Asthma

Darmbakterien könnten entscheidende Rolle spielen

10. Nov 2016

Die Zusammensetzung der Darmflora und die Art und Weise wie der Körper darauf reagiert unterscheiden sich zwischen Kindern mit und ohne Asthma. Das berichtet eine spanisch-schwedische Forschergruppe im ‚Journal of Allergy and Clinical Immunology‘. Scheinbar werden die Weichen dafür schon während des Stillens gestellt.

Darmflora

Die Zusammensetzung der Darmflora unterscheidet sich zwischen Kindern mit und ohne Asthma, Quelle: Fotolia/Alex

Die Forscherinnen und Forscher gingen der Hypothese nach, dass die Bakterien der Darmflora, auch Darm-Mikrobiota genannt, früh im Leben eine Rolle bei der Entstehung von Allergien und Asthma spielen. Ähnlich wie beim sogenannten Bauernhof-Effekt soll demnach eine möglichst durchmischte Mikrobiota das Immunsystem über die Schleimhäute (Darm bzw. Lunge) positiv beeinflussen.

Dazu untersuchte das Wissenschaftlerteam Stuhlproben von 48 Neugeborenen einen Monat und zwölf Monate nach der Geburt, da sie davon ausgingen, dass das erste Jahr nach der Geburt entscheidend für die Entwicklung des Immunsystems ist. In den Proben bestimmten die Forscher die verschiedenen Bakterienarten. Zudem untersuchten sie, ob körpereigene IgA-Antikörper an sie gebunden waren. IgA bildet eine Abwehrbarriere des Körpers gegen (vermeintliche) Krankheitserreger von außen. Weiterhin wurden die jungen Probanden für bis zu sieben Jahre beobachtet und festgestellt, ob sich Asthma oder Allergien entwickelten.

Bei 20 Kindern, die im Laufe Ihres Lebens Allergien entwickelten, fanden sich der Studie zufolge im Alter von zwölf Monaten deutlich weniger IgA-Antikörper an den Bakterien. Vor allem bei Kindern, die binnen sieben Jahren an Asthma erkrankten, war der Unterschied sehr deutlich messbar, so die Autoren.

Darüber hinaus unterschieden sich die beiden Gruppen auch hinsichtlich der Angriffsmuster des Immunsystems. So bildeten die Nicht-Asthmatiker Antikörper gegen andere Darmkeime als die von Asthma betroffenen Kinder. Dies war bereits im ersten Lebensmonat der Fall. Da zu diesem Zeitpunkt noch die meisten IgA-Antikörper des Neugeborenen aus der Muttermilch stammen, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass das mütterliche Immunsystem bei der Entwicklung von Asthma und Allergien ebenfalls eine Rolle spielt. Das wollen die Autorinnen und Autoren künftig verstärkt untersuchen.

Bereits 2014 hatten die Forscher erste Ergebnisse präsentiert, die darauf hinwiesen, dass eine geringe Bakterienvielfalt im Darm das Asthmarisiko erhöhen könnte – der Lungeninformationsdienst berichtete. Schon damals vermuteten die Wissenschaftler eine Art Trainingseffekt, bei dem das Immunsystem verschiedene Bakterien „kennenlernt“. Auch Ideen für eine gezielte frühe Gabe wichtiger Bakterien existieren bereits.

 

Quellen:
Dzidic, M. et al.: Aberrant IgA responses to the gut microbiota during infancy precede asthma and allergy development. In: Journal of Allergy and Clinical Immunology, 2016, doi: 10.1016/j.jaci.2016.06.047

Linköping Universität: Intestinal diversity protects against asthma. Pressemitteilung vom 10. Oktober 2016


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