Sporttherapie

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Was versteht man unter Sporttherapie?

Sport zu treiben, klingt für viele Lungenpatienten zunächst widersinnig oder gar undenkbar. Häufig empfinden sie schon alltägliche Aktivitäten wie den Gang zum Supermarkt oder Treppensteigen als anstrengend und vermeiden deshalb nach Möglichkeit körperliche Belastungen. Doch damit geraten sie in einen Teufelskreis: Je mehr die Patienten sich schonen, umso mehr bauen Herz-Kreislauf-System und Muskulatur ab. Dazu kommt die soziale Komponente: Wer bei Spaziergängen nicht mehr mithalten kann oder gleich von vornherein zuhause bleibt, wird leichter einsam. Die Lebensqualität sinkt.

Für Lungenkranke bedeutet Sport nicht Leistungssport – obwohl es durchaus zum Beispiel Asthmapatienten gibt, die erfolgreich Leistungssport betreiben. Grundsätzlich lässt sich aber die sportliche Aktivität sehr gut auf den individuellen Gesundheitszustand und gegebenenfalls das Alter abstimmen.



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Welche positiven Wirkungen sind bekannt?

Die positiven Auswirkungen von Sport auf den Gesundheitszustand von Lungenpatienten sind in vielen Studien belegt. So zeigen Untersuchungen mit COPD-Kranken, dass Training die Krankheitssymptome mindert und sie weniger häufig ärztlich oder gar notärztlich behandelt werden müssen. Leichtes Gehtraining und jede Art von Ausdauertraining verbessern nicht nur die Lebensqualität von COPD-Patienten sondern auch ihre Belastbarkeit. Daher wird in den Leitlinien für den Schweregrad II dieser Erkrankung körperliches Training als Teil der Langzeittherapie empfohlen.  

Eine Studie der Universität Heidelberg an 30 Probanden belegte ähnlich positive Effekte eines leichten bis moderaten Trainingsprogramms auch für Patienten mit Lungenhochdruck und widerlegte damit die bisherige Lehrmeinung, dass Sport ein Risikofaktor für eine Verschlechterung des Zustands von Lungenhochdruck-Erkrankten ist. Umfassendere Untersuchungen dazu stehen noch aus, ein solches Sportprogramm sollte auf jeden Fall ärztlich überwacht werden.  

 

Worauf muss man als Patient beim Sport achten?

Personen, die durch Lungenerkrankungen vorbelastet sind, profitieren zwar sehr wohl von sportlichen Aktivitäten. Dennoch gibt es auch Situationen, die sie möglicherweise überfordern. Zum Beispiel kann bei Asthmatikern durch Sport oder andere körperlichen Belastungen ein so genanntes Anstrengungs- oder Belastungsasthma auftreten – eine plötzlich einsetzende Kurzatmigkeit, die durch die Anstrengung verursacht wird.

Daher sollten Patienten mit einer Lungenerkrankung vor dem ersten Training mit ihrem Lungenfacharzt sprechen und abklären, welche Sportart für sie am besten geeignet ist, welches Pensum sie nicht überschreiten sollten und auf was sie besonders achten müssen.  Gegebenenfalls kann der Pneumologe durch einen Lungenfunktionstest ermitteln, wie groß die individuelle Belastbarkeit ist und wo die Grenzen liegen. Außerdem sollte mit dem Arzt geklärt werden, ob gegebenenfalls Medikamente vor dem Sport einzunehmen sind und welche für akute Beschwerden immer mitgenommen werden sollten (zum Beispiel Notfallspray bei Asthmatikern).

Profitieren auch Asthmapatienten?

Bei Asthmapatienten konnte durch sportliche Aktivität eine allgemein positive Wirkung auf die Kondition, jedoch keine Verbesserung der Lungenfunktionswerte durch sportliche Aktivität festgestellt werden. Allerdings führte das Training zu einer höheren maximalen Sauerstoffaufnahme und auch höheren maximalen Herzfrequenz, Kondition und Herz-Kreislauf-System wurden gestärkt.

Die Häufigkeit, mit der die Patienten unter Belastung über Atemnot klagten, ging zurück. Gerade für Asthmatiker ist daher ein ihren individuellen Fähigkeiten angepasstes, kontrolliertes Training wichtig, mit dem sie sich nicht überanstrengen.

Auch Allergiker profitieren von Sport vor allem mit einem verbesserten Allgemeinzustand, wobei sie darauf achten sollten, sich während des Trainings nicht ausgerechnet den allergieauslösenden Stoffen auszusetzen. Für Pollenallergiker bedeutet das beispielsweise, zu Zeiten starken Pollenflugs lieber nicht im Freien Sport zu treiben, während Hausstauballergiker draußen besser aufgehoben sind.

 

Welche Sportangebote gibt es für Lungenkranke?

Ambulante Sportgruppen, so genannte Lungensportgruppen, eignen sich ganz besonders für Patienten mit obstruktiven Atemwegserkrankungen. Dort sprechen die Teilnehmer zu Beginn der Trainingseinheit über ihr aktuelles Befinden und messen zum Beispiel den Peak-Flow. Es folgen unterschiedliche Aktivitäten, vom gründlichen Aufwärmen über Gymnastik oder Gruppenspiele bis hin zu leichtem Kraft- und Ausdauertraining. Typische Lungensport-Stunden schließen mit einer Entspannungsphase.

Abgesehen vom Sport in diesen organisierten Gruppen eignen sich aber auch individuell ausgeübte Ausdauersportarten wie Radfahren, Wandern und Schwimmen gut für Lungenkranke.

Sport im Rahmen von Reha-Maßnahmen

Für Patienten mit Asthma, COPD, Lungenkrebs oder Lungenfibrose ist Sport heute häufig fester Bestandteil der Reha-Behandlung. Selbst bei Patienten mit schwerer Beeinträchtigung der Lungenfunktion erlaubt ein individuell abgestimmtes Trainingsprogramm im Rahmen einer Reha-Maßnahme eine Steigerung der körperlichen Belastbarkeit.

Den  positiven Trainingseffekt aus der Reha-Maßnahme aufrechtzuerhalten, gelingt allerdings nur, wenn die Patienten anschließend mindestens einmal pro Woche eine sportliche Aktivität weiterführen. Dafür gibt es an vielen Orten auch Sportangebote bei Vereinen und Landessportbünden, die die speziellen Bedürfnisse der Betroffenen berücksichtigen. Hier geht es vor allem darum, die Erholung des Körpers zu unterstützen und wieder belastbarer zu werden.

Die Teilnahme an Reha- und Lungensportgruppen kann vom Arzt verordnet werden und wird unter bestimmten Voraussetzungen auch von den Krankenkassen bezahlt.

Weitere Informationen zu Lungensport finden Sie unter www.lungensport.org.

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Informationen zum Inhalt

Quellen:

  • Worth H et al.: Empfehlungen der Deutschen Atemwegsliga zum Sport und körperlichen Training bei Patienten mit obstruktiven Atemwegserkrankungen. Pneumologie 2000; 54: 61-67

  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Merkblatt: Anstrengungsasthma; Gesundheitsinformation.de

  • PatientenLeitlinie Chronisch Obstruktive Lungenerkrankungen Version 1.3, September 2008


Letzte Aktualisierung:

21.04.11

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Weiterführende Informationen

Ausführliche Informationen zum Lungensport in Deutschland bietet die Arbeitsgemeinschaft Lungensport in Deutschland e.V.

Mehr zur präventiven Wirkung von Sport finden Sie hier

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