Adipositas und Schlafapnoe: Welche Behandlung hilft wirklich?

28. Dez 2015

Das Pickwick-Syndrom, eine Form der Schlafapnoe bei stark Übergewichtigen, lässt sich mit nicht-invasiver Beatmung oder kontinuierlicher positiver Überdrucktherapie erfolgreicher behandeln als mit alleiniger Lebensstiländerung. Dies haben spanische Wissenschaftler im Rahmen einer Multicenterstudie herausgefunden. Ob die Atemfunktionen sich dauerhaft verbessern, müssen Langzeitstudien finden.

Foto: © A.Walters/fotolia

Stark übergewichtige Menschen leiden mitunter an nächtlichen Atemaussetzern bzw. zu flacher Atmung. Die Folge davon sind eine eingeschränkte Versorgung der Lunge mit Sauerstoff und ein erhöhter Kohlendioxidgehalt im Blut. Die Betroffenen leiden an Tagesmüdigkeit, Leistungseinschränkungen, Konzentrationen und Atemnot. Langfristig kann das Pickwick-Syndrom auch lebensbedrohliche Folgen haben, wenn es unbehandelt bleibt.

Die Wissenschaftler wollten in ihrer Studie mit 221 Patienten abklären, mit welcher Behandlungsform sich die größeren Erfolge  erzielen lassen. Zwei Monate lang erhielten die  Studienteilnehmer entweder eine 1000-Kaloriendiät mit Beratungsangeboten zur Schlafhygiene, mehr Bewegung und Verzicht auf schlafbeeinträchtigende Faktoren wie Alkohol. Zusätzlich erhielt eine Gruppe von 71 Patienten eine nicht-invasive Beatmung sowie eine weitere Gruppe von 80 Patienten eine kontinuierliche Überdrucktherapie.

Zu Beginn, nach einem Monat und am Ende der Behandlungsdauer untersuchten die Wissenschaftler wesentliche Atemfunktionsparameter wie Blutgaswerte, erhoben die 6-Minuten-Gehstrecke und weitere Daten zur Lebensqualität.

Die größte Verbesserung bezüglich der Kohlendioxidbelastung am Tag zeigte sich bei der Gruppe mit der nicht-invasiven Beatmung (NIV). Auch die Patienten mit kontinuierlicher positiver Überdrucktherapie (CPAP) erzielten bessere Werte, allerdings spielte in dieser Gruppe die Mitwirkung der Patienten noch eine wichtige zusätzliche Rolle. Die alleinige Lebensstiländerung fiel demgegenüber in ihrer Wirkung zurück.

Insgesamt betrachtet gehen die Wissenschaftler davon aus, dass NIV und CPAP effektivere Therapieansätze darstellen als die alleinige Änderung des Lebensstils. Ob diese Behandlung auch dauerhaft hilft, wollen sie nun über Langzeitstudien untersuchen.


Quelle:
Efficacy of Different Treatment Alternatives for Obesity Hypoventilation Syndrome. Pickwick Study. In: Am J Respir Crit Care Med. 2015, 192(1):86-95

Weiterführende Informationen:
Risiko für Schlafapnoe bei Asthmatikern

Beatmungstherapie erhöht Lebenserwartung bei COPD


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