlung: Vielen Patienten kann eine Nachresektion nicht zugemutet werden. Dann  wird eine Nachbestrahlung des Operationsgebiets empfohlen (mehr dazu beim Krebsinformationsdienst).

Unterstützende Chemotherapie: Rückfallrisiko senken

Als "adjuvant" bezeichnet man eine Chemotherapie, die nach der Operation zur Senkung des Rückfallrisikos angewendet wird (mehr dazu beim Krebsinformationsdienst).Eine neoadjuvante Chemotherapie wird dagegen vor der Operation durchgeführt: Sie kann große Tumoren eventuell so verkleinern, dass der Eingriff schonender oder überhaupt erst durchführbar wird.


Wann kommt eine adjuvante Chemotherapie bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs infrage?

  • Bei Tumoren im Stadium II und auch bei Lymphknotenbefall innerhalb der Lunge oder an der Lungenwurzel (Stadium IIIA1 und IIIA2) bekommen Patienten eine adjuvante Chemotherapie. Voraussetzung ist, dass die Gesundheit der Patienten die Behandlung zulässt. Die adjuvante Chemotherapie beginnt innerhalb der ersten 60 Tage nach der Operation.

Was spricht gegen eine Chemotherapie? Patienten mit schwerer Begleiterkrankung, etwa Herz- oder Nierenproblemen, müssen im Einzelfall mit den behandelnden Ärzten besprechen, ob sie eine adjuvante Chemotherapie erhalten sollten.


Alleinige Strahlentherapie: Wenn eine Operation nicht möglich ist
In frühen Stadien (I und II) kann beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs eine alleinige Strahlentherapie (mehr dazu beim Krebsinformationsdienst) zum Einsatz kommen,

  • wenn eine Operation aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist,
  • wenn ein Patient keine Operation möchte.

Der Tumor in der Lunge wird dann, je nach Bestrahlungskonzept, mit einer Gesamtdosis von etwa 60 Gray (Gy) in mehreren Sitzungen während bis zu sechs Wochen bestrahlt. Gray ist die Einheit, in der die Stärke einer Bestrahlung gemessen wird.

  • Bei inoperablen Tumoren ohne Lymphknotenbefall (T1-3N0) wird eventuell eine einmalige Punktbestrahlung mit sehr hoher Strahlendosis nur auf den Tumor durchgeführt.

Stadium IIIA3: Beste Behandlung wird in Studien erforscht
Für Patienten mit geringem Lymphknotenbefall auf der tumorbefallenen Seite des Mediastinums lassen sich  Vor- oder Nachteile einzelner Behandlungsstrategien anhand der vorliegenden Daten noch nicht eindeutig beurteilen. Möglich sind je nach individueller Situation

  • eine alleinige Operation und eine Nachbestrahlung,
  • eine Operation und eine vorherige oder nachfolgende Chemotherapie oder kombinierte Chemostrahlentherapie, die gleichzeitig erfolgt (simultane Radiochemotherapie)
  • oder eine alleinige Radiochemotherapie, ohne Operation.

Alle Patienten in dieser Situation sollten im Rahmen von kontrollierten klinischen Studien behandelt werden, so die Empfehlung von Fachleuten (mehr dazu beim Krebsinformationsdienst).

Fortgeschrittene Stadien: Ausgedehnter Lokaltumor und Lymphknotenbefall

Als fortgeschrittene Tumoren werden nicht-kleinzellige Lungenkarzinome des Stadiums III bezeichnet.

Falls möglich: Vollständige Operation mit begleitender Chemotherapie
Wann immer möglich, wird auch bei fortgeschrittener Erkrankung eine vollständige operative Entfernung des Tumors inklusive der Lymphknoten angestrebt (mehr dazu beim Krebsinformationsdienst). Anschließend erhalten Patienten eine adjuvante Chemotherapie.

  • Stadien IIIA1 und IIIA2: Der Tumor ist operabel, bei der feingeweblichen Untersuchung von operativ entfernten Lymphknoten werden aber Tumorzellen entdeckt, dann liegt ein Stadium IIIA1 vor. Oder der Chirurg stellt bei der Operation einen vorher nicht bekannten Lymphknotenbefall fest, dann liegt ein Stadium IIIA2 vor.

Mit der adjuvanten Chemotherapie sollte innerhalb der ersten 60 Tage nach der Operation begonnen werden. Finden sich Tumorzellen in den Lymphknoten des Mediastinums, wird im Anschluss an die Chemotherapie nach Möglichkeit der Brustraum bestrahlt.

  • Stadium IIIA3: Der Tumor ist noch operabel, es wurde aber schon vor der Operation eine ausgedehnte Lymphknotenbeteiligung festgestellt: Im Rahmen von Studien wird noch untersucht, welche Therapie für diese Patienten am günstigsten ist.

Radiochemotherapie: Wenn eine Operation nicht möglich ist
Eine kombinierte Radiochemotherapie kann die Prognose von Patientenverbessern, deren Tumor nicht operiert werden kann, und ihr Überleben verlängern. Nutzen und Risiken müssen aber in jedem Fall sorgfältig gegeneinander abgewogen werden.

  • Im Stadium IIIA4, Stadium IIIB: Es steht für örtlich weiter fortgeschrittene Tumoren mit Befall der Nachbarorgane und solche mit ausgedehnten Lymphknotenmetastasen. Hier ist eine vollständige Operation des Tumors in der Lunge meist nicht möglich.
  • Wenn ein chirurgischer Eingriff zu belastend wäre, können Patienten eine kombinierte Radiochemotherapie oder eine alleinige Strahlentherapie erhalten. Die kombinierte Behandlung hat sich als wirksamer erwiesen und sollte bei gesundheitlich "fitten" Patienten bevorzugt werden. Die gleichzeitige Behandlung mit Zytostatika und Bestrahlung hat sich dabei als günstiger herausgestellt als eine Therapie, in der die beiden Methoden nacheinander angewendet werden.

Metastasen: Behandlung bei inoperablen Tumoren und Metastasen

Mehr als die Hälfte der Patienten mit nicht kleinzelligem Lungenkrebs leidet zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bereits unter Metastasen (mehr dazu beim Krebsinformationsdienst).

Ein weiterer Teil der Betroffenen entwickelt einige Zeit nach einer zunächst erfolgreichen Behandlung einen Rückfall. Am häufigsten finden sich Tumorabsiedlungen in den Knochen oder in der Leber. Fernmetastasen können jedoch auch in anderen Organen auftreten. Betroffene müssen sich darauf einrichten, dass sich ihre Erkrankung zwar aufhalten und lindern lässt, eine Heilung jedoch meist nicht mehr möglich ist. Bei der Behandlungsplanung müssen der Nutzen und die Nebenwirkungen gegeneinander aufgewogen werden – für Patienten wie für ihre Ärzte eine immer wieder aufs Neue schwierige Situation.

Behandlungsziel: Beschwerden lindern, Lebensqualität erhalten
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom, wenn der Tumor fortgeschritten und nicht mehr operabel ist (Stadium IIIB) oder Metastasen vorliegen (Stadium IV)? Die Behandlung richtet sich nach den Beschwerden. Ziel ist es, die Symptome zu lindern und die Patienten dadurch noch lange zu einem möglichst normalen Leben zu befähigen. Welche Behandlung im Einzelnen infrage kommt, müssen Patienten mit ihren Ärzten besprechen. Möglich sind:

  • Bestrahlung der Lunge: um Atemnot, Schmerzen und starken oder blutigen Auswurf beim Husten zu lindern
  • Bestrahlung von Knochenmetastasen: gegen Schmerzen und Bruchgefahr
  • Bisphosphonate bei Knochenmetastasen: Medikamente, die in den Knochenstoffwechsel stabilisierend eingreifen
  • Bestrahlung oder Operation von Hirnmetastasen: gegen neurologische Komplikationen wie Lähmungen oder Krampfanfälle (mehr dazu beim Krebsinformationsdienst).
  • Chemotherapie: gegen vielfältige krankheitsbedingte Beschwerden, die durch den Tumor in der Lunge oder Metastasen verursacht werden
  • Unterstützende Behandlungen

Eine Behandlung sollte begonnen werden, solange der allgemeine Gesundheitszustand noch möglichst wenig beeinträchtigt ist. Ein schlechter Allgemeinzustand kann insbesondere eine Behandlung mit Zytostatika erschweren oder unmöglich machen. Mehr zur "unterstützenden Behandlung bei belastenden Symptomen" hat der Krebsinformationsdienst in einem eigenen Kapitel zusammengestellt.


Chemotherapie: Verfügbare Zytostatika bei metastasiertem Lungenkrebs
Sofern es der allgemeine Gesundheitszustand erlaubt, erhalten Patienten meist eine Kombination aus mehreren Medikamenten (LINK auf Behandlungskapitel). Die Kombinationstherapie ist meist effektiver als eine Monotherapie, also die Behandlung mit nur einer Substanz, hat aber meist mehr Nebenwirkungen. Für ältere Patienten mit Vorerkrankungen ist eine Monotherapie daher nach Abwägung von Nutzen und Risiken oft die bessere Wahl.

  • Platinsalze (Cisplatin und Carboplatin) gehören zu den wichtigsten Lungenkrebsmedikamenten. Mit Platin können andere Substanzen kombiniert werden. Cisplatin wird der Vorzug gegeben, sofern es der Gesundheitszustand des Patienten zulässt. Carboplatin kommt vor allem bei Patienten zum Einsatz, die schwere Begleiterkrankungen haben, wie zum Beispiel ein Herz- oder Nierenleiden.  
  • Bei Patienten mit schweren Begleiterkrankungen ist auch eine Chemotherapie ohne Platin möglich. Infrage kommt eine Monotherapie mit zum Beispiel Gemcitabin oder Vinorelbin.

Wie viele Chemotherapiezyklen sind notwendig?
Wie viele Zyklen mit Zytostatika ein Patient erhält, hängt davon ab, ob das Krebsgewebe auf die Behandlung anspricht oder nicht. Wird bei Kontrolluntersuchungen ein Tumorrückgang festgestellt, werden vier bis sechs Zyklen empfohlen. Reagiert der Tumor nicht auf die Behandlung, wird sie abgebrochen – betroffene Patienten hätten nur Nebenwirkungen, keinen Nutzen. Patienten in gutem Allgemeinzustand können dann eine andere Chemotherapie erhalten.

Weitere Medikamente: Wenn der Krebs nicht auf Chemotherapie anspricht

Wenn ein Tumor auf eine Behandlung mit Zytostatika nicht reagiert, sprechen Ärzte von einer "Chemotherapieresistenz" LINK. Die Behandlungsmöglichkeiten bei fortgeschrittenem und metastasiertem nicht-kleinzelligen Lungenkrebs sind dann begrenzt.

  • Zielgerichtete Medikamente, "Targeted therapies": Bei einem Teil der Patienten können EGFR-Inhibitoren wie Gefitinib den Tumor und seine Symptome für gewisse Zeit kontrollieren (mehr dazu beim Krebsinformationsdienst).
  • Besonders bei lebenslangen Nichtrauchern findet man manchmal eine Genveränderung, die zu einer Vermehrung der EGF-Rezeptoren an der Zelloberfläche führt. Deshalb scheinen Menschen, die nie geraucht haben, von diesem Therapieansatz in erheblich größerem Maße zu profitieren als Raucher.

Patienten mit kleinzelligem Lungenkrebs tragen ein hohes Risiko für Metastasen. Auch wenn der Ursprungstumor noch klein ist, finden sich oft schon Absiedlungen in anderen Geweben im Brustkorb oder in entfernten Organen. Bei Diagnosestellung leiden zwei Drittel der Patienten bereits unter einer Erkrankung im Stadium "Extensive disease" (ED): Ihr Tumor hat sich über beide Hälften des Brustkorbs ausgebreitet und oft auch schon Metastasen gebildet.

Eine vollständige operative Entfernung ist nur bei noch sehr kleinen, örtlich begrenzten Tumoren möglich (Stadium I). Im Vergleich zu den nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen spricht das kleinzellige Karzinom besser auf eine Chemotherapie an. Die Behandlung mit Zytostatika hat deshalb bei dieser Form von Lungenkrebs die größte Bedeutung. Tumoren lassen sich damit rasch verkleinern und verschwinden häufig zunächst ganz. Eine dauerhafte Heilung ist jedoch nur für wenige Patienten möglich.

IN KÜRZE:

Die Behandlung von kleinzelligem Lungenkrebs hängt von der Ausbreitung des Tumors und vom allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten ab.

Limited disease: Kleinzelliger Lungenkrebs ohne Metastasen

Im Stadium der "Limited disease" (LD, Stadium I-III) sind noch keine Metastasen in  anderen Organen nachweisbar (mehr dazu beim Krebsinformationsdienst).

Operation: In frühen Stadien manchmal möglich
Sehr kleine Tumoren können manchmal operativ entfernt werden. Voraussetzung ist, dass noch keine oder nur sehr wenige Lymphknoten im Mediastinum befallen sind, dem Raum zwischen den Lungenflügeln  (Stadium I, II). Diese Situation ist allerdings nur bei sehr wenigen Patienten gegeben.

  • Um möglicherweise vorhandene, aber noch nicht nachweisbare Metastasen auszuschalten, bekommen Patienten auch eine Chemotherapie, meist im Anschluss an die Operation (mehr dazu beim Krebsinformationsdienst)
  • Nachbestrahlung: Können die Ärzte den Tumor nicht vollständig entfernen oder finden sie bei der Untersuchung der entfernten Lymphknoten unter dem Mikroskop Krebszellen, bekommen die Patienten eine Nachbestrahlung von außen.
  • Prophylaktische Schädelbestrahlung: Nach der Operation sollten Patienten laut aktueller Leitlinie  auch eine vorbeugende Bestrahlung  des Schädels erhalten, da das kleinzellige Lungenkarzinom häufig Absiedlungen im Gehirn bildet.

Häufigste Therapie: Kombination von Chemotherapie und Bestrahlung
Die gleichzeitige Chemo- und Strahlentherapie ist heute die wirkungsvollste Therapie bei kleinzelligem Lungenkrebs der Stadien IIB, IIIA und IIIB. So werden etwas größere Tumoren eingestuft, die auf einen Lungenflügel begrenzt wachsen. Auch sie gelten noch als "Limited disease".

  • Die Chemotherapie wird alle drei Wochen über vier bis sechs Zyklen gegeben.
  • Gleichzeitig mit der Chemotherapie beginnt eine Bestrahlung  des Tumors in der Lunge sowie des Mediastinums.
  • Gehen die Ärzte davon aus, dass ein Patient eine Strahlentherapie parallel zur Chemotherapie nicht vertragen würde, kann sie auch danach erfolgen. Dies ist mit geringeren Nebenwirkungen, wahrscheinlich jedoch auch mit einer etwas geringeren Wirksamkeit verbunden.
  • Prophylaktische Schädelbestrahlung: Auch in diesen Tumorstadien wird im Anschluss an die Behandlung der Schädel bestrahlt, da das kleinzellige Lungenkarzinom häufig Absiedlungen im Gehirn bildet.


Chemotherapie: Geeignete Zytostatika im Stadium Limited disease
Bei der Behandlung von kleinzelligem Lungenkrebs im Stadium Limited disease werden verschiedene Medikamente eingesetzt. Welche Zytostatika generell infrage kommen, lesen Sie beim Krebsinformationsdienst.

  • Üblich ist eine Kombinationstherapie aus zwei oder drei Substanzen.
  • Die Behandlung mit einer Kombination aus Cisplatin und Etoposid gilt dabei als erste Wahl.
  • Sofern Cisplatin aufgrund seiner Nebenwirkungen nicht infrage kommt, sollte eine Kombination aus anderen Medikamenten versucht werden. Patienten, deren Gesundheitszustand eingeschränkt ist, können auch eine Monotherapie mit nur einer Substanz erhalten. Lesen Sie mehr dazu beim Krebsinformationsdienst.

Neoadjuvante Therapie: Keine Standardbehandlung
Manchmal verkleinert sich der Tumor durch die Chemotherapie so weit, dass er vollständig operativ entfernt werden kann. Ob dieses sogenannte neoadjuvante Vorgehen die Heilungsaussichten verbessert, ist allerdings noch nicht geklärt. Entscheidend ist dabei, dass für eine Operation infrage kommende Patienten keine befallenen Lymphknoten im Mediastinum aufweisen.

GUT ZU WISSEN:

Eine Bestrahlung des Gehirns senkt das Risiko für Hirnmetastasen und einen Rückfall.

Rückfälle: Wie verhindern?
Obwohl sich die Krankheit bei vielen Patienten mit "Limited disease" nach der ersten Therapie vollständig zurückbildet, erleiden etwa acht von zehn Patienten längerfristig einen Rückfall. Wie lässt sich dieses hohe Rückfallrisiko senken? Etabliert und in ihrer Wirksamkeit belegt ist bisher nur die vorsorgliche Bestrahlung des Schädels, sie kann Hirnmetastasen verhindern.

Andere Strategien blieben bislang ohne eindeutiges Ergebnis. Eine Weiterbehandlung mit Zytostatika, die sogenannte Erhaltungstherapie, wird von Fachleuten als Routinetherapie nicht empfohlen. Sie führt meist nicht zu einer verlängerten Überlebenszeit, beeinträchtigt mit ihren Nebenwirkungen aber die Lebensqualität der Patienten. Auch Behandlungen mit Interferon (mehr dazu beim Krebsinformationsdienst) oder diverse Immuntherapien haben ebenso wie alle Ansätze zur Intensivierung der Chemotherapie bis hin zur Hochdosistherapie bisher keine überzeugenden Ergebnisse erbracht.

Extensive disease: Kleinzelliger Lungenkrebs mit Metastasen

Bei zwei Dritteln der Patienten hat die Erkrankung bei Diagnosestellung schon das Stadium "Extensive disease" (ED, Stadium IV) erreicht (mehr dazu beim Krebsinformationsdienst). Metastasen des kleinzelligen Lungenkarzinoms entwickeln sich vor allem in der Leber, im Skelett, im Gehirn und in den Nebennieren. Auch hier ist das Ziel, die Krankheit durch eine Chemotherapie möglichst vollständig zurückzudrängen. Dies gelingt bei etwa einem Fünftel der Patienten, aber meist nur für gewisse Zeit. Die Behandlung dient vorrangig der Linderung von Beschwerden, der Vorbeugung von Komplikationen und dem Erhalt der Lebensqualität, solange es geht.

  • Die Chemotherapie kann das Überleben im Vergleich zum Verlauf bei unbehandelter Erkrankung verlängern.
  • Außerdem trägt sie zur Linderung von Beschwerden und zur Vorbeugung von Komplikationen bei.

Wie die Heilungschancen eines Patienten und wie eine individuelle Behandlungsplanung aussieht, kann jedoch nur gemeinsam mit den behandelnden Ärzten geklärt werden.
Chemotherapie: Geeignete Zytostatika im Stadium Extensive disease. (mehr dazu beim Krebsinformationsdienst)

    • Am häufigsten wird eine Kombination aus Platin-haltigen Zytostatika und Etoposid eingesetzt, sie ist am wirksamsten.
    • Carboplatin wird bei Patienten mit sehr fortgeschrittener Erkrankung bevorzugt angewendet, da es meist besser verträglich ist als Cisplatin.
    • Alternativ können Anthrazykline oder Kombinationen aus Platin-Präparaten mit Topotecan oder Irinotecan angewendet werden (mehr dazu beim Krebsinformationsdienst)

    Dosierung: Die Behandlung mit einem einzelnen Medikament als Monotherapie oder mit sehr "milden" Kombinationstherapien ist theoretisch möglich, aber weniger wirksam. Da so auch Symptome weniger gut gelindert werden, erbringen eine Dosisreduktion oder andere Abwandlungen der üblichen Behandlung Patienten meist keine Vorteile.

    In Studien konnte auch gezeigt werden, dass auch die Steigerung der Dosierung oder die Verkürzung der Therapiepausen Patienten nicht hilft: Die Erkrankung wurde nicht besser eingedämmt, aber die Nebenwirkungen waren stärker ausgeprägt.

    Schädelbestrahlung: Hirnmetastasen vorbeugen
    Auch bei einer ausgedehnten Erkrankung empfiehlt die Leitlinie Patienten eine Bestrahlung des Gehirns, um Hirnmetastasen  vorzubeugen oder sie so früh wie möglich zu behandeln.

    IN KÜRZE:

    Eine unterstützende Behandlung lindert Husten, Atemnot oder Schmerzen, eine Ernährungstherapie kann bei Gewichtsverlust helfen.

    Für Patienten mit einer Lungenkrebserkrankung ist die Behandlung von Krankheits- oder Therapiefolgen besonders wichtig. Längst nicht alle Erkrankten müssen mit belastenden Symptomen rechnen. In fortgeschrittenen Krankheitsstadien steigt jedoch die Zahl der Patienten, die ohne unterstützende Behandlung unter Husten, Atemnot oder Schmerzen leiden.

    Viele Erkrankte haben zudem schon längere Zeit vor der Diagnose an Gewicht verloren, und ihr Allgemeinzustand ist insgesamt schlecht. Sie benötigen eine frühzeitig einsetzende unterstützende Behandlung, um ihre Lebensqualität zu verbessern und so lange und so gut wie möglich zu erhalten. Die entsprechenden Maßnahmen werden als supportive Therapien bezeichnet.

    Weitere Informationen zur Linderung möglicher einzelnen Beschwerden, wie Husten, Atemnot, Gewichtsverlust oder Nebenwirkungen von Medikamenten finden Sie beim Krebsinformationsdienst.

    Aussichten einer Behandlung

    Die besten Aussichten haben Patienten, wenn ihr Tumor vollständig operativ entfernt oder durch andere Therapieverfahren zerstört werden kann. Dies gelingt meist nur in frühen Krankheitsstadien.

    • Beim kleinzelligen Lungenkrebs wenden Ärzte vor allem die Chemotherapie an, auch in frühen Krankheitsstadien mit heilender Absicht. Nur sehr kleine Tumoren werden unter Umständen operiert, auch dann bekommen Patienten zusätzlich eine Chemotherapie.

    Hat der Tumor die Lungengrenzen bereits überschritten und in zahlreiche Lymphknoten oder andere Organe und Gewebe gestreut, versuchen die Ärzte, das Krebswachstum zurückzudrängen und so lange wie möglich aufzuhalten. Eine vollständige Heilung gelingt allerdings nur bei wenigen Betroffenen mit fortgeschrittener Erkrankung.

    Um ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern und belastende Symptome abzuschwächen, können Ärzte eine Chemotherapie oder eine Strahlentherapie durchführen. Bei beiden Methoden sterben Krebszellen ab und können vom Körper abgebaut werden. Allerdings werden auch gesunde Zellen geschädigt, was zu Nebenwirkungen der Behandlung führen kann.

    Seit einigen Jahren gibt es außerdem sogenannte "gezielte Krebsmedikamente". Sie stören Signalwege oder Stoffwechselvorgänge, die nur oder fast nur in Krebszellen aktiv sind. Solche zielgerichteten Therapien können - je nach Situation - bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs zum Einsatz kommen. Allerdings weist das Tumorgewebe nicht bei allen Betroffenen die molekularbiologischen Besonderheiten auf, die eine solche Behandlung überhaupt erst wirksam machen. Trotz der gezielten Wirkung auf Tumorzellen sind diese Medikamente ebenfalls nicht nebenwirkungsfrei.

    Eine wesentliche Rolle spielt die Behandlung belastender Symptome, etwa durch eine gute Schmerztherapie, durch die gezielte Behandlung beispielsweise von Knochenmetastasen mit Medikamenten und Bestrahlung, oder auch durch unterstützende Physiotherapie und eine intensivierte Ernährungstherapie.

    Patienten mit schlechtem Gesundheitszustand, besonders Betroffene mit beeinträchtigter Leistungsfähigkeit von Herz und Lunge, müssen damit rechnen, dass bei ihnen bestimmte Therapieformen nur eingeschränkt oder gar nicht angewendet werden können, da sie zu belastend wären. Wie alt ein Patient ist, spielt jedoch keine entscheidende Rolle.

    Die Behandlung von Bronchialkarzinomen sollte von einer Klinik mit entsprechender Erfahrung in Thoraxchirurgie, Bestrahlung und Chemotherapie bei Lungenkrebs durchgeführt werden. Spezialisierte Kliniken beteiligen sich meist auch an klinischen Studien zur Verbesserung und Weiterentwicklung der Behandlung.

     

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    Informationen zum Inhalt

    Quellen:

    • Leitlinien der American Society of Clinical Oncology (ASCO) zum Thema Lungenkrebs in englischer Sprache und an Fachleute gerichtet unter www.asco.org, Stichwort Practice Guideline

    Letzte Aktualisierung:

    26.05.11

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