Spezifische Immunisierung

Spezifische Immuntherapie
Mit einer spezifischen Immuntherapie kann Asthma vorgebeugt werden. Foto: Fotolia

Allergiker können Asthma bronchiale mit einer speziellen Behandlung vorbeugen: Die spezifische Immuntherapie (SIT), auch Hypo- oder Desensibilisierung genannt, reduziert wissenschaftlichen Studien zufolge das Risiko für einen Etagenwechsel deutlich. Die SIT basiert auf folgendem Prinzip: Durch wiederholte subkutane Injektion des Allergens in ansteigenden Dosen entwickelt der Patient eine Toleranz gegenüber dem Allergen. Die meisten Patienten erhalten über drei Jahre Injektionen mit Allergenextrakten in sieben- bis 14-tägigen Abständen in steigenden Dosen vor der Pollensaison.

Die spezifische Immuntherapie ist altbewährt

Die spezifische Immuntherapie ist keine neue Behandlungsform; seit mittlerweile 100 Jahren setzen Allergologen sie zur Therapie von allergischer Rhinitis, Insektengiftallergie und allergischem Asthma ein. Der Engländer Leonard Noon beschrieb 1911 zum ersten Mal einen erfolgreichen Versuch an Pollenallergikern in der Fachzeitschrift "The Lancet".

Seitdem hat sich am Prinzip der spezifischen Immunisierung wenig geändert. Jedoch stehen den Allergologen heute verträglichere Allergenextrake zur Verfügung als früher. So senken Depot-Präparate, also Allergene, die an Trägersubstanzen gekoppelt sind, das Risiko eines anaphylaktischen Schocks, indem sie die Allergene verzögert freisetzen. Auch chemisch modifizierte Allergene, so genannte Allergoide, sollen aufgrund ihrer geringeren Allergenität auch weniger Nebenwirkungen haben als herkömmliche Allergenextrakte. Geforscht wird derzeit auch an so genannten Adjuvanzien, Molekülen, die die immunologische Wirksamkeit der Allergene unterstützen. Studien haben zum Beispiel gezeigt, dass das Monophosphoryl-Lipid A (MPL) die Verschiebung des T-Helferzellen-Gleichgewichts zu Gunsten der TH1-Zellen verstärken kann. Studien zur klinischen Wirkung von Adjuvanzien stehen bisher noch aus.

T-Helferzellen werden beeinflusst

Welche immunologischen Mechanismen der Toleranzentwicklung bei der SIT zugrunde liegen, ist bis heute noch nicht vollständig geklärt. Eine wichtige Rolle scheinen die T-Helferzellen zu spielen. Durch die vermehrte Ausschüttung verschiedener Botenstoffe wird vermutlich die Produktion der TH2-Zellen gehemmt, die der TH1- Zellen dagegen erhöht. Das Ungleichgewicht zwischen den Zellen verschiebt sich also zu Gunsten des TH1-Zelltyps, wodurch sich die Bildung von IgE-Antikörpern reduziert.

Gut zu wissen:

Für Menschen mit allergischem Schnupfen ist die spezifische Immuntherapie nach derzeitigem Wissensstand die einzige Möglichkeit, das Asthmarisiko effektiv zu senken.

Methode mit langer Wirksamkeit

Dass sich die SIT zur Prävention von allergischem Asthma eignet, belegen wissenschaftliche Studien. Von besonderer Bedeutung sind die Daten aus der europäischen PAT-Studie (Preventive Allergy Treatment Study). Für diese Studie wurden 144 Kinder, die an allergischer Rhinitis leiden, entweder mit einer SIT oder rein medikamentös behandelt.

Nicht nur kurz nach der dreijährigen Behandlung, sondern auch noch sieben Jahre später entwickelten die mit einer SIT therapierten Kinder deutlich seltener Asthma als die Vergleichsgruppe. „Die spezifische Immuntherapie hat langfristige klinische Effekte und das Potential, Asthma bei Kindern mit allergischer Rhinitis bis zu sieben Jahre nach der Behandlung vorzubeugen“, schreiben die Autoren der Studie.

 

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Spezifische Immuntherapie bei Kindern

Die asthmapräventive Wirkung der spezifischen Immuntherapie bei Kindern wird derzeit in der GAP-Studie untersucht. Dazu beobachten Wissenschaftler mehr als 600 Kinder mit allergischer Rhinokonjunktivitis über einen Zeitraum von fünf Jahren. Federführend ist die Abteilung für Pulmonologie und Allergologie an der Universitäts-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde in Graz.

Zur spezifischen Immuntherapie SIT gehören die subkutane Immuntherapie (SCIT) – d.h. eine Spritze unter die Haut - und die sublinguale Immuntherapie (SLIT). Die SCIT ist bei geeigneter Indikation im Kindesalter als risikoarm anzusehen. Die Rate von systemischen Reaktionen liegt unter 0,1% der Injektionen.

Nun würde sich natürlich gerade bei kleinen Kindern die sublinguale Therapie anbieten, bei der die Allergenlösung einfach unter die Zunge gegeben wird. Einige der neueren Studien zu SLIT zeigten - trotz schwacher Teileffekte in Untergruppen - bei Kindern keine überzeugende, klinisch relevante Wirksamkeit der SLIT mit Allergenlösungen.

Mittlerweile wurde durch zwei unabhängige Studien mit Tablettenprodukten zur Behandlung von Heuschnupfen mit begleitendem Asthma eine klinisch relevante Besserung gezeigt: Nach mindestens viermonatiger Behandlung mit Gräserpollenallergenen waren Symptome und Medikamentenverbrauch bei den Kindern deutlich vermindert.

Das Fazit: Aufgrund der gegenwärtigen Datenlage kann die Anwendung der SLIT bei Kindern und Jugendlichen nur mit Präparaten bei nachgewiesener Wirksamkeit empfohlen werden, wenn eine SCIT nicht infrage kommt.