Mukoviszidose: Forschungsansätze

Lebensqualität und Prognose der Mukoviszidose-Patienten verbesserten sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich. Trotzdem gibt es für die Forschung noch sehr viel zu tun. So gilt es zum Beispiel neue „Angriffspunkte“ für Medikamente zu identifizieren. Da die Therapie möglichst frühzeitig beginnen sollte, bevor Schädigungen vorliegen, ist es auch wichtig, die diagnostischen Möglichkeiten zu verbessern.

Forschungsziele im Deutschen Zentrum für Lungenforschung

Das interdisziplinäre Forschungsprogramm des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL) hat zum Ziel, die Entstehungsmechanismen von cystischer Fibrose besser zu verstehen. Damit wollen die Forschenden neue therapeutische Angriffspunkte finden, mit denen sich Diagnostik und Monitoring des Erkrankungsverlaufs sowie Therapie der Erkrankung und  Prävention von Lungenschäden verbessern lassen.

Ein Hauptaugenmerk der Forschenden ist es, die Funktion des CFTR-Kanals (CFTR = Cystic Fibrosis Transmembrane Regulator) noch besser zu verstehen.

Auch die mikrobielle Besiedlung der Atemwege (Mikrobiom) ist Gegenstand der Forschung. Die Lunge der Menschen mit Mukoviszidose ist mit Dutzenden von Viren und Pilzen und Hunderten von Bakterien kolonisiert. Jeder Patient besitzt ein individuelles Mikrobiom. Das Spektrum reicht von einem mikrobiellen Milieu wie bei lungengesunden Menschen bis zu einer Monokultur von Pseudomonaden bei Patienten im fortgeschrittenen Krankheitsstadium. 

Forschung für frühere Diagnose

Im Hinblick auf eine frühzeitige Diagnose soll die Forschung ebenfalls intensiviert werden. Kinder mit Mukoviszidose  werden mit einer gesunden Lunge geboren. Entzündungen und Lungenschäden bilden sich frühzeitig, ohne dass klinische Symptome beobachtbar wären. Man nimmt daher an, dass es ein Zeitfenster gibt, währenddessen therapeutische Maßnahmen den Ausbruch der Erkrankung zu verhindern oder zumindest hinausschieben könnten.

Die Forschenden haben es sich daher zur Aufgabe gemacht, eine Mukoviszidose Studiengruppe, die CF-Neugeborenen-Kohorte aufzubauen, die all jene Kinder umfasst, bei denen im Rahmen eines Neugeborenenscreenings frühzeitig Mukoviszidose diagnostiziert wird.

Bei dieser Studiengruppe erfolgt dann eine Langzeitbeobachtung des Krankheitsverlaufs. Außerdem können durch klinische Studien neue vorbeugende und therapeutische Methoden getestet werden.

GUT ZU WISSEN:

Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover arbeiten an einer Stammzellen-Therapie bei Mukoviszidose. Ziel ist es, gesunde Lungenzellen herzustellen, um sie in die geschädigte Lunge der Patienten einzuschleusen.

Beispielsweise wird überprüft, ob sich das Magnetresonanztomogramm (MRI) der Lunge zur Lungenfunktionsmessung bei Kleinkindern mit cystischer Fibrose eignet.  Mit der strahlungsfreien MRI-Untersuchung können auch Rückschlüsse auf den jeweiligen Stand der Lungenerkrankung gezogen werden. Erste Studien-Ergebnisse verliefen bereits positiv.

Die meisten Menschen mit Mukoviszidose entwickeln im ersten Lebensjahr Krankheitssymptome. Eine Minderheit wird aber aufgrund atypischer Ausprägung der CFTR-Störungen erst im Jugendlichen- oder Erwachsenenalter diagnostiziert. Die DZL-Teams haben daher eine Diagnose-Plattform entwickelt, um Funktionsstörungen im CFTR zu erkennen und somit auch für diese Patienten mit atypischer Symptomatik die Therapie möglichst früh beginnen zu können, ohne dass schon schwere Lungenschäden aufgetreten sind.

Neue Hoffnungen im Tiermodell

Neue Therapieansätze werden vorab in präklinischen Studien am speziellen Mukoviszidose-Mausmodell untersucht. Ein Beispiel hierfür ist die Behandlung mit Molekülen, die den Teufelskreis aus Infektion, Entzündung und Gewebeumbau in der Mukoviszidose-Lunge durchbrechen sollen. Forschende aus Gießen und Heidelberg verfolgen mehrere Ansätze, um die überschießende Entzündungsreaktion in den Atemwegen lahmzulegen.

Mutationstyp-spezifische Therapien

Ein aktueller Schwerpunkt der internationalen Mukoviszidose-Forschung ist die Entwicklung von Mutationstyp-spezifischen Therapien. Substanzen, die die Funktion der CFTR-Ionenkanals verstärken, sog. Potentiatoren, oder Substanzen, die die Synthese und den intrazellulären Transport der fehlerhaften CFTR-Eiweißes verbessern, sog. Korrektoren, befinden sich in der präklinischen oder klinischen Prüfung. Drei Substanzen, Ivacaftor, Tezacaftor und Lumacaftor sind sogar bereits zur Behandlung von Mukoviszidose-Patienten mit spezifischen Mutationen zugelassen.

Hier finden Sie aktuelle klinische Studien zum Thema „Mukoviszidose“.

Schließen
Informationen zum Inhalt

Quellen:

Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. Burkhard Tümmler, Medizinische Hochschule Hannover

Letzte Aktualisierung:

06.11.2018

zum Seitenanfang
Druckversion

We use cookies to improve your experience on our Website. We need cookies to continuously improve the services, to enable certain features and when embedding services or content of third parties, such as video player. By using our website, you agree to the use of cookies. We use different types of cookies. You can personalize your cookie settings here:

Show detail settings
Please find more information in our privacy statement.

There you may also change your settings later.