Neuer Therapieansatz gegen COPD bei Rauchern?

01. Jun 2012

Ein weit verbreitetes Mittel gegen Bluthochdruck kann zigarettenrauchbedingte Lungenschäden mindern. Wie Untersuchungen an Mäusen zeigten, greift das Medikament in einen Signalweg ein, der offenbar maßgeblich an den COPD –typischen Veränderungen von Lungenstruktur und -funktion beteiligt ist.

Quelle: Fotolia

Das Forscherteam von der Johns Hopkins University in Baltimore, das die Untersuchung durchführte, hofft jetzt, dass in einer nahen Zukunft Millionen Raucher und Ex-Raucher mit einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) von der Therapie mit dem Bluthochdruck-Medikament Losartan profitieren könnten. In den Lungen der COPD-Patienten laufen Umbauprozesse – ein so genanntes Remodeling – ab, welche die typischen Symptome Husten, Auswurf, Verengung der Atemwege und damit einhergehend eine Verschlechterung der Lungenfunktion bedingen. Einen Therapieansatz, der diese bei 80-90 Prozent der Betroffenen durch das Rauchen verursachten Lungenschäden unterbindet oder repariert, gab es bislang nicht.

Doch das könnte sich nach Ansicht der US-Wissenschaftler mit Hilfe eines alten Bekannten in der Medizin ändern: Losartan wird bereits seit 1995 klinisch eingesetzt, vor allem zur Therapie von Bluthochdruck. Mit dem Medikament behandelten die Lungenforscher nun Mäuse, die über Wochen hinweg Zigarettenrauch ausgesetzt waren. Anschließende Analysen ergaben, dass die Lungen der mit Losartan behandelten Mäuse deutlich weniger geschädigt waren als die unbehandelter Vergleichstiere. So gab es keine Anzeichen einer Lungenüberdehnung oder einer vermehrten Einlagerung von Kollagen im Lungengewebe. Und auch die für die COPD typische Verdickung der Bronchialwände fiel vergleichsweise gering aus.

Aus früheren Studien ist bereits bekannt, das Losartan die Wirkung des Signalmoleküls TGF-Beta blockiert. Ihre Ausgangsthese, dass eine Hemmung des TGF-Beta-Signalwegs vor Zigarettenrauch bedingten Lungenschäden schützt, sehen die Forscher durch ihre Ergebnisse bestätigt. Losartan habe sich als fähig erwiesen, die „biologischen Pfade“, die zur COPD führen, zu unterbrechen, so Studienmitautor Robert A. Wise. Im nächsten Schritt soll das Medikament nun an Rauchern mit COPD untersucht werden. Verläuft diese klinische Studie erfolgreich, könnte Losartan, dessen Sicherheit an Millionen Patienten mit Bluthochdruck bereits geprüft wurde, relativ schnell den Weg von der Forschung in die Praxis finden.

Quelle:
Podowski, M. et al.: Angiotensin receptor blockade attenuates cigarette smoke-induced lung injury and rescues lung architecture in mice. In: Journal of Clinical Investment, 2012, 122(1): 229-240

http://www.jci.org/articles/view/46215

 


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