Neuer Impfstoff gegen Pneumokokken schützt effektiv

14. Jan 2013

Ein erst vor drei Jahren eingeführter Impfstoff schützt kleine Kinder effektiv vor invasiven Pneumokokken-Erkrankungen wie Lungenentzündung, Sepsis und Hirnhautentzündung. Das hat jetzt eine landesweite Studie aus Finnland bestätigt.

Streptococcus pneumonia

Streptococcus pneumonia (Quelle: Department of Health and Human Service / Janice Haney Carr)

Babys und Kleinkinder sind besonders anfällig für Infektionen mit Vertretern des Bakterienstamms der Pneumokokken. Und somit auch für dadurch bedingte schwere Erkrankungen wie Lungen- und Hirnhautentzündungen. Deshalb wird die Impfung gegen Pneumokokken seit Sommer 2006 in Deutschland für alle Kinder bis zum zweiten Geburtstag empfohlen. Der dabei eingesetzte Impfstoff immunisiert gegen die sieben wichtigsten der vermutlich mehr als 90 verschiedenen Serotypen von Streptococcus pneumoniae.

Ein vor drei Jahren eingeführter Impfstoff deckt hingegen zehn Serotypen ab. Diesen PhiD-CV10 genannten Impfstoff haben finnische Wissenschaftler nun in einer landesweiten Studie untersucht, an der über 47.000 Kinder teilnahmen. Dabei verglichen die Forscher mehrere Impfstrategien. So erhielten Säuglinge bis zum 7. Lebensmonat entweder das in Deutschland empfohlene „3+1-Schema“ mit drei Grundimmunisierungen und einer Auffrisch-Impfung oder ein 2+1-Schema. Nach dieser von vielen anderen Ländern propagierten Strategie wurden auch alle an der Untersuchung teilnehmenden Kinder im Alter von sieben bis elf Monaten geimpft.

Ungewöhnlich an der Studie war, dass es eine Kontrollgruppe gab, die lediglich eine Hepatitis-Impfung bekam – und somit keinerlei Impfschutz gegen invasive Pneumokokken-Erkrankungen (IPD) hatte. In Deutschland wäre das aus ethischen Gründen kaum möglich gewesen. Ob die Kinder mit diesem Quasi-Placebo oder mit PhiD-CV-10 geimpft wurden, wussten weder Ärzte noch Eltern.

Jedenfalls stellte der echte Pneumokokken-Impfstoff seine Wirksamkeit überzeugend unter Beweis. So wurden im Beobachtungszeitraum von zwei Jahren insgesamt 13 invasive Pneumokokken-Erkrankungen dokumentiert, die nachweislich auf einen der vom Impfstoff abgedeckten Serotypen zurückgingen. Davon traten zwölf in der Kontrollgruppe auf und nur eine unter den nach dem 2+1-Schema geimpften Studienteilnehmern. In der 3+1-Gruppe erkrankte kein einziges Kind. Die Effektivität des Impfstoffs lag bei dieser Impfstrategie somit bei 100 Prozent.
Die klinische Studie war aber auch die erste weltweit, die bestätigt hat, dass das 2+1-Schema mit einer errechneten Effektivität von 93 Prozent ebenfalls hohen Schutz bietet. Dass man sich eine Immunisierung ersparen kann, ist vor allem für die armen Länder der Welt interessant. Denn dort sind Pneumokokken-Erkrankungen besonders häufig, die finanziellen Mittel für Impfstoffe aber knapp.

Quelle:
Palmu, A. et al.: Effectiveness of the ten-valent pneumococcal Haemophilus influenzae protein D conjugate vaccine (PHiD-CV10) against invasive pneumococcal disease: a cluster randomised trial. In: The Lancet, Early Online Publication, 16. November 2012

 


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