Asthmaschutz vor und nach der Geburt

13. Apr 2012

Neue Studienergebnisse stützen die Hygiene-Hypothese für allergisches Asthma bronchiale. Demnach sinkt das Allergierisiko, wenn schon im Mutterleib beziehungsweise in frühester Kindheit ein Kontakt mit bestimmten Keimen erfolgt ist. Auf Bauernhöfen vorkommende Mikroben setzen offenbar einen Schutzmechanismus vor Asthma in Gang, indem sie die Aktivität bestimmter allergierelevanter Gene verändern.

Quelle: © st-fotograf/fotolia

Bereits im Mutterleib laufen beim ungeborenen Kind Mechanismen an, die das Immunsystem aktivieren, oder umgekehrt gegen Allergene sensibilisieren. Auslöser dieser vorgeburtlichen Vorgänge kann der frühe Kontakt mit Bauernhof-Mikroben wie Acinetobacter sein – dies  besagt die sogenannte Hygiene-Hypothese.

Forscher der Philipps-Universität in Marburg wollten nun herausfinden, ob solche sogenannten epigenetischen Mechanismen zum Schutz vor allergischem Asthma beitragen können. Unter Epigenetik sind übergeordnete Steuerungsmechanismen zu verstehen, die bestimmen, welche Gene wann und wie lange aktiv sind.

Die Forscher nutzten für ihre Tests schwangere Mäuse  und setzten sie dem Bakterium  A. Iwoffii aus. Bei den Nachkommen der Mäuse ließen sich Aktivitätsveränderungen  in manchen Genen und damit Veränderungen bei der Balance zwischen T-Helfer-Zellen (TH1 und TH2) nachweisen. Diese spielen bei der allergischen Immunantwort eine Rolle. Die epigenetische Modulation führt bei den Mäusenachkommen zu einem Schutz vor Asthma.

Eine aktuell in Science veröffentlichte Studie von Münchner, Kieler und Bostoner Forschern untersuchten den Einfluss von Keimexposition bei neugeborenen Mäusen. Auch sie stellten fest: Früher Kontakt mit Keimen kann Mäuse vor Asthma oder entzündlichen Darmerkrankungen schützen. Dagegen fanden sich in Lunge und Darm von keimfrei aufgewachsenen Mäusen besonders viele natürliche Killer–T-Zellen, die die Anfälligkeit für Asthma und Darmerkrankungen erhöhen. Offenbar bleibt die veränderte Genaktivität lebenslang erhalten, wenn zu Beginn des  Lebens keine Mikroben vorhanden waren. Die Wissenschaftler weisen aber darauf hin, dass die Effekte bislang nur für Mäuse gezeigt wurden.

Quellen:
Brand, S. et al.: Epigenetic regulation in murine offspring as a novel mechanism for transmaternal asthma protection induced by microbes. In: J. Allergy Clin Immunol., 2011, 128 (3): 618-25.e1-7

Olszak, T. et al.: Microbial Exposure During Early Life Has Persistent Effects on Natural Killer T Cell Function. In: Science doi: 10.1126/science.1219328

 


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