Lungenfibrose

Antikörper zur Therapie von Lungenfibrose durch Bestrahlung

10. Apr 2017

Wird die Funktion des Bindegewebe-Wachstumsfaktors CTGF durch einen Antikörper blockiert, kann eine strahleninduzierte Lungenfibrose verhindert werden. Diesen Mechanismus konnten deutsche Forscher im Tiermodell nachweisen. Sie veröffentlichten ihre Ergebnisse in der Fachzeitung „Journal of the National Cancer Institute“.

Bild eines Antikörpers

Foto: ©Dr Kateryna/ fotolia

Strahlentherapie ist eine wichtige Behandlungsoption bei Lungenkrebs. Da das Lungengewebe sehr empfindlich ist, kann es durch die ionisierenden Strahlen aber auch zu Schädigungen des mitbestrahlten und eigentlich gesunden Gewebes kommen. Oft wird das gesunde Gewebe dann durch weniger elastisches Bindegewebe ersetzt, sodass die Lunge verhärtet und sich die Lungenfunktion verschlechtert. Diese Veränderungen werden auch als strahleninduzierte Lungenfibrose bezeichnet.

Bekannt sei, dass eine ganze Reihe von Wachstumsfaktoren und entzündungsfördernden Botenstoffen bei der Entstehung einer Fibrose eine Rolle spielen, so die Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums. Bisher können Wirkstoffe gegen diese Zielmoleküle aber kaum einer Lungenfibrose vorbeugen oder deren Symptome verbessern. Und auch eine einmal bestehende Fibrose ließe sich momentan nicht wieder rückgängig machen.

In ihrer aktuellen Studie konnten die Forscher nun im Tiermodell zeigen, dass ein Antikörper gegen den Bindegewebe-Wachstumsfaktors, CTGF (connective tissue growth factor), die Umbauprozesse der strahleninduzierte Lungenfibrose verhindern kann. Er trug sogar dazu bei, eine bereits bestehende Lungenfibrose wieder zu verbessern.

Für die Untersuchungen erhielten Tiere den Antikörper über acht Wochen, beginnend zu verschiedenen Zeitpunkten vor oder nach einer Bestrahlung. In 50 bis 80 Prozent der Fälle konnte der Antikörper die Entstehung einer Fibrose verhindern. Bei einem Start der Behandlung 16 Wochen nach der Bestrahlung machte der Antikörper die Umwandlung des Gewebes sogar wieder rückgängig, wodurch sich die Lungenfunktion und die Sauerstoffversorgung deutlich verbesserten.

Da der fibrotische Gewebeumbau nach der Bestrahlung bei Mäusen und Menschen sehr ähnlich verläuft, nehmen die Autoren an, dass die Ergebnisse auch für Menschen relevant sein könnten, die sich einer Strahlentherapie unterziehen müssen. Möglicherweise sei die Blockade des Bindegewebe-Wachstumsfaktors CTGF auch ein Ansatz für eine neue Therapie bei Fibrosen, die nicht durch eine Bestrahlung ausgelöst wurden.

Weitere Untersuchungen sind jedoch nötig, da in dieser Studie zum Beispiel nur die Auswirkungen einer einzigen Strahlendosis untersucht wurden. Außerdem variierte die Strahlendosis bislang nicht, und auch der Antikörper wurde nur für einen einzigen definierten Zeitraum verabreicht. 

Quellen:

Deutsches Krebsforschungszentrum: Antikörper wirkt gegen strahlenbedingte Lungenfibrose. Pressemitteilung vom 28.3.2017

Bickelhaupt S. et al.: Effects of CTGF Blockade on Attenuation and Reversal of Radiation-Induced Pulmonary Fibrosis. In:  Journal of the National Cancer Institute, 2017, 108 (8) DOI 10.1093/jnci/djw339


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