Asthma - was ist das?

Grundlagen

Bei Asthma bronchiale – meist vereinfachend als Asthma bezeichnet – handelt es sich um eine chronische Atemwegserkrankung. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet sinngemäß „Beklemmung“ oder „Keuchen“. In den Atemwegen von Menschen mit Asthma besteht andauernd (chronisch) eine Entzündung, die mit einer erhöhten Empfindlichkeit des Bronchialsystems gegenüber verschiedenen Reizen einhergeht. Diese so genannte bronchiale Hyperreagibilität und die permanente Entzündung führen über mehrere Mechanismen zu einer Verengung der Bronchien (=Atemwegsobstruktion), welche die asthmatypischen Symptome hervorruft. Dazu zählen pfeifende Atmung, Kurzatmigkeit und Luftnot, ein Enge-Gefühl in der Brust oder auch nur Husten. Ein charakteristisches Merkmal dieser Erkrankung ist, dass die Symptome anfallsartig auftreten, sich wieder zurückbilden, um dann beim nächsten Anfall erneut aufzuflammen.

IN KÜRZE:

Bei Asthma gibt es Zeiträume mit stärkeren und schwächeren Beschwerden aber auch beschwerdefreie Zeiten.

Dank moderner Medikamente lässt sich die Erkrankung heute bei den meisten Patienten so gut kontrollieren, dass Anfälle und Beschwerden nur gelegentlich auftreten. Allerdings steht bislang keine Therapie zur Verfügung, mit der sich Asthma dauerhaft heilen lässt. Die Entwicklung von Verfahren zur Behandlung wie auch zur Prävention der Krankheit ist jedoch dringend notwendig, um die Krankheitslast zu verringern und damit das Leben der Patienten zu erleichtern.

Welche Formen von Asthma gibt es?

Grundlagen

Prinzipiell unterscheidet man, nach dem zugrunde liegenden Mechanismusn zwei Formen von Asthma:

  • das allergische und
  • das nicht-allergische Asthma.

Während  bei Asthma im Kindesalter sehr häufig Allergien eine bedeutsame Rolle spielen, findet man bei circa 30 bis 50 Prozent der erwachsenen Asthmatiker weder über Hauttests noch über Bestimmung von spezifischem IgE im Blut Hinweise auf eine zugrunde liegende Allergie. Bei vielen Erwachsenen findet sich jedoch auch eine Mischform aus allergischem und nicht-allergischem Asthma.

Allergisches Asthma

Elektronenmikroskopische Aufnahme eines Birkenpollen
Birkenpollen sind häufige Allergene. Elektronenmikroskopische Aufnahme: Prof. Heidrun Behrendt

Wie bei allen Allergien reagiert das Immunsystem auf einen eigentlich harmlosen Stoff mit einer überschießenden Abwehrreaktion. Solche auslösenden Stoffe nennt man Allergene. Die wohl bekanntesten sind Pflanzenpollen, es gibt aber noch eine Vielzahl weiterer Substanzen, die als Allergene fungieren können: vom Kot der Hausstaubmilbe, über Tierhaare oder Schimmelpilzsporen bis hin zu Mehl- und Holzstaub. Sind Pollen die Auslöser, spricht man auch von saisonalem Asthma, da die Beschwerden lediglich während der Pollensaison auftreten. Ganzjährige Beschweren treten vor allem bei Patienten mit Hausstaubmilben- oder Tierhaarallergien auf.

 

Allergisches Asthma tritt oft familiär gehäuft auf und beginnt häufig im Kindes- oder Jugendalter. Zudem leiden Patienten mit allergischem Asthma häufig auch unter weiteren allergischen Symptomen wie dem allergischen Schnupfen, der allergischen Rhinitis, oder der Rhinokonjunktivitis, die zusätzlich mit brennenden und juckenden Augen einhergeht.

 

GUT ZU WISSEN:

In bis zu 80 Prozent der Fälle werden bei Erwachsenen Allergien als Krankheitsursache für Asthma ermittelt.

Nicht-allergisches Asthma

Auch bei der nicht-allergischen Form der Erkrankung, auch intrinsisches Asthma genannt, kommt es zu einer chronischen Entzündung und einer Überempfindlichkeit in den Atemwegen, die aber nicht durch Allergene bedingt ist. Anders als das allergische Asthma beginnt diese Form fast immer erst im Erwachsenenalter – oft erst im vierten Lebensjahrzehnt. Häufig tritt das intrinsische Asthma nach einer Virusinfektion der Atemwege auf. Der Schweregrad der Erkrankung schwankt oft weniger als beim allergischen Asthma, allerdings zeigt das intrinsische Asthma häufig gleich von Anfang an eine schwerere Verlaufsform.

 

Gemischtförmiges Asthma

Bei den meisten erwachsenen Asthma-Patienten liegt eine Mischform aus allergischem und nicht-allergischem Asthma vor. Das heißt, sowohl Allergene als auch unspezifische Reize wie körperliche Anstrengung, kalte Luft, Zigarettenrauch, Infekte oder Parfüm können einen Asthmaanfall oder eine Symptomverschlechterung auslösen. Meistens entwickelt sich das gemischtförmige Asthma aus einem ursprünglich allergischen Asthma. Im weiteren Verlauf nimmt die allgemeine Empfindlichkeit der Bronchien zu, und es spielen zunehmend auch nicht-allergische Auslöser eine Rolle.

Kindliches Asthma: Entstehung, Behandlung und Prognose

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Der Lungeninformationsdienst hat Prof. von Mutius gefragt, was die Besonderheiten kindlichen Asthmas sind, welche Risikofaktoren es gibt und wie die Prognose ist. Von Mutius ist Oberärztin am Dr. von Haunerschen Kinderspital, Klinikum der Universität München. Auf dem 12. Forum Lunge am 21. Oktober 2015 sprach sie über kindliches Asthma. Ihre Präsentation finden Sie hier.

Unterschiedliche Arten der Entzündungsreaktion

Das Verständnis der krankheitstypischen Entzündungsreaktion in den Atemwegen ist in den letzten Jahren rasant gewachsen. Ursprünglich glaubte man, dass eine ganz bestimmte Art der Entzündung, die sogenannte TH2 Entzündungsreaktion, für allergisches Asthma verantwortlich sei, und sich die nicht-allergischen Asthmaformen durch andere Arten der Entzündung erklären ließen. Inzwischen weiß man jedoch, dass eine TH2 Entzündungsreaktion sowohl bei allergischen, als auch bei manchen nicht allergischen Asthmaformen zu finden ist. Einen Hinweis für das Vorliegen einer solchen TH2 Entzündungsreaktion findet man in den Atemwegen und auch im Blut: typischerweise sind die sogenannten eosinophilen Granulozyten erhöht, eine bestimmte Unterform der weißen Blutkörperchen.

Andere Arten der Entzündungsreaktion sind weniger gut verstanden und insgesamt auch weniger häufig. Sie werden deshalb als Nicht-TH2 Entzündungsreaktion zusammengefasst. Neue Medikamente in der Asthmabehandlung richten sich gezielt gegen einzelne Botenstoffe der TH2 Entzündungsreaktion. Da diese neuen Medikamente nur bei dieser bestimmten Art der Entzündungsreaktion wirken – und zwar unabhängig davon, ob die Symptome durch allergische oder nicht-allergische Stimuli ausgelöst werden – gewinnt die Entschlüsselung und Unterscheidung der verschiedenen Entzündungsreaktionen zunehmend an Bedeutung. Die Einteilung in allergisches und nicht-allergisches Asthma hat weiterhin Ihre Berechtigung, um das Auftreten von Symptomen einzuschätzen. Damit aber insbesondere Patienten mit schwerem Asthma von neuen Therapien profitieren können, ist die Einteilung nach unterschiedlichen Arten der Entzündungsreaktion notwendig.

Unterscheidung durch Schweregrade

Früher wurde Asthma in verschiedene Stufen eingeteilt, um den Verlauf besser kontrollieren zu können. Dabei blieb unberücksichtigt, wie der Patient auf die Asthmatherapie anspricht, deswegen wird heute weitgehend darauf verzichtet. Inzwischen unterscheidet der Arzt drei Grade, bei denen der Behandlungsstand mit einbezogen ist: kontrolliertes Asthma, teilweise kontrolliertes Asthma und unkontrolliertes Asthma.

Grade der Asthmakontrolle

Was passiert in den Atemwegen?

Grundlagen

Bei Asthmatikern herrscht in den unteren Atemwegen eine chronische Entzündung. Damit einher geht eine Überempfindlichkeit der Atemwege insgesamt. Diese so genannte bronchiale Hyperreagibilität bedeutet, dass in den Atemwegen der Betroffenen eine Tendenz herrscht, sich als Reaktion auf bestimmte – für Gesunde harmlose – Reize, stark zu verengen, was dann die Symptome bedingt.

An diesen Prozessen sind zum einen verschiedene Zellen des Immunsystems beteiligt – unter anderem Mastzellen, eosinophile Granulozyten und T-Helferzellen (TH-Zellen) - zum anderen auch Zellen, die zum Bronchialsystem selbst gehören, wie die Epithelzellen. Vor allem die Immunzellen setzen Botenstoffe frei, die in den Atemwegen eine komplexe Entzündungsreaktion vermitteln und aufrechterhalten. Die exakten Krankheitsmechanismen sind trotz intensiver Forschung noch nicht sehr gut verstanden. Bekannt ist aber, dass über 100 verschiedene Botenstoffe des Körpers bei Asthma eine Rolle spielen.

Querschnitt Bronchien
Durch die chronisch entzündeten Bronchien verengen sich die Luftwege

Wie bei jeder Entzündung kommt es zu einer verstärkten Durchblutung der betroffenen Gewebebereiche. In der Lunge führt das dazu, dass die Schleimhäute in den Bronchialwänden anschwellen und übermäßig viel zähen Schleim produzieren. Zusätzlich verkrampft sich die Muskulatur der Bronchien. Das geschieht unwillkürlich, ist also nicht willentlich beeinflussbar. Das alles zusammen führt dazu, dass der Durchmesser der Atemwege abnimmt und die Atemluft nicht mehr ungehindert hindurch strömen kann. Vor allem das Ausatmen ist bei Asthma bronchiale erschwert. Auch die typischen pfeifenden, brummenden Atemgeräusche (Giemen), Husten, Atemnot und Engegefühl der Brust entstehen durch die als Atemwegsobstruktion bezeichneten Verengungsprozesse. Im Laufe der Erkrankung verändert sich durch die Produktion bestimmster Bindegewebsbausteine die Bindegewebsstruktur des Lungengewebes. Dies kann dazu führen, das Atembeschwerden zunehmend schlechter auf bestimmte  Medikamente ansprechen. Zusammenfassend kann man sagen, dass bei Asthma folgendes geschieht:

  • Erhöhte Entzündungsbereitschaft beziehungsweise chronische Entzündung der Atemwege
  • Dadurch Überempfindlichkeit der Atemwege gegenüber äußeren Reizen
  • Effekt: Die Schleimhaut in den Bronchiolen schwillt an, die glatte Muskulatur verkrampft sich, der dadurch reduzierte Durchmesser der unteren Atemwege behindert den Atemluftstrom
  • Symptome: Pfeifende Atmung, Husten, Gefühl von Enge in der Brust
  • Anfallsartige Atemnot (Asthmaanfall)

Gut zu wissen:

Wer nachempfinden möchte, wie sich das Atmen für einen Asthmatiker anfühlt, kann versuchen sich die Nase zuzuhalten und mit einem Strohhalm durch den Mund zu atmen. Durch die künstliche Verengung gelangt zum einen beim Einatmen viel weniger Luft in die Lunge, zum anderen ist das Ausatmen deutlich erschwert.

Was passiert bei einem Asthmaanfall?

Sind die Atemwege durch die Verkrampfung der Muskeln und die angeschwollene Bronchialschleimhaut einmal verengt, fällt vor allem das Ausatmen der Luft schwer. Es muss mehr Kraft (und Anstrengung) aufgewendet werden, um die Lungenbläschen zu entleeren. Je schlechter die Luft aus der Lunge entweichen kann, desto schlechter kann neue, sauerstoffreiche Luft eingeatmet werden. Die dadurch bedingte Kurzatmigkeit kann bis hin zu akuter Atemnot mit Erstickungsangst gehen. Angst wiederum kann die Atemnot weiter verstärken. Ein Kreislauf, den der Patient durch rechtzeitiges Gegensteuern, mit Medikamenten oder Atemübungen, verhindern kann.

Die Dauer und Ausprägung eines solchen Asthmaanfalls kann unterschiedlich sein, von wenigen Minuten bis hin zu mehreren Stunden. Ein schwerer Asthmaanfall ist ein akuter medizinischer Notfall, der umgehend im Krankenhaus behandelt werden muss. So weit kommt es bei den meisten Asthmatikern aber nur selten.

 

Mögliche Auslöser für einen Asthmaanfall

Es gibt eine ganze Reihe von Faktoren, die ein Asthma bronchiale verschlechtern oder einen Asthmaanfall auslösen können. Sehr häufig sind Allergene die Auslöser einer Verschlechterung. Es kann sich dabei beispielsweise um Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, Schimmelpilzsporen, Insektengifte, Nahrungsmittel oder beruflich auftretende Allergene handeln.

Mögliche nicht-allergische Auslöser sind Reizstoffe wie Tabakrauch, ätherische Öle, Farben und Lacke, Autoabgase, kalte Luft, körperliche Anstrengung sowie psychische Faktoren wie Stress, Aufregung und starke Emotionen. Auch manche Wirkstoffe in Medikamenten können durch eine pseudoallergische Reaktion einen Asthmaanfall provozieren. Ebenso zählen Infekte wie Virusinfektionen (z.B. Rhinoviren, Respiratory-Syncytial-Viren, Influenza-Viren) der Atemwege zu den möglichen Auslösern einer Asthmaverschlechterung beziehungsweise eines Asthmaanfalls.

Berufliche Risiken für Asthmatiker - Damit der Traumberuf kein Albtraum wird

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Der Lungeninformationsdienst hat Prof. Dr. Dennis Nowak gefragt, welche beruflichen Risiken Asthmatiker haben und wie sich Berufstätige vorbeugend vor Asthma schützen können. Prof. Nowak ist Direktor des Instituts und der Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin am Klinikum der Universität München. Auf dem 12. Forum Lunge am 21. Oktober 2015 sprach er über Asthma und Berufswahl.

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Informationen zum Inhalt

Quellen:

Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. Erika von Mutius, Helmholtz Zentrum München, Klinikum der Universität München
Dr. med. Nicole Maison, Klinikum der Universität München

Letzte Aktualisierung:

30.04.2018

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