Cystische Fibrose und Luftverschmutzung

Feinstaub erhöht MRSA-Infektionsrisiko bei Kindern mit Mukoviszidose

11. Sep 2017

Beeinflusst eine Feinstaub-Belastung in frühen Lebensjahren das Risiko von Kindern mit Mukoviszidose, bestimmte bakterielle Infektionen zu bekommen? Amerikanische Forschende finden in ihrer retrospektiven Kohortenstudie jetzt Hinweise auf einen solchen Einfluss der Luftverschmutzung. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie in der Fachzeitschrift ‚BMC Pulmonary Medicine‘.

CF und Luftverschmutzung - Arztunterlagen mit dem Schriftzug Mukoviszidose. ©Zerbor - Fotolia.com

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Luftverschmutzung, und besonders Feinstäube deren Partikel kleiner als 2,5 Mikrometer sind - sogenannte PM2.5 (fine particulate matter) - können gesundheitliche Auswirkungen haben. Menschen die bereits an einer Lungenerkrankung leiden, sind besonders gefährdet. Bei Betroffenen mit Mukoviszidose, auch cystische Fibrose genannt, kann Feinstaub die Lungenfunktion negativ beeinträchtigen und zu mehr pulmonalen Exazerbationen führen, das haben Studien bereits gezeigt. Und ein amerikanisches Wissenschaftlerteam wies unlängst nach, dass eine langfristige Feinstaubbelastung das Risiko junger Kinder mit Mukoviszidose erhöht, sich mit Pseudomonas aeruginosa- Bakterien zu infizieren.

Ob eine erhöhte Feinstaubbelastung auch das Infektionsrisiko für vier andere Bakterienarten beeinflusst, das untersuchte das Team jetzt in seiner aktuellen Veröffentlichung. Für ihre retrospektive Kohortenstudie nutzen sie die Daten des nationalen Patientenregisters der U.S. Cystic Fibrosis Foundation. Eingeschlossen wurden 3463 Kinder mit Mukoviszidose, die zwischen 2003 und 2006 geboren wurden und bei ihrer ersten Untersuchung keine Infektion mit den analysierten Keimen hatten. Die Feinstaubbelastung wurde mit Hilfe der Daten von mehr als 1000 Messstationen, die über die gesamte USA verteilt sind, für jedes Kind individuell je nach Wohnort interpoliert. Ausgewertet wurden die Bakterien Methicillin-sensible Staphylococcus aureus (MSSA),  Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA), Stenotrophomonas maltophilia und Achromobacter xylosoxidans.

Risiko für MRSA-Infektion steigt um 56 Prozent

Während des Beobachtungszeitraums infizierten sich 64 Prozent der Kinder mit MSSA, 17 Prozent mit MRSA, 24 Prozent mit S. maltophilia und 5 Prozent mit A. xylosoxidans. Eine signifikante Auswirkung der Feinstaubbelastung auf das Infektionsrisiko fanden die Wissenschaftler nur für den MRSA-Keim, nicht aber für die drei anderen Bakterienarten. Stieg die PM 2.5 Belastung um 10 Mikrogramm pro Kubikmeter an, erhöhte sich das Infektionsrisiko für MRSA um je 56 Prozent. Nach Ansicht der Autoren zeigen die Ergebnisse, dass Luftverschmutzung für junge Kinder mit Mukoviszidose einen Risikofaktor darstellt und eine Rolle bei der Besiedelung der Atemwege mit Bakterien zu spielen scheint. Allerdings sei weiterhin nicht bekannt, über welchen Mechanismus genau die Feinstaubbelastung das Infektionsrisiko beeinflusst. Dafür müssten weitere Forschungen folgen.

Das Team nennt in seiner Veröffentlichung selbst einige Einschränkungen der Studie. So sei nur die Feinstaubbelastung im Freien gemessen worden, und durch die festen Messstellen konnte die Belastung nur näherungsweise berechnet werden. Auch standen keine Daten über wichtige Faktoren wie zum Beispiel das Rauchen der Eltern oder ein niedriges Geburtsgewicht zur Verfügung. Trotzdem sind die Autoren der Überzeugung, dass ihre Studie die These weiter untermauert, dass Luftverschmutzung den Verlauf einer Mukoviszidose-Erkrankung negativ beeinflussen kann.

Quelle:

Psoter K. J. et al.: Air pollution exposure is associated with MRSA acquisition in young U.S. children with cystic fibrosis. In: BMC Pulmonary Medicine, 2017, 17:106


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