Tyrosinkinasehemmer könnte auch bei idiopathischer Lungenfibrose helfen

24. Okt 2011

Ein ursprünglich als Krebsmedikament entwickelter Tyrosinkinase-Inhibitor kann laut ersten Ergebnissen einer Phase II-Studie das Fortschreiten einer Lungenfibrose verlangsamen. Außerdem treten offenbar lebensgefährliche Exazerbationen, das heißt Phasen in denen sich die Erkrankung verschlimmert, seltener auf.

Foto: Wikimedia

Die Wirkstoffgruppe der Tyrosinkinase-Inhibitoren wird bereits bei Lungenhochdruck auf seine Fähigkeit getestet, das ungesteuerte Zellwachstum in den Lungengefäßen zu hemmen.

Der als BIBF 1120 bezeichnete Wirkstoff kann die Signale von Wachstumsfaktoren blockieren, die bei einer Lungenfibrose aktiv sind. Diese Wachstumsfaktoren beschleunigen die für Lungenfibrose typische Vernarbung des Gewebes. Mediziner des Forschungszentrums für seltene Lungenkrankheiten der Universität Modena untersuchten die Wirkung von BIBF 1120 an 428 Patienten mit idiopathischer Lungenfibrose. Die Probanden wurden in fünf gleichgroße Gruppen eingeteilt. Sie erhielten entweder BIBF 1120 in einer  von vier Dosierungen oder ein Placebo. BIBF 1120 kann zwar eine Lungenfibrose nicht heilen. In der Studie verringerte sich aber die Verschlechterung der Lungenfunktion mit Gabe des Tyrosinkinasehemmers in der höchsten getesteten Konzentration (150 mg zweimal täglich) im Vergleich zur Placebogruppe um etwa zwei Drittel. Außerdem ging die Zahl akuter Exazerbationen deutlich zurück.

Die Aussagekraft der Ergebnisse ist bislang noch durch die geringe Probandenzahl eingeschränkt. Sollten zwei bereits angelaufene Phase III-Studien die beschriebenen Effekte des BIBF 1120 bestätigen, könnte BIBF 1120 eine Therapieverbesserung bei idiopathischer Lungenfibrose ermöglichen.


Quelle:
Richeldi, L. et al.: Efficiacy of a Tyronsine Kinase Inhibitor in Idiopathic Pulmonary Fibrosis. NEJM 365: 1079-1087 (2011)     


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