Neue Therapieoption für Lungenentzündungen

07. Mär 2013

Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover haben vor kurzem einen molekularen Mechanismus im Entzündungsgeschehen von Lungenentzündungen aufgedeckt. Er könnte die Grundlage für eine neue Behandlungsform dieser oft folgenschweren Lungenerkrankung bilden.

Viren und Blutzellen in Arterie (Grafik: psdesign/fotolia)

Viren und Blutzellen in Arterie (Grafik: psdesign/fotolia)

Der molekulare Signalstoff TRAIL, ein Mitglied der Familie der Tumor-Nekrose-Faktoren, steuert maßgeblich den programmierten Zelltod von sogenannten Alveolarmakrophagen. Sie sind eine besondere Art von Abwehrzellen in der Lunge, welche eine wichtige Rolle bei der Ausschaltung von Krankheitserregern spielen. Der programmierte Zelltod eben dieser Fresszellen führt zu einer raschen Eliminierung der aufgenommenen Erreger und verhindert so eine überschießende Schädigung des Lungengewebes. Damit beeinflusst TRAIL direkt das Entzündungsgeschehen während einer Lungenentzündung. Seine genaue Bedeutung für den Verlauf einer bakteriellen Lungeninfektion (Pneumonie) war bisher allerdings weitgehend unbekannt.

Im Mausmodell haben Wissenschaftler um Prof. Ulrich A. Maus von der Medizinischen Hochschule Hannover untersucht, welche Rolle TRAIL im molekularen Entzündungsgeschehen während einer Pneumonie spielt, und wie sich TRAIL möglicherweise therapeutisch nutzen lässt.

Im Verlauf einer bakteriellen Pneumonie wird TRAIL hauptsächlich von neutrophilen Granulozyten, bestimmten weißen Blutkörperchen, gebildet. Fehlen diese Neutrophilen bzw. das von ihnen gebildete TRAIL, so kommt es anstatt des programmierten Zelltodes der Alveolarmakrophagen zur Zellnekrose dieser Fresszellen, was mit einer massiv verstärkten Entzündungsreaktion in der Lunge einhergeht. Wurden mit  Streptococcus pneumoniae (Pneumokokken) infizierte Mäuse jedoch mit TRAIL behandelt, so überlebten sie deutlich länger. Dieses verbesserte Überleben einer Pneumonie durch Verabreichung von TRAIL gelang auch unabhängig von dem Vorhandensein von Neutrophilen.

Damit zeigen die Wissenschaftler im Mausmodell, dass die Therapie mit TRAIL eine neue Behandlungsoption bei Pneumkokken-bedingter Lungenentzündung darstellen kann. Insbesondere bei Immunabwehr-geschwächten Patienten, welche häufig niedrige Neutrophilenzahlen aufweisen, könnte TRAIL auch eine schützende Wirkung haben. Weiterführende Studien haben zum Ziel, die Bedeutung der erhobenen Befunde für eine zukünftige Anwendung beim Menschen zu überprüfen.

Quelle:
Steinwede, K. et al.: TNF-related apoptosis-inducing ligand (TRAIL) exerts therapeutic efficacy for the treatment of pneumococcal pneumonia in mice. - J Exp Med. 2012; 209(11):1937-52. doi: 10.1084/jem.20120983. Epub 2012 Oct 15.

 


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