Welt-Tuberkulose-Tag

TBC-Impfung schützt nicht nur vor Tuberkulose

24. Mär 2021

Eine Tuberkuloseimpfung mit dem BGC-Impfstoff konnte in einer Studie Neugeborene in Uganda auch vor anderen Infektionen schützen. In der Analyse, die in The Lancet Infectious Diseases veröffentlicht wurde, gingen die Forschenden auch der Frage nach, welche Mechanismen zu diesem Schutz führen.

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In Deutschland ist die Tuberkulose (TBC) auf dem Rückzug, das meldet das Robert Koch-Institut anlässlich des Welt-Tuberkulose-Tages am 24. März. Weltweit ist TBC allerdings noch immer die häufigste zum Tode führende bakterielle Infektionskrankheit. Besonders in ärmeren Ländern, in denen Tuberkulose noch häufig ist, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO daher, Kinder nach der Geburt so schnell wie möglich mit dem BCG-Impfstoff gegen die Erkrankung zu impfen. Beobachtungen in diesen Regionen deuten darauf hin, dass die Kinder dort auch seltener an anderen Infektionskrankheiten sterben. Vermutet wurde, dass dies auf eine unspezifische Aktivierung des Immunsystems durch den Tuberkulose-Impfstoff zurückgehen könnte. Einen endgültigen Beweis durch eine größere Studie gab es bislang jedoch nicht.

Mit der aktuellen randomisierten Studie wollten britische Forschende diese Lücke schließen. 560 Neugeborene wurden in die Studie aufgenommen und zufällig in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe erhielt die TBC-Impfung direkt nach der Geburt, die andere etwas verzögert im Alter von sechs Wochen. Analysiert wurde, wie viele der Kinder in den ersten sechs Lebenswochen an anderen Infektionen, außer Tuberkulose, erkranken. In der Gruppe, die die Impfung direkt nach der Geburt erhalten hatte, waren dies 98 Kinder, in der anderen (mit verzögerter TBC-Impfung) dagegen 129 Kinder – ein statistisch signifikanter Unterschied. Besonders deutlich fiel der Effekt bei Jungen und Kindern mit einem niedrigen Geburtsgewicht aus.

Besserer Schutz vor Infektionen durch Epigenetik

Um die möglichen Ursachen aufzudecken, analysierten die Forschenden das Blut der Kinder. Denn vorangegangene Studien ließen vermuten, dass der BGC-Impfstoff das Erbgut epigenetisch verändert. Tatsächlich konnte die aktuelle Studie dies bestätigen. Die DNA der Kinder, die direkt nach der Geburt geimpft wurden, war an einer Stelle so epigenetisch verändert, dass spezielle Stoffe des angeborenen Immunsystems vermehrt produziert werden können. Nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren könnte dies erklären, warum das Immunsystem geimpfter Kinder Erreger schneller und besser abwehren kann.

Die Studie unterstreiche nochmals die WHO-Empfehlungen, schlussfolgern die Forschenden. Durch den zusätzlichen Schutz vor weiteren Infektionskrankheiten könnte eine frühe Tuberkulose-Impfung zudem eine kostengünstige und leicht umsetzbare Möglichkeit sein, um die öffentliche Gesundheit im Ganzen zu verbessern. 

Quellen:


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