COPD, Asthma und andere chronische Lungenerkrankungen

Besser inhalieren dank Erklärvideos im Internet

10. Aug 2017

Kurze Erklärvideos können Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma oder der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung COPD dabei helfen, ihre Inhalationstechnik zu verbessern. Die Ergebnisse eines deutschen Wissenschaftler-Teams dazu wurden in der Fachzeitschrift ‚Respiratory Medicine‘ veröffentlicht.

Besser Inhalieren dank Erklärvideos. Ein Mann benutzt einen Inhalator. ©ojoimages4 - Fotolia.com

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Medikamente, die mit Hilfe eines Inhalationssystems verabreicht werden, gehören in der Behandlung von Asthma oder der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung COPD zur Standardtherapie. Trotzdem haben Untersuchungen gezeigt, dass viele Betroffene ihre Inhalatoren falsch anwenden und so zu wenig Wirkstoff einatmen. Auch wir berichteten im April 2017 von einer solchen Studie. Seit 2011 stellt die Deutsche Atemwegsliga in ihrem Internetangebot kurze Erklärvideos zu allen gängigen Inhalationssystemen bereit. Die Filme erklären in Bild und Ton, wie man die Inhalation richtig vorbereitet, durchführt und abschließt. Deutsche Forscherinnen und Forscher untersuchten jetzt, ob Betroffene durch die Video-Anleitungen kurz- und langfristig ihre Inhalationstechnik verbessern können.

Insgesamt nahmen 112 Teilnehmerinnen oder Teilnehmer an der Studie teil. Zunächst sollten sie ihre Inhalationstechnik vorführen. Machten die Probanden einen oder mehrere Fehler, wurde ihnen das passende Erklärvideo gezeigt. Im Anschluss sollten sie die Inhalation wiederholen. Eine Studienassistenz beurteilte die Inhalationstechnik mit Hilfe spezifischer Checklisten für jedes System.  Probanden, die die Inhalation korrekt durchführten, nachdem sie das Video gesehen hatten, wurden zu einem nochmaligen Besuch nach vier bis acht Wochen eingeladen, um auch den langfristigen Effekt der Filme zu überprüfen.

Kurz- und langfristig: Weniger Fehler beim Inhalieren

Es zeigte sich, dass mehr als die Hälfte aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer (51,8 Prozent) zu Beginn Fehler bei der Inhalation machte. Nachdem sie das Video gesehen hatten, gaben rund 88 Prozent an, dass sie die Anleitungen verstanden hätten. Dies äußerte sich auch in der Fehlerrate beim Inhalieren. 44 der 51 Teilnehmer (75,9 Prozent), die zuvor fehlerhaft inhaliert hatten, wendeten den Inhalator direkt nach dem Video korrekt an. Im zweiten Versuch  bestätigte sich, dass die Videos auch langfristig einen positiven Effekt haben können. Sieben von zehn Personen inhalierten nach vier bis acht Wochen weiterhin fehlerfrei. Bei den restlichen Teilnehmern ging die Zahl der Fehler zudem signifikant zurück.

Insgesamt kommen die Autoren zu dem Schluss, dass die Erklärvideos eine sinnvolle Ergänzung darstellen können, denn sie verbessern die Inhalationstechnik der Betroffenen auch auf lange Sicht. Eine individuelle Beratung und Anleitung aller Patienten sei zudem sehr zeitintensiv und könne im Klinik-Alltag zu kurz kommen. Eine regelmäßige Kontrolle der Inhalationstechnik durch Fachpersonal sei jedoch, besonders bei Älteren, weiterhin unabdingbar. Einschränkend sollte betont werden, dass es sich bei der Studie nur um eine Single-Center-Studie handelte und die Teilnehmerzahl nicht allzu groß war.

Mehr Informationen zu den Erklärvideos „Richtig inhalieren“

Die kurzen Videos der Deutschen Atemwegsliga sind frei verfügbar und stehen auf der Web-Seite des Vereins in sechs verschiedenen Sprachen zur Verfügung (Deutsch, Englisch, Arabisch, Türkisch, Russisch und Slowakisch).

 

Quelle:

Müller, T. et al.: Optimizing inhalation technique using web-based videos in obstructive lung diseases. In: Respiratory Medicine , 2017, 129:140-144


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