Schützt Stillen Kinder vor Asthma?

20. Apr 2012

Ob Stillen vor Asthma schützt, war bislang noch nicht endgültig geklärt. Münchner Forscher fanden nun in zwei epidemiologischen Studien, GINIplus und LISAplus, neue Hinweise: Bestimmte Genvarianten des Kindes könnten von Bedeutung dafür sein, ob Stillen einen Schutzeffekt vor Asthma bietet oder nicht.

Mutter stillt Baby

© Tobilander - Fotolia.com

Das sogenannte FADS-Gencluster ist wichtig für das Fettsäuremuster im Blut und in der Muttermilch. Bei Trägern der selteneren Genausprägung hat  ausschließliches Stillen über mehr als drei Monate einen gewissen Schutzeffekt vor Asthma, bei den anderen Studienteilnehmern nicht. Diese Erkenntnis aus der prospektiven Geburtskohortenstudien LISAplus und GINIplus mit insgesamt 2245 Studienteilnehmern könnte die zum Teil widersprüchlichen Ergebnisse vorangegangener Studien erklären.

Wenn Kinder während der ersten drei bis vier Lebensmonate gestillt werden – ausschließlich oder in Kombination mit anderer Nahrung – senkt das ihr Risiko, später an Asthma zu erkranken. Kanadische und US-amerikanische Studien  hatten einen solchen positiven Stilleffekt: Durch Stillen verbessert sich die Lungenfunktion der Kinder -  auch bei jenen, deren Mütter an Asthma leiden.
Die kanadische Metastudie hatte die Daten von mehr als 35.000 Teilnehmern (im Alter von 4 bis 6 und im Alter von 7 bis 9 Jahren) aus zehn prospektiven Studien sowie die Elternangaben zu etwaigen Asthmasymptomen oder -erkrankungen analysiert. Das Ergebnis: Sowohl reine Muttermilchernährung in den ersten drei bis vier Monaten als auch eine Kombination aus Muttermilch und Zufüttern senkt das Risiko einer späteren Asthmaerkrankung.

Die US-Studie analysierte Daten von 1458 Kindern aus verschiedenen epidemiologischen Studien. Im Alter von nunmehr 12 Jahren wurde die Lungenfunktion der Kinder untersucht. Auch hier das Ergebnis: Stillen verbessert die Lungenfunktion. Insbesondere bei Kindern von an Asthma erkrankten Müttern waren die Effekte bei der forcierten Vitalkapazität (FVC) und Einsekundenkapazität (FEV1) besonders stark. Die US-Forscher vermuten aber, dass sich Stillen weniger auf die Asthmaanfälligkeit, sondern direkt auf das Lungenwachstum positiv auswirkt.

Die Zusammenhänge zwischen Stillen und Asthma sind noch nicht ganz geklärt. Die derzeit gültige Empfehlung möglichst alle Kinder zu stillen, kann aber nach der neuen Studie auf jeden Fall aufrechterhalten werden.

Quellen:

Standl, M. et al.: FADS gene cluster modulates the effect of breastfeeding on asthma. Results from the GINIplus and LISAplus studies. In: Allergy, 2012, 67 (1): 83-90

Simons, E. et al.: Is breastfeeding protective against the development of asthma or wheezing in children? A systematic review and meta-analysis. In: Allergy Asthma Clin Immunol, 2011, 7 (Suppl. 2), doi: 10.1186/1710-1492-7-S2-A11

Dogaru, C.M. et al.: Breastfeeding and Lung Function at School-Age: Does Maternal Asthma Modify the Effect? In: Am. J. Respir. Crit. Care Med. rccm 201108-1490OCFirst published online February 3, 2012 as doi: 10.1164/rccm.201108-1490 OC

 


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