Lungenentzündung:

CT als Ergänzung zur Röntgenaufnahme

01. Aug 2016

Besteht bei Patienten der Verdacht auf eine ambulant erworbene Lungenentzündung, wird zumeist ein Röntgenbild gemacht, um die Diagnose zu erstellen und zu präzisieren. Die Beurteilung von Röntgenaufnahmen des Brustkorbs bedarf allerdings einiger Erfahrung, da die Struktur der Lunge nur als relativ diffuses Hintergrundmuster abgebildet wird. Eine französische Studie zeigt nun, dass die Diagnosestellung durch ein zusätzliches computertomographisches (CT) Bild ergänzt werden könnte.

Arzt und Patient blicken gemeinsam auf ein Röntgenbild im Computer

Eine CT kann die Röntgenuntersuchung bei Lungenentzündungen ergänzen. Quelle: Fotolia/corbis_infinite

Die Thorax-CT ergänzt oder ersetzt immer öfter die klassische Röntgenuntersuchung, da diese spezielle Röntgen-Methode einen noch detaillierteren Blick ins Körperinnere erlaubt. Durch ein Schnittbildverfahren werden Schicht für Schicht zweidimensionale Bilder von Organen und Geweben erzeugt, auf denen unterschiedliche Dichten durch Graustufen dargestellt sind. Per Computer werden diese Schichten dann zu dreidimensionalen Abbildungen zusammengesetzt und vermitteln damit einen räumlichen Eindruck des Organs. CT-Aufnahmen stellen Gewebe und Organe und ihre krankhaften Veränderungen praktisch überlagerungsfrei dar, sie sind daher deutlich besser zu erkennen als auf konventionellen Röntgenaufnahmen.

 

Ob sich diese Verbesserungen auch für eine bessere Diagnose von ambulant erworbenen Lungenentzündungen eignen, hat nun ein Forscherteam untersucht. Für die Studie schlossen die Mediziner insgesamt 319 Patienten aus mehreren französischen Krankenhäusern ein, die mit Verdacht auf Lungenentzündung in der Notaufnahme behandelt wurden. Neben einer Röntgenuntersuchung erhielten sie binnen vier Stunden zudem eine Thorax-CT.

 

Sowohl nach der Röntgenaufnahme als auch nach der anschließenden Thorax-CT schätzten die Notfallmediziner die Wahrscheinlichkeit einer Lungenentzündung ein und machten einen Vorschlag zum therapeutischen Vorgehen (Antibiotika, stationäre Behandlung oder Entlassung).

Insgesamt stellten sie in der ersten Untersuchung (Röntgen) folgende Lungenentzündungsdiagnosen: 143 als definitiv, 172 als wahrscheinlich bis möglich und vier Fälle als ausgeschlossen. Nach der Thorax-CT veränderten sich diese Zahlen. In insgesamt 187 Fällen (knapp 60 Prozent) korrigierten die Ärzte die Wahrscheinlichkeit. Bei 29 Prozent sei eine vorher vermutete CAP ausgeschlossen worden und bei 34 Prozent nach der CT neu als definitiv bewertet worden, so die Autoren.

 

Sie schließen daraus, dass eine CT-Untersuchung auch für die Diagnose von ambulant erworbenen Lungenentzündungen einen Zusatznutzen bringen kann.

 

Quelle:

Claessens, YE. et al.: Early Chest Computed Tomography Scan to Assist Diagnosis and Guide Treatment Decision for Suspected Community-acquired Pneumonia. In: American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine, 2015, DOI: 10.1164/rccm.201501-0017OC

 

 

 

Mrusek, M.: Pneumonie - Öfter CT zurate ziehen! (Artikel in der Ärzte Zeitung vom 13. Juli 2016)


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