Die Kosten von Lungenkrebs

19. Okt 2015

Der durchschnittliche finanzielle Aufwand pro Lungenkrebspatient beträgt etwa 20.000 Euro, je nach Art der Behandlung variiert dieser Wert aber sehr stark. Forscher des Helmholtz Zentrums München haben herausgefunden, dass die höchsten Kosten in der Behandlung von Lungenkrebs in den ersten sechs Monaten nach der Diagnose anfallen. Dies liegt vor allem an dem stationären Aufenthalt der Betroffenen zu Beginn. Die Ergebnisse sind im Fachjournal ‚Lung Cancer‘ erschienen.

Lungenkrebs ist mit jährlich über 50.000 Neuerkrankungen eine der häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Trotzdem gab es bis jetzt kaum Zahlen zur Versorgungssituation der Betroffenen und zu den damit verbundenen Kosten. Diese sind aber nötig, um den Nutzen neuer Behandlungsansätze, aber auch den von Screening- und Präventionsmaßnahmen bewerten zu können. Die Forscher untersuchten daher anhand von umfangreichen Krankenkassendaten, was die Erkrankung kostet, und welche Behandlung die beste Prognose hat. Sie verwendeten dafür bundesweite Leistungsdaten der AOK von über 17.000 Lungenkrebspatienten (ca. 12.000 Männer und ca. 5.000 Frauen). Erfasst wurden Fälle aus dem Jahr 2009, deren Entwicklung über einen Zeitraum von drei Jahren beobachtet wurde. Dabei registrierten die Wissenschaftler Operationen, Chemotherapien und Bestrahlungen.

Etwa ein Drittel der Patienten erhielt eine Operation. Die Prognose dieser Gruppe war im Vergleich mit anderen Behandlungsarten wie Bestrahlung oder Chemotherapie (insgesamt knapp 47 Prozent der Betroffenen) deutlich besser. Ambulante onkologische Betreuung spielte demnach eine untergeordnete Rolle. Auffällig war auch, dass etwa ein Fünftel der Patienten keine krebsspezifische Therapie erhielt.

Die Experten geben allerdings zu bedenken, dass nicht in jedem Fall ein operativer Eingriff möglich oder sinnvoll ist. In diesem Zusammenhang gewinnt nach Ansicht des Forscherteams die Weiterentwicklung von Früherkennungsmaßnahmen an Bedeutung. Denn auf diese Weise erhöh sich die Chance einer Diagnosestellung in einem noch operablen Krankheitsstadium.

Diese Ergebnisse sind den Wissenschaftlern zufolge ein erster Schritt zu einem besseren Verständnis der Versorgungs- und Kostenstrukturen bei Lungenkrebs in Deutschland. Sie betonen dabei, dass bei der Kostenanalyse Behandlungsart und Überlebensdauer zu berücksichtigen ist. Für eine noch bessere Einschätzung der Versorgungsrealität wollen die Wissenschaftler nun Daten zur jeweils angewendeten Arzneimitteltherapie erheben. Diese befände sich in einem laufenden Wandel und so kämen seit einiger Zeit neue gezielte Therapieansätze wie monoklonale Antikörper in die Versorgung. 

Quelle:

Schwarzkopf, L. et al.: Cost-components of lung cancer care within the first three years after initial diagnosis in context of different treatment regimens, Lung Cancer, DOI: 10.1016/j.lungcan.2015.09.005

Weitere Informationen:

Lungenkrebsbestrahlung – Alternative zur OP? (08/2015)

 

Afatinib – Zusatznutzen bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs erneut bestätigt (08/2015)

 

Neue Immuntherapie bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (05/2015)

 

Lungenkrebs – Bestrahlung kann Überlebensrate verbessern (2/2015)

 


zum Seitenanfang
Druckversion