Hilft das Medikament Palifermin auch Patienten mit Lungenemphysem?

22. Sep 2011

Der Wirkstoff Palifermin begünstigt bei Mäusen mit Lungenemphysem den Erhalt von Lungenbläschen. Die Substanz wird bislang erfolgreich zur Behandlung schwerer Entzündungen der Mundschleimhaut eingesetzt, wie sie durch eine Strahlentherapie hervorgerufen werden können.

Vergrößerter Ausschnitt der Bronchien

Vergrößerter Ausschnitt der Bronchien. Bild: Michael Haggenmüller

Beim Lungenemphysem, einem häufigen Krankheitsbild bei Patienten mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) erweitern sich die Lungenbläschen oder Alveolen am äußersten Ende der Bronchien und werden fortschreitend zerstört. Da die Alveolenwände die Sauerstoffaufnahme gewährleisten, ist es demnach oberstes Ziel, sie zu erhalten bzw. im Falle ihrer Zerstörung zu regenerieren. Der Wirkstoff Palifermin könnte möglicherweise Abhilfe schaffen.

Einem Wissenschaftlerteam des Forschungszentrums Borstel, der Universitäten Gießen und Marburg sowie des Helmholtz Zentrums Münchens gelang es in einer gemeinsamen Studie an Mäusen mit Lungenemphysem, mit Hilfe von Palifermin die fortschreitende Zerstörung der Alveolen aufzuhalten und möglicherweise sogar zerstörte Lungenbläschen wieder herzustellen. In der Folge verbesserte sich die durch das Lungenemphysem eingeschränkte Atmung der Mäuse nachweisbar.

Der Wirkstoff Palifermin, ein humaner Keratinozyten-Wachstumsfaktor (KGF), erhöht unmittelbar die regenerative Fähigkeit des Epithelgewebes. Über mehrere andere, durch das Epithel selbst gebildete Wachstumsfaktoren fördert der KGF auch indirekt die Erhaltung bzw. Reparatur der übrigen Baubestandteile der Alveolenwände. Als Medikament ist Palifermin bislang zur Behandlung schwerer Mundschleimhautentzündungen zugelassen.

In weiteren Studien muss nun geklärt werden, ob dieser Erfolg sich auch auf einen Therapieeinsatz für den Menschen übertragen lässt.

Quelle:
Yildirim, A. et al.: Palifermin Induce Alveolar Maintenance Programs in Emphysematous Mice; Am J Respire Crit Care Med Vol 181. Pp 705-717, 2010


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