Pseudomonas-Infektion bei Mukoviszidose

Multiresistente Keime mit Viren bekämpfen

16. Jan 2020

Antibiotikaresistenzen nehmen weltweit alarmierende Ausmaße an. In der Bekämpfung multiresistenter Keime gehen Fraunhofer-Forscherinnen und -Forscher nun gemeinsam mit Partnern neue Wege: Sie wollen die gefährlichen Bakterien mit Hilfe von Viren, sogenannten Bakteriophagen, eliminieren. In einem ersten Projekt soll aus Phagen ein Arzneimittel für Mukoviszidose-Patienten gegen Pseudomonas aeruginosa, den häufigsten bakteriellen Verursacher der Lungenentzündung, entwickelt werden.

Bakteriophagen greifen nur ihr spezielles Wirtsbakterium an und zerstören es. © peterschreiber.media - AdobeStock

Bakterienviren, auch als Bakteriophagen oder Phagen bezeichnet, sind Viren, die in Bakterien eindringen, sich in ihnen vermehren. Sie bringen die Bakterien zum Platzen und machen sie so unschädlich. Der Vorteil der Phagen: Sie greifen nur ihr spezielles Wirtsbakterium an, haben also keinen Einfluss auf Körperzellen und andere Bakterien.

Grundsätzlich ist die Phagentherapie nicht neu, in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion wurde sie jahrzehntelang erfolgreich eingesetzt. In Deutschland gibt es bisher jedoch keine zugelassenen Phagenpräparate. Dies liegt vor allem an fehlenden klinischen Studien. Diese Lücke soll das aktuelle Projekt schließen. Es umfasst die Auswahl erfolgversprechender Phagen, den Herstellungsprozess, die pharmazeutische Herstellung, die präklinischen Studien sowie die klinische Prüfung. 

Erstes konkretes Ziel ist es, einen inhalierbaren Wirkstoffcocktail aus drei Bakteriophagen gegen das multiresistente Bakterium Pseudomonas aeruginosa zu entwickeln. Pseudomonas ist beispielsweise die weltweit häufigste bakterielle Ursache von Lungenentzündungen bei Mukoviszidose-Patienten.

Hierfür sammelten die Forscher zunächst Bakterienproben von Mukoviszidose-Patienten und ermittelten anschließend Phagen, die in der Lage sind, diese Bakterienpopulationen aufzulösen. Beim Screening konnten die Wissenschaftler drei Phagen mit einem möglichst breiten Wirtsspektrum identifizieren, die zusammen 70 Prozent der Proben zerstören. Von hundert Patienten könnte der Phagen-Cocktail also etwa 70 erfolgreich behandeln.

Wenn Antibiotika nicht mehr wirken: Phagen als Alternative?

Von der neuen Therapie würden zunächst Menschen mit Mukoviszidose profitieren. Dies sei jedoch erst der Anfang, so die Forschenden. Ihr Ziel ist es, Phagen als zusätzliche Therapie für verschiedene Infektionskrankheiten zu entwickeln – vor allem dort, wo Antibiotika nicht mehr wirken.

Angesichts der Antibiotikaresistenzen rücken Phagen immer mehr in den Fokus der Forschung, zumal die pharmazeutische Industrie keine neuen Antibiotika entwickelt. Im Frühjahr soll die präklinische Forschung starten.

Quelle:

Fraunhofer-Gesellschaft: Neue Wirkstoffe gegen multiresistente Keime. Pressemitteilung vom 2.1.2020 


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