Lungenfibrose

Vernarbungen der Lunge – Reparatur im Labor

27. Nov 2017

Deutsche Forschende haben einen neuen Mechanismus entdeckt, wie Schäden im Erbgut repariert werden. Der Mechanismus könnte auf lange Sicht auch ein möglicher Ansatzpunkt für neue Therapien bei Lungenfibrose sein. Denn zum ersten Mal konnte eine Studie im Labor zeigen, dass Vernarbungen der Lunge wieder rückgängig gemacht werden können.

Lungenfibrose - Reparatur im Labor. Das Bild zeigt ein Mikroskop.

©kokolosov - Fotolia.com

RAGE (Receptor for Advanced Glycation End-products) ist ein körpereigener Eiweißstoff, der hauptsächlich auf der Oberfläche von verschiedenen Zellen aktiv ist. In bisherigen Forschungsarbeiten fiel das Protein vor allem im Zusammenhang mit chronischen Entzündungen und Folgeschäden bei Diabetes auf. Jetzt weisen Wissenschaftler nach, dass das Molekül auch im Zellkern eine Funktion hat, und dort für die fehlerfreie Reparatur schwerer Erbgut-Schäden (DNA-Schäden), sogenannter Doppelstrangbrüche, benötigt wird. Ihre Ergebnisse beschreiben die Autoren in der Fachzeitschrift ‚Nucleic Acids Research‘.

Lungenfibrose konnte rückgängig gemacht werden

Im Tiermodell stießen sie auch auf einen möglichen therapeutischen Nutzen des Proteins: Bei Mäusen, die durch einen genetischen Defekt kein RAGE mehr produzierten, entwickelte sich durch die fehlenden Reparaturmechanismen eine Vernarbung der Lunge (Lungenfibrose).  Wurde den Tieren das Molekül künstlich wieder zugeführt, konnte dies die Vernarbung nicht nur aufhalten, sondern sogar zu großen Teilen wieder rückgängig machen. In der Folge normalisierte sich auch die Lungenfunktion wieder. Diese Ergebnisse seien insofern erstaunlich, da man Fibrosen bisher als unumkehrbar angesehen hat, so die Autoren. Sie hoffen nun, dass sie mit ihren Ergebnissen erstmals einen möglichen Ansatzpunkt zur Heilung dieser häufigen Gewebeschäden gefunden haben.

Noch viele Fragen offen

Bis eine molekulare Therapie zur Reparatur von Erbgut- und Zellschäden in der Lunge aber wirklich in greifbare Nähe rückt, werden noch viele weitere Studien nötig sein. Denn zahlreiche Fragen - zum Beispiel wie die Heilung im Detail funktioniert - sind weiterhin offen. Als nächsten Schritt wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen, ob RAGE auch bei anderen Fibrosen, zum Beispiel in der Niere oder der Leber, eine Rolle spielt, und ob auch hier die Behandlung mit dem Protein das Krankheitsbild verbessern kann.

Quellen:

Kumar, V. et al.: Homeostatic nuclear RAGE-ATM interaction is essential for efficient DNA repair. In: Nucleic Acids Research, 2017, 45(18):10595-10613

Universitätsklinikum Heidelberg: Körpereigenes Protein macht Vernarbungen in Lunge rückgängig. Pressemitteilung vom 17.11.2017


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