COPD

Inhalative Kortikoide erhöhen Risiko für Infektion mit Mykobakterien

09. Nov 2017

Eine Therapie mit inhalativen Cortison-Präparaten kann bei Patienten mit COPD oder ACOS das Risiko erhöhen, sich mit nichttuberkulösen Mykobakterien zu infizieren. Darauf deuten die Ergebnisse einer kanadischen Studie hin, die im ‚European Respiratory Journal‘ veröffentlicht wurden.

COPD und inhalative Kortikoide. Bild: Mann mit Inhalator. ©ojoimages4 - Fotolia.com

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Die Daten von 417.494 Personen aus Ontario flossen in die populationsbasierte Studie ein. Die Männer und Frauen waren 66 Jahre oder älter, hatten eine obstruktive Atemwegserkrankung (Asthma, chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) oder das Asthma-COPD-Overlap-Syndrom (ACOS)) und waren zwischen 2001 und 2013 deshalb in ärztlicher Behandlung.

Erhöhtes Risiko nur für Patienten mit COPD und ACOS

Die Auswertung ergab: 2966 Probanden hatten sich im Studienzeitraum mit nichttuberkulösen Mykobakterien (NTM) infiziert, 327 mit Tuberkulose. Von den 2966 Personen mit einer NTM-Infektion, wurden 1905 in den letzten 30 Tagen mit inhalativen Cortison-Präparaten (ICS) behandelt, 592 erhielten keine Behandlung, bei 469 Patienten lag die Therapie schon mehr als ein Jahr zurück. Damit war das Risiko, sich mit nichttuberkulösen Mykobakterien zu infizieren, bei Betroffenen mit aktueller Cortison-Therapie um 86 Prozent höher, als bei Patienten ohne aktuelle Behandlung.

Bei einer genaueren Betrachtung der Ergebnisse konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das erhöhte Infektionsrisiko allerdings nur für Patienten mit COPD oder ACOS signifikant nachweisen. Betroffene, die nur an Asthma litten, hatten kein statistisch erhöhtes Risiko.

Art des Medikaments beeinflusst Infektionsrisiko

Im Vergleich der verschiedenen Cortison-Präparate fielen ebenfalls Unterschiede auf. So war das Risiko für eine Infektion nur bei Fluticason signifikant erhöht, bei anderen Präparaten wie zum Beispiel Budesonid zeigte sich kein relevanter Effekt. Ein Grund hierfür könnten unterschiedliche molekulare Eigenschaften der Medikamente sein. So hat Fluticason zum Beispiel eine längere Halbwertszeit und eine stärkere antientzündliche Wirkung als Budesonid.

Für das Risiko, sich mit Tuberkulose zu infizieren, konnte kein statistisch signifikanter Zusammenhang mit der inhalativen Kortikoid-Therapie nachgewiesen werden. Vermutlich sei die Zahl von 327 Tuberkulose-Fällen in der Studie zu gering, um aussagekräftige Zusammenhänge zu sehen, so die Forscher.

Grundsätzlich sei das Risiko einer Infektion mit nichttuberkulösen Mykobakterien eher klein (2966 von 417.494 Personen). Da eine NTM-Infektion jedoch eine chronische Infektion ist, die nur schwer behandelt werden kann, sind die Autoren trotzdem der Ansicht, dass Ärzte das Risiko einer Behandlung mit inhalativen Cortison-Präparaten bedenken, und nur eine möglichst niedrige Dosis verordnen sollten.

Quelle:

Brode, S. K. et al.: The risk of mycobacterial infections associated with inhaled corticosteroid use. In: European Respiratory Journal, 2017; 50: 1700037


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