Warum ist es so schwer aufzuhören?

Die große Mehrheit der Raucher (circa 70 Prozent) will mit dem Rauchen aufhören, aber nur um die 30 Prozent unternehmen innerhalb eines Jahres mindestens einen ernsthaften Aufhörversuch. Dabei spielen die körperliche und die psychische Abhängigkeit eine große Rolle. Das Rauchen wird zur Gewohnheit. Raucher empfinden es als sozial positiven Faktor und haben gelernt, sich mit der Zigarette selbst zu belohnen. Der Verzicht auf Tabakkonsum hat starke Einschnitte in ihren Lebensalltag zur Folge – eine gravierende Verhaltensänderung muss stattfinden, um langfristig Nichtraucher zu werden.

Veränderungen im Körper bei Rauchstopp
Veränderungen im Körper bei Rauchstopp. Zur Vergrößerung bitte klicken; Grafik: lungeninformationsdienst.de

Nikotin macht süchtig

Zum anderen spielt die stark abhängig machende Wirkung des Nikotins für die Entwicklung einer körperlichen Abhängigkeit eine wesentliche Rolle. Nikotin besitzt die Eigenschaften einer Droge mit hohem Abhängigkeitspotential. Es wirkt stimmungsaufhellend, indem es an bestimmte Rezeptoren im Belohnungszentrum des Gehirns andockt. Dadurch erleben Raucher beim Zigarettenkonsum ein angenehmes Gefühl. Weiterhin steigert das Nikotin kurzfristig die Konzentrationsfähigkeit und verbessert die Aufmerksamkeits- sowie die Gedächtnisleistung. Der Körper gewöhnt sich an das Nikotin und reagiert ohne Zufuhr von Nikotin mit Entzugserscheinungen wie Depression, Schlafstörungen, Müdigkeit, Konzentrationsmangel, Nervosität und Hungergefühl. Dabei sind die ersten zwei bis drei Tage des körperlichen Entzugs am schlimmsten. Die Überwindung der Entzugssymptomatik dauert acht bis vierzehn Tage. Danach erschweren eher die eingespielten Verhaltensmuster und die psychische Abhängigkeit eine dauerhafte Abstinenz.

 

GUT ZU WISSEN:

Rauchende Patienten mit COPD weisen eine besonders hohe Nikotinabhängigkeit auf. Gleichzeitig ist Tabakkonsum auch einer der wesentlichen Risikofaktoren für COPD.

Auch genetische Faktoren spielen bei der Anfälligkeit für Suchterkrankungen eine Rolle. Das besagen Studien mit mehr als 140.000 Teilnehmern. Menschen mit bestimmten Mutationen auf verschiedenen Chromosomen, etwa Chromosom 8 und 19, haben eine größere Wahrscheinlichkeit nikotinabhängig zu werden. Auf der anderen Seite gibt es auch Mutationen, die die Entwöhnung erleichtern.

 

Die gute Nachricht

Auch wenn das Aufhören vorher unmöglich erschien, hinterher ist die Sicht der Raucher eine andere. Eine Studie, die bereits in den 1980er Jahren veröffentlicht wurde, besagt, dass über die Hälfte der ehemaligen Raucher im Nachhinein das Aufhören als nicht so schwierig empfand, wie sie erwartet hatten. Konkret in Zahlen: 53 Prozent fanden es "gar nicht schwer"; 27 Prozent "ziemlich schwierig", der Rest empfand es als "schwierig".

 

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Informationen zum Inhalt

Quellen:

  • Thorgeirsson, T. et al.: Sequence variants at CHRNB3–CHRNA6 and CYP2A6 affect smoking behavior; Nature Genetics (2010): 42: 448-453
  • Positionspapier der DGP: Rauchen und pneumologische Erkrankungen, positive Effekte der Tabakentwöhnung; Pneumologie (2007): 61:11-14
  • Patienten-Leitlinie der DGP: Tabakentwöhnung bei COPD; 2009
  • Cornuz, J. et al.: Tabakentwöhnung: 1. Teil: Wie es geht und was es bringt; Schweiz Med Forum; (2004): 4: 764-770
  • Marsh A, Matheson J. Smoking behaviour and attitudes. London: Office of Population Censuses and Surveys. Social Survey Division; 1983

Letzte Aktualisierung:

01.02.2010

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