Asthma und Allergien

Asthma-Risiko anhand einer Stuhlprobe vorhersagen?

05. Sep 2019

Ein von Darmbakterien gebildetes Lipid im Stuhl von Neugeborenen könnte auf das Risiko für Asthma und Allergien des Kindes hinweisen. Zu diesem Ergebnis kommen US-Forschende in einer Studie, die in „Nature Microbiology“ veröffentlicht wurde.

Bild eines Babys auf der Schulter einer Frau.

Kann man das Asthma-Risiko aus dem Windelinhalt erkennen? © Photographee.eu - Fotolia.com

Bereits in vorangegangenen Studien wies das Wissenschaftsteam nach, dass die mikrobielle Darmflora von Babys, die ein erhöhtes Asthma-Risiko haben, gestört ist. Im Detail konnten sie zeigen, dass 12,13-diHOME, ein spezielles von Bakterien gebildetes Lipid (Fett), in Stuhlproben dieser Babys in besonders großen Mengen vorhanden war. Ihre Vermutung: Das Lipid fördert die Fehlfunktion des Immunsystem, indem es sowohl die Zahl als auch die Aktivität der regulatorischen T-Zellen vermindert. Aufgabe dieser speziellen Immunzellen ist es normalerweise, allergische Entzündungen zu unterdrücken.

Um nachzuweisen, dass tatsächlich 12,13-diHOME das Risiko für Allergien und Asthma erhöht, brachten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der aktuellen Studie das Lipid in den Darm von Mäusen ein. Mit der Folge, dass die Zahl der regulatorischen T-Zellen in der Lunge der Tiere zurückging - ein wesentliches Merkmal für allergische Entzündungsmechanismen in den Atemwegen.

Windelinhalt verrät Asthma-Risiko

Anschließend untersuchten sie die Stuhlproben von einen Monat alten Babys nochmals genauer. Es zeigte sich, dass das Risiko mit zwei Jahren an einer Allergie oder mit vier Jahren an Asthma zu erkranken, nicht nur anhand der 12,13-diHOME-Konzentration vorhergesagt werden konnte, sondern auch anhand der Kopienzahl der bakteriellen Gene, mittels derer das Lipid gebildet wird.

Die Ergebnisse konnte das Team sowohl für 41 Kinder aus Detroit, als auch für 50 Babys aus dem Raum San Francisco bestätigen. Sie vermuten daher, dass sich der Zusammenhang zwischen bakteriellem Lipid und kindlichem Allergie- und Asthmarisiko möglicherweise auf eine breitere Bevölkerungsgruppe übertragen lässt. Dennoch müsse dies aber in größeren Studien erst noch überprüft werden. 

Die Forschenden betonen auch, dass 12,13-diHOME wahrscheinlich nur einer von vielen mikrobiellen Stoffen sei, die das kindliche Immunsystem negativ beeinflussen und somit das Risiko für Allergien und Asthma erhöhen könnten. In Zukunft wollen sie anhand dieser Moleküle ein Screeningprotokoll entwickeln, mit dem Kinder mit erhöhtem Allergie- und Asthma-Risiko frühzeitig erkannt werden können. Ein weiterer Ansatzpunkt wäre ihrer Ansicht nach die Entwicklung vorbeugender Maßnahmen, die eine gesunde Darmflora unterstützen, sodass schädliche Substanzen erst gar nicht gebildet werden.

Quelle:

Levan, S.R. et al.: Elevated faecal 12,13-diHOME concentration in neonates at high risk for asthma is produced by gut bacteria and impedes immune tolerance. In: Nature Microbiology, 2019, doi: 10.1038/s41564-019-0498-2 


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