Zusatznutzen von Cortison bei Lungenentzündungen bleibt zweifelhaft

20. Dez 2012

Ob Patienten mit ambulant erworbenen Lungenentzündungen von einer zusätzlichen Cortisonbehandlung profitieren, hat jetzt eine Meta-Analyse mehrerer Studien untersucht. Ein eindeutiger Beleg für den Nutzen fand sich dabei nicht.

Tabletten

Foto:hexal

Außerhalb des Krankenhauses erworbene Lungenentzündungen sind die häufigste infektionsbedingte Todesursache weltweit. Das zeigt, wie gefährlich diese kurz CAP genannten Lungenentzündungen sind. Und wie wichtig es ist, sie so effektiv wie möglich zu behandeln. Welche Rolle Kortikosteroide dabei spielen könnten, wird in Fachkreisen schon länger kontrovers diskutiert.

Die Idee hinter dieser – vor allem bei schwerer CAP eingesetzten - Therapie ist, mit solchen synthetischen Abkömmlingen des körpereigenen Hormons Cortisol die Entzündungsreaktion zusätzlich zur Gabe von Antibiotika zu dämpfen, zu der es bei einer Lungenentzündung zwangsläufig kommt. Einzelne Studien haben auch schon gezeigt, dass eine Kortikosteroid-Gabe zusätzlich zu Antibiotika die Sterblichkeit bei ambulant erworbenen Lungenentzündungen senkt. Andere Untersuchungen konnten das aber nicht bestätigen.

Um Klarheit zu schaffen, haben Wissenschaftler des Shanghai Changzheng Hospital alle relevanten, den wissenschaftlichen Ansprüchen entsprechenden Studien zusammengetragen und in einer Meta-Analyse ausgewertet. Insgesamt flossen dabei die Daten von über 1000 Patienten ein. „Die Resultate dieser Meta-Analyse“, so das Fazit der Forscher, „legen bei Patienten mit ambulant erworbenen Lungenentzündungen keinen Nutzen für die Kortikoisteroid-Behandlung nahe.“ Zwar gebe es in kleineren Untersuchungen Anhaltspunkte, dass der Einsatz dieser Medikamente bei schwerer CAP die Sterblichkeit senkt. Doch dieses Ergebnis müsse in großen Studien mit der notwenigen Aussagekraft erst noch bestätigt werden, fordern Hauptautor Wei Nie und seine Kollegen.

Quelle:
Nie, W. et al.: Corticosteroids in the Treatment of Community-Acquired Pneumonia in Adults: A Meta-Analysis. In: PLOS ONE, 2012 7(10), e47926

 


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