Untersuchungen bei Verdacht auf Lungenkrebs

Die meisten Patienten mit Lungenkrebs erfahren von ihrer Erkrankung erst in einem späten Stadium. Gerade für Raucher ist es wichtig, bei Krankheitszeichen nicht zu lange mit einem Arztbesuch zu warten. Ob hinter Husten, Atemnot oder Gewichtsverlust eine eher harmlose Ursache steht oder tatsächlich Lungenkrebs, lässt sich mit vergleichsweise wenig belastenden Untersuchungen abklären. Wurde Lungenkrebs diagnostiziert, folgen weitere Untersuchungen. Damit wird abgeklärt, um welche Tumorart es sich genau handelt und wie weit der Krebs sich ausgebreitet hat. Hinzu kommen diagnostische Verfahren, die Aufschluss über den Allgemeinzustand und etwaige sonstige Erkrankungen eines Patienten geben.
Anhand der Ergebnisse der verschiedenen Untersuchungen können Ärzte die nachfolgende Therapie individuell an die Bedürfnisse Betroffener anpassen.

Erste Ansprechpartner sind in der Regel die Hausärzte. In Absprache mit ihnen können Patienten erste Untersuchungen bei niedergelassenen Fachärzten durchführen lassen. Eine weitere Möglichkeit bieten die Ambulanzen von auf Krebs spezialisierten Krankenhäusern am Wohnort oder in der nächstgrößeren Stadt. Seit einiger Zeit gibt es auch zertifizierte Lungenkrebszentren. Eine Adressliste findet sich im Internet unter OnkoZert, einem unabhängigen Institut, welches im Auftrag der Deutschen Krebsgesellschaft Krebszentren betreut und zertifiziert.

Welche Untersuchungen werden gemacht?

Besteht aufgrund von Symptomen ein Verdacht auf Lungenkrebs, ist eine Reihe von Untersuchungen zur Diagnosesicherung notwendig. Sie dienen dazu, den Verdacht zu bestätigen oder einen Lungentumor sicher auszuschließen. Am Anfang steht die sogenannte Basisdiagnostik, das sind Untersuchungen, die bei fast allen Patienten gemacht werden.

Zunächst erfragt der Arzt die Krankengeschichte und führt eine körperliche Untersuchung durch. Erste Informationen - und eventuell einen Verdachtsbefund - liefert dann eine Röntgenübersichtsaufnahme. Tumoren in den äußeren Lungenanteilen stellen sich im Röntgenbild ab etwa einem Zentimeter Größe als helle, oft rundliche Flecken dar. Fachleute sprechen von Lungenrundherden oder Tumorherden. Karzinome im zentralen Bereich der Lunge sind auf dem Röntgenbild dagegen oft schlecht erkennbar. Sie können von anderen Strukturen überlagert sein, zum Beispiel von Blutgefäßen oder dem Herzen. Mit der Computertomographie (CT) kann auch dieser Teil des Brustraums besser eingesehen werden. Eine CT ist allerdings mit einer höheren Strahlenbelastung verbunden, entsprechende Geräte gibt es meist nur in spezialisierten Praxen und Krankenhäusern.

Sicherung der Diagnose

Um Lungenkrebs sicher feststellen oder ausschließen zu können, wird eine Lungenspiegelung gemacht, eine sogenannten Bronchoskopie. Während der Lungenspiegelung können die Ärzte kleine Gewebeproben entnehmen.

Manchmal können auch aus dem abgehusteten Auswurf der Patienten, dem sogenannten Sputum, Krebszellen gewonnen werden. Ärzte greifen auf die Sputum-Diagnostik jedoch meist nur zurück, wenn Möglichkeiten der Gewebeentnahme nicht infrage kommen, zum Beispiel, weil der Gesundheitszustand eines Patienten andere Untersuchungen nicht zulässt.

Die entnommenen Gewebeproben werden in einem spezialisierten Labor aufgearbeitet und unter dem Mikroskop auf Krebszellen untersucht. Diese feingewebliche oder histologische Begutachtung erlaubt, zwischen gut- und bösartigen Tumoren zu unterscheiden und ermöglicht auch eine genauere Charakterisierung der Tumorart. Hinzu kommt die sogenannte zytologische Untersuchung einzelner Zellen auf Veränderungen.

IN KÜRZE:

Um Lungenkrebs festzustellen oder sicher auszuschließen, wird Lungengewebe unter dem Mikroskop auf Krebszellen untersucht.

Welche Bedeutung haben Bluttests und Tumormarker bei Lungenkrebs?

Tumormarker sind körpereigene Stoffe, die bei einer Krebserkrankung vermehrt im Blut oder anderen Körperflüssigkeiten auftreten können. Bei Verdacht auf Lungenkrebs sind Tumormarker für die Diagnosestellung nur von untergeordneter Bedeutung. Es gibt zwar einige Tests, die zur Lungenkrebsuntersuchung eingesetzt werden können, sie sind jedoch allein nicht aussagekräftig.

Die Blutwerte einiger Tumormarker - etwa der neuronspezifischen Enolase (NSE), von CYFRA 21-1 und vom karzinoembryonalen Antigen (CEA) - können bei Lungenkrebs erhöht sein. Jedoch kommt dies auch bei anderen Erkrankungen vor. Lediglich der Tumormarker NSE (neuronspezifische Enolase) ist recht spezifisch für das kleinzellige Karzinom,  acht von zehn Patienten haben erhöhte Werte. Allerdings hat für die Prognose des kleinzelligen Lungenkarzinoms die Bestimmung des Enzyms Laktatdehydrogenase (LDH) im Blut eine größere Bedeutung: Je niedriger der Wert ist und im Verlauf der Erkrankung bleibt, desto besser die Prognose.

  • Die im Labor bestimmten Werte liefern jedoch nur ergänzende Informationen und sind nur in Verbindung mit allen anderen Untersuchungsergebnissen aussagekräftig.
  • Der Nutzen der Tumormarkerbestimmung, auch in der Nachsorge, konnte durch Studien bislang nicht belegt werden und wird daher in Leitlinien nicht als Routineuntersuchung empfohlen.

       

Ausbreitungsbestimmung: Wie fortgeschritten ist der Tumor?

Wie groß ist der Tumor? Finden sich Krebszellen in benachbarten Lymphknoten? Oder hat der Krebs bereits Absiedlungen in anderen Organen gebildet, sogenannte Fernmetastasen? An die Diagnosestellung schließen sich für Patienten weitere Untersuchungen an, um diese Fragen zu beantworten. Insbesondere beim nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom ist die Klärung wichtig, ob eine operative Entfernung möglich ist, oder ob sich der Tumor schon zu weit ausgebreitet hat. Die entsprechenden Untersuchungen richten sich deshalb gezielt auf Regionen und Organe, in denen sich Metastasen des Bronchialkarzinoms bevorzugt ansiedeln. Dazu zählen insbesondere Lymphknoten im Brust- und hinteren Bauchraum, Leber, Nebennieren, Skelettsystem und Gehirn. Folgende Untersuchungen sind möglich, müssen aber nicht zwangsläufig bei allen Patienten durchgeführt werden:

  • Computertomographie (CT) mit Kontrastmittel,  falls eine Magnetresonanztomographie nicht infrage kommt.
  • Mediastinoskopie, um Lymphknoten im Brustraum zwischen den Lungenflügeln zu untersuchen, dem sogenannten Mediastinum
  • Positronenemissonstomographie (PET) beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs, um festzustellen, ob Lymphknoten befallen und Metastasen in anderen Organen vorhanden sind;  beim kleinzelligen Lungenkrebs möglichst immer eine PET/CT, sofern Metastasen nicht bereits durch andere Untersuchungen entdeckt wurden
  • Knochenszintigraphie (in Kombination mit einer CT oder Ultraschalluntersuchung) zur Suche nach Metastasen in den Knochen, vor allem, wenn eine PET-Untersuchung nicht möglich ist.

     

GUT ZU WISSEN:

Gesetzliche Krankenkassen übernehmen je nach Situation die Kosten für eine PET bei Lungenkrebs. Privatpatienten sollten vor der Untersuchung bei ihrer Krankenkasse nachfragen, ob diese die Kosten trägt.

Welche Untersuchung wofür?

Welche Untersuchungen im Einzelnen gemacht werden und welche nicht, ist von der individuellen Situation abhängig. Patienten sollten sich hier von ihren Ärzten beraten lassen. Bei Patienten mit Vorerkrankungen sind beispielsweise einige Untersuchungen nicht oder nur eingeschränkt möglich: So setzt eine Positronenemissonstomographie (PET) bei Diabetikern eine gute Blutzuckereinstellung voraus, weil zur Untersuchung ein zuckerhaltiger Tracer verwendet wird. Kernspintomographien sind zum Beispiel bei Patienten mit Herzschrittmachern in der Regel nicht möglich.

Unter den verschiedenen Untersuchungsverfahren wählen Ärzte nur die aus, von denen sie sich wichtige zusätzliche Informationen versprechen. So können Patienten die Belastungen durch aufwendige Tests erspart werden, die nur wenige oder gar keine für die Behandlungsplanung notwendigen Daten ergeben würden.

Eine Weiterentwicklung, die die Vorteile von PET und CT verbindet, ist die Kombination beider Verfahren, die sogenannte PET/CT. Für Patienten bedeutet dies, dass beide Untersuchungen in einem Durchgang gemacht werden können. PET/CT-Geräte stehen in Deutschland jedoch noch nicht flächendeckend zur Verfügung.

Bei Zuckerkranken muss vor einer PET-Untersuchung der Blutzuckerspiegel gut eingestellt sein. Selbst eine schwere Diabetes-Erkrankung gilt heute jedoch nicht mehr unbedingt als Hindernis für eine PET. Die radioaktive Belastung bei der Untersuchung ist gering, sonstige Nebenwirkungen oder Komplikationen sind sehr selten.

 

Beurteilung und Einteilung in Stadien

Die Ergebnisse der Untersuchungen zur Tumorausbreitung fassen Ärzte im internationalen TNM-System zusammen. T steht für Ausdehnung des Tumors, N für den Lymphknotenbefall (N für lateinisch: nodus = "Knoten") und M für Fernmetastasen. Ziffern hinter den Buchstaben stehen für Größe und Ausdehnung (T1-4) des Primärtumors in der Lunge, für die Ausdehnung des Lymphknotenbefalls (N0-3) und das Vorhandensein oder Fehlen von Metastasen (M0 oder M1). T1 N0 M0 bezeichnet zum Beispiel einen kleinen Tumor ohne Lymphknotenbefall und ohne Metastasen.

Sind alle Voruntersuchungen abgeschlossen, lässt sich eine vorläufige TNM-Angabe daraus ableiten, gekennzeichnet durch ein vorangestelltes „c“ für klinisch (englisch: clinical). Eine ganz exakte Beurteilung des TNM-Stadiums ist nur nach einer Operation möglich. Dann steht beispielsweise im Arztbrief ein "p" vor den Angaben, für "postoperativ" oder auch durch "pathologische Untersuchung bestätigt". Zusammen mit weiteren Untersuchungsergebnissen liefern die TNM-Angaben eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Schwere der Erkrankung und für die Behandlungsplanung.

 

Stadieneinteilung: Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom

Ausgehend von der TNM-Einstufung erfolgt nach einem international ebenfalls einheitlichen System die Stadieneinteilung von I bis IV.

  • Stadium I steht für einen örtlich begrenzten Tumor ohne Lymphknotenbefall und ohne Fernmetastasen.
  • Im Stadium II ist der Tumor noch klein, hat aber schon Absiedlungen in Lymphknoten gebildet. Als Stadium II gilt ebenfalls, wenn der Tumor schon etwas größer ist, aber noch keine Lymphknotenmetastasen vorhanden sind.
  • Mit Stadium III bezeichnet man einen fortgeschrittenen Tumor, der bereits in die Lymphknoten gestreut hat.
  • Das Vorhandensein von Fernmetastasen kennzeichnet Stadium IV, unabhängig davon, wie klein oder groß der Primärtumor in der Lunge selbst ist.

Besonders für Patienten mit einer Erkrankung im Stadium III bestehen noch weitere Untergliederungen: Man unterscheidet Stadium IIIA (meist noch operierbar) von Stadium IIIB, in dem eine Operation nicht mehr möglich ist. Das Stadium IIIA wird oft noch weiter unterteilt, je nachdem, zu welchem Zeitpunkt Lymphknotenmetastasen entdeckt wurden, also bei Untersuchungen vor einer Operation (IIIA3), beim Eingriff (IIIA2) oder erst danach bei der feingeweblichen Untersuchung entfernter Lymphknoten (IIIA1).  Sind die befallenen Lymphknoten besonders groß oder sind mehrere voneinander unabhängige Lymphknotenstationen betroffen, spricht man von Stadium IIIA4. Diese genaue Einteilung ist für die Wahl der Behandlung und für die Prognose Betroffener von Bedeutung. Für Patienten mit dem Tumorstadium IIIA4 ist eine Operation beispielsweise nicht möglich.

 

Stadieneinteilung: Kleinzelliges Lungenkarzinom

Auch die Ausbreitung und das Stadium des kleinzelligen Lungenkarzinoms lassen sich nach dem TNM-System beschreiben. Gelegentlich wird hier aber noch eine andere Klassifikation verwendet: Diese unterscheidet eine begrenzte Krankheitsausdehnung ("Limited disease", LD) von einer ausgedehnten ("Extensive disease", ED).

  • Bei der Limited disease ist der Tumor auf eine Seite des Brustkorbs und einen Lungenflügel begrenzt. Diese Einteilung gilt auch dann, wenn Lymphknoten der anderen Brustkorbhälfte befallen sind.
  • Hat der Tumor die Grenze eines Lungenflügels überschritten und ist in benachbarte Gewebe eingewachsen oder hat Absiedlungen in anderen Organen gebildet, liegt eine "ausgedehnte" Erkrankung (ED) vor.

Zur Limited disease werden folglich die Stadien I-IIIB gerechnet, zur Extensive disease das Stadium IV.

 

Allgemeiner Zustand und körperliche Verfassung

Ob ein Patient operiert werden kann, hängt auch von seinem Allgemeinzustand ab. Dabei berücksichtigen die Ärzte auch, wie viel Lungengewebe höchstens entfernt oder bestrahlt werden darf, um dem Betroffenen eine möglichst gute Lebensqualität zu erhalten. 

Das Alter spielt für die Wahl der Behandlung an sich keine Rolle. Allerdings leiden Patienten mit zunehmendem Alter auch mit größerer Wahrscheinlichkeit noch unter anderen Erkrankungen, vor allem der Atemwege sowie des Herzens. Die Prüfung der Lungenfunktion und ein Elektrokardiogramm (EKG) zur Beurteilung der Herzfunktion sind daher wichtige Untersuchungen.

Auch der Ernährungszustand ist entscheidend: Starkes Untergewicht, aber auch Übergewicht gehen mit einem höheren Komplikationsrisiko bei der Operation einher. Zum Problem wird bei vielen Patienten mit Lungenkrebs, dass sie in der Zeit vor der Diagnosestellung schon viel Gewicht verloren haben. Vor Behandlungsbeginn kann daher eine unterstützende Ernährungstherapie notwendig werden.

 

Schließen
Informationen zum Inhalt

Quellen:

  • Leitlinien der American Society of Clinical Oncology (ASCO) zum Thema Lungenkrebs in englischer Sprache und an Fachleute gerichtet unter www.asco.org zur Verfügung, Stichwort Practice Guidelines.

Letzte Aktualisierung:

26.05.11

zum Seitenanfang
Druckversion

We use cookies to improve your experience on our Website. We need cookies to continuously improve the services, to enable certain features and when embedding services or content of third parties, such as video player. By using our website, you agree to the use of cookies. We use different types of cookies. You can personalize your cookie settings here:

Show detail settings
Please find more information in our privacy statement.

There you may also change your settings later.