Inhalationstherapie: Fehlerhafte Dosisabschätzung bei Babys und Kleinkindern?

24. Sep 2012

Winzig kleine Nanopartikel verteilen sich in den sich entwickelnden Lungen von Babys und Kleinkindern anders als bei Erwachsenen, so das Ergebnis einer Studie von Forschern des Comprehensive Pneumology Center in München und der Harvard University. Dies hat Auswirkungen auf die inhalative Therapie bei Lungenerkrankungen in dieser Altersgruppe.

Kleiner Junge mit Inhalator.

© Fanfo / Fotolia

Die Effektivität einer so genannten nanopartikelbasierten Inhalationstherapie bei Lungenerkrankungen hängt davon ab, ob und in welchem Ausmaß die nur Nanometer messenden Wirkstoffteilchen entlang des Atmungstraktes an ihren Wirkort gebracht werden und sich dort ablagern können. Wie dieser Prozess in der Lunge Erwachsener abläuft, wurde bereits in zahlreichen Studien untersucht. „Über das Verhalten von Nanopartikeln in den noch nicht ausgereiften Lungen von Kindern ist nur sehr wenig bekannt.“ Zu diesem Schluss kam ein Forscherteam des Comprehensive Pneumology Center in München und der Harvard University und nahmen diese Vorgänge genauer unter die Lupe.

Als Studienobjekt dienten den Wissenschaftlern Ratten, deren Lungen nach der Geburt eine ähnliche strukturelle Entwicklung durchlaufen wie die von Babys und Kleinkindern. Brauchen Menschen dieser Altersgruppe eine Inhalationstherapie, wird deren Dosierung bislang an Hand des Körpergewichts errechnet.

Doch offenbar ist eine simple Abschätzung als Proportionale des Körpergewichts problematisch. Denn wie das deutsch-amerikanische Forscherteam feststellte, steigt die Einlagerungseffizienz von Nanopartikeln nach der Geburt  stark an, vermindert sich im Verlauf zunächst wieder, um dann um den 21. Lebenstag der Ratten ihren Gipfel zu erreichen. Zu diesem Zeitpunkt entspricht der Entwicklungsstand ihrer Lungen in etwa dem von zweijährigen Kindern. Die im klinischen Alltag bei Inhalationstherapien üblicherweise benutzte Dosierungsberechnung an Hand des Körpergewichts könne „signifikante Fehler mit sich bringen“, schreiben die Forscher in ihrer Studie, und, noch wichtiger, „möglicherweise zu Medikamentendosierungen führen, die das anzustrebende Level bei Kindern im Alter von ungefähr zwei Jahren bei weitem überschreiten.“

Quelle:
Semmler-Behnke, M. et al.: Nanoparticle delivery in infant lungs. In: PNAS, 2012, 109(13), S. 5092-5097


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