Diagnostik

Hochdurchsatz-Gentest für Lungenkrebs

08. Aug 2016

Ein neuer Hochdurchsatztest weist bestimmte genetische Veränderungen im Tumorgewebe zuverlässig nach, wie Forscher des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL) nun zeigen. Bisher war das nur mit aufwändigen Methoden abseits der Routinediagnostik machbar. Durch die neue Möglichkeit soll es einfacher werden, den Patienten - je nach genetischer Grundlage der Erkrankung - eine passgenaue Therapie anzubieten.

Das Bild zeigt einen DNA-Strang vor einer dahinter liegenden Sammlung der Buchstaben A, C, G und T

Gendiagnostik, Quelle: Fotolia/SSilver

Die genetischen Ursachen von Lungenkrebs können sich von Patient zu Patient unterscheiden. Je nachdem, welche Gene betroffen sind, schlagen manche Therapien besser oder schlechter an. Um den behandelnden Ärzten den Griff zum jeweils  bestmöglichen Medikament zu erleichtern, werden in der Routine-Diagnostik entsprechende Gentests durchgeführt. Dabei bisher nicht eingeschlossen waren bestimmte Fusionsgene.

Dabei handelt es sich um Genabschnitte, die sich mit anderen Bereichen im Erbgut verbinden und so zu neuen fusionierten Genen führen. Sie können sich anders verhalten als ihre ursprünglichen Formen und beispielsweise unterschiedlich oft abgelesen werden oder andere Produkte hervorbringen und so den Krebs begünstigen.

In einer neuen Studie testeten Forscher vom DZL nun eine Möglichkeit, im Rahmen der genetischen Routine-Diagnostik bei nichtkleinzelligem Lungenkrebs auch Fusionsprodukte von bestimmten Genen (ALK, RET, ROS I)  sowie weitere Mutationen mit zu analysieren.

Zur Qualitätskontrolle wendeten sie die Methode zunächst auf 50 Gewebeproben an, bei denen die genetische Ausgangslage vorher eindeutig bestimmt worden war – 35 mit und 15 ohne Genfusionen. Die Ergebnisse deckten sich zu 100 Prozent mit denen der aufwändigeren Standardmethode. In einem zweiten Schritt wendeten die Wissenschaftler die Methode auf bis dahin nicht untersuchtes Tumormaterial an. Von insgesamt 109 Gewebeproben wiesen vier eine Genfusion auf. Dieses Ergebnis bestätigte sich auch in einer anschließenden Kontrolle durch die Standardmethode.

Die Autoren leiten daraus ab, dass ihr neuer Hochdurchsatztest erlaubt, zusätzlich zur Routine-Diagnostik auch das Vorhandensein von Fusionsgenen relativ schnell und einfach zu überprüfen. Der Vorteil: Durch die gemeinsame Analyse würden die oft begrenzten Gewebeproben für weitere Analysen eingespart. Zudem könne man schnell und zuverlässig das therapeutische Vorgehen an der genetischen Ausganglage ausrichten und so eine personalisierte Therapie einleiten.

 

Quelle:
Pfarr, N.: High-Throughput Diagnostic Profiling of Clinically Actionable Gene Fusions in Lung Cancer. In: Genes Chromosomes Cancer, 2016, DOI: 10.1002/gcc.22297


zum Seitenanfang
Druckversion