Rehabilitation bei chronischen Lungenerkrankungen – Das Experteninterview

23. Mai 2013

Der Lungeninformationsdienst im Gespräch mit Prof. Dr. med. Jürgen Fischer, emeritierter Inhaber des Lehrstuhls für Rehabilitationswissenschaften an der Universität Witten/Herdecke. Leitender Arzt der Pneumologie und des Schlafmedizinischen Zentrums der Medizinischen Klinik im Krankenhaus Landshut-Achdorf.

Porträt von Prof. Dr. Jürgen Fischer

Bild: Prof. Dr. Jürgen Fischer

„Bewegung ist gesund!“ Dieses Motto trifft auch für Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen zu. Die positiven Effekte von körperlicher Bewegung in Bezug auf Leistungsfähigkeit und gesundheitsbezogener Lebensqualität gelten inzwischen als gesichert. Heute zählen sie zum festen Bestandteil von ambulanten und stationären Rehabilitationsprogrammen. Der Lungeninformationsdienst sprach mit Prof. Dr. med. Fischer über die pneumologische Rehabilitation.


Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen die Effektivität von Rehabilitationsmaßnahmen bei Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen. Dennoch wird sie nur selten angeordnet. Welche Voraussetzungen für die Teilnahme müssen Betroffene erfüllen?

Der Patient muss die Kriterien der Rehabilitationsbedürftigkeit, -fähigkeit und einer positiven Rehabilitationsprognose erfüllen.

Rehabilitationsbedürftigkeit liegt bei einer drohenden oder bereits manifesten Beeinträchtigung der Teilhabe am beruflichen und sozialen Leben vor. Über die kurative Versorgung hinaus ist der mehrdimensionale und interdisziplinäre Ansatz der pneumologischen Rehabilitation erforderlich.

Rehabilitationsfähigkeit bezieht sich auf die körperliche und psychische Verfassung des Rehabilitanden für die Teilnahme an einer geeigneten Maßnahme. Dieses kann z.B. die Motivation oder auch Motivierbarkeit aber auch eine ausreichende Belastbarkeit beinhalten.

Bei einer positiven Rehabilitationsprognose handelt es sich um eine medizinisch begründete Wahrscheinlichkeitsaussage für den Erfolg der Rehabilitationsmaßnahme.


Welche diagnostischen Verfahren und Therapiemaßnahmen bietet die pneumologische Rehabilitation?

Die Grundlage der Diagnostik stellt eine sorgfältige internistisch-pneumologische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung einer eingehenden Allergie-, Berufs- und Umweltanamnese dar. Neben den Routine-Untersuchungen auf besondere gesundheitliche Risikofaktoren nehmen die Lungenfunktionsdiagnostik, Herz-Kreislaufdiagnostik und geeignete Belastungsuntersuchungen wie z.B. die Fahrrad-Ergometrie oder der 6-Minuten-Gehtest eine besondere Rolle ein. In einem zusätzlichen Fragebogen mit psychosozialen Kriterien werden mögliche familiäre und berufliche Belastungen, das Gesundheitsverhalten, persönliche Rehabilitationsziele und Hinweise auf psychische Begleiterkrankungen wie Ängstlichkeit und Depression ermittelt.

Die Therapiemaßnahmen können individuell sehr unterschiedlich sein und hängen von den mit dem Patienten gemeinsam vereinbarten Therapiezielen ab. Es kann sich hierbei um strukturierte Schulungsmaßnahmen, krankengymnastische Atemphysiotherapie, das Erlernen von Selbsthilfetechniken, ergotherapeutische Maßnahmen oder Sport- und Bewegungstherapie als ein zentrales Element jeglicher Rehabilitationsbemühungen, handeln.


Um Rehaerfolge auch langfristig zu erhalten, ist in der Regel eine intensivierte Nachsorge erforderlich. Welche Maßnahmen für Lungenkranke werden dafür derzeit angeboten?

Zu den Nachsorgemaßnahmen zählt die Teilnahme am Rehabilitationssport in Form des bundesweit angebotenen Lungensports.

Aktuell arbeitet die AG Prävention und Rehabilitation der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) und der Deutschen Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften (DGRW) an einer Ergänzung der bestehenden Leitlinien zur Rehabilitation von Patienten mit Asthma bronchiale und COPD bezüglich der Nachsorgemaßnahmen.

Das Konzept beruht auf der Fortsetzung von therapeutischen Maßnahmen nach der Rehabilitation über einen Zeitraum von sechs Monaten. Hiermit soll versucht werden, die gemeinsam verabredeten Therapieziele doch noch zu erreichen, die während der Rehabilitation nicht komplett umgesetzt werden konnten.


Welche Herausforderungen auf Seiten der Leistungserbringer im Gesundheitswesen sind aus Ihrer Sicht zu bewältigen, um ein kontinuierliches Training zu gewährleisten?

Das gerade beschriebene Konzept, welches mit Hilfe niedergelassener Lungenfachärzte entwickelt wurde, bedeutet, dass diese sich auch nach der Rehabilitation um die Patienten kümmern dürfen und sollen.

„Reha lädt den Akku auf.“ - Wie schnell er sich wieder entlädt, hängt auch wesentlich von der weiteren Betreuung und Motivation des Patienten ab, der insofern auch ein ganz wesentlicher Leistungserbringer ist.


Letzte Frage: Welche Regeln für das körperliche Training zu Hause sollten Betroffene beachten?

Die wichtigste Regel ist die Regelmäßigkeit der Durchführung. Überforderung ist häufig ungünstiger als Unterforderung. Der Patient sollte sich daher an die mit dem Therapeuten verabredeten Regeln halten. Bei akuter Erkrankung oder Verschlimmerung der Beschwerden oder sonstiger Probleme sollte der Betroffene sich an den ihn betreuenden Arzt wenden. 


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