Lungenentzündung bringt Herz aus dem Takt

17. Dez 2012

Eine beträchtliche Anzahl von Patienten, die wegen einer Lungenentzündung stationär behandelt werden müssen, entwickeln während und nach dem Krankenhausaufenthalt Herzrhythmusstörungen. Das ergab eine jetzt vorgestellte Untersuchung amerikanischer Forscher.

EKG

Foto: B.Müller/Helmholtz Zentrum München

Für ihre Studie werteten die Wissenschaftler um Natalia Soto-Gomez von der University of Texas in San Antonia die Krankendaten von insgesamt 32.689 Patienten aus. Sie waren allesamt in den Jahren 2002 bis 2007 auf Grund einer Lungenentzündung im Krankenhaus behandelt worden und hatten innerhalb der ersten 48 Stunden nach Aufnahme eine Antibiotika-Therapie erhalten. Bei keinem der Studienteilnehmer war bis dato eine Herzrhythmusstörung diagnostiziert worden. Doch innerhalb des Beobachtungszeitraums von 90 Tagen nach ihrer stationären Einweisung entwickelten 3.919 Studienteilnehmer solche Herzrhythmusstörungen. Dies entspricht einem Anteil von 12 Prozent.

Und offenbar waren diese Herzrhythmusstörungen auch alles andere als harmlos. So lag die Sterberate der betroffenen Patienten nach 90 Tagen bei 31 Prozent. Bei Kranken, die von solchen kardialen Arrhythmien verschont blieben, betrug diese nur gut 20 Prozent.

Warum Lungenentzündungen zu Herzrhythmusstörungen führen, können auch Studienleiterin Soto-Gomez und ihre Kollegen bislang nur vermuten. Ein möglicher Grund seien die erhöhten Spiegel an entzündungsfördernden Zytokinen im Blut. Dabei handelt es sich um Entzündungsmediatoren, die bei einer Lungenentzündung vermehrt freigesetzt werden.

Ein potenzielles Gegenmittel konnten die Forscher in ihrer Untersuchung bereits identifizieren. Denn wie die Datenanalyse zeigte, entwickelten die Patienten, die Beta-Blocker einnahmen, deutlich seltener Herzrhythmusstörungen. Diese Medikamente werden bei verschiedenen Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems schon lange erfolgreich eingesetzt. Ob auch Menschen, die wegen einer Lungenentzündung ins Krankenhaus kommen, von Beta-Blockern profitieren könnten, müsse aber erst noch genauer untersucht werden, schreiben die Forscher.

Quelle:
Soto-Gomez, N.: Pneumonia: An Arrhythmogenic Disease? In. The American Journal of Medicine, published online 21. November 2012

 


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