Regeneration und Remodeling

In Kürze:

Kommt es in der Lunge zu Schädigungen oder Verletzungen, werden Reparaturprozesse in die Wege geleitet. Diese können entweder zu einer vollständigen Regeneration des Lungengewebes führen oder zu einem fehlerhaften Umbau – dem so genannten Remodeling.

Ob Regenwurm, Seestern oder Schwanzlurch – im Tierreich gibt es viele Beispiele dafür, dass sich Gliedmaßen und sogar ganze Organe neu bilden können, wenn es nötig wird. Diese außergewöhnliche Regenerationsfähigkeit besitzt die menschliche Lunge bei weitem nicht. Verglichen mit anderen Organen wie der Haut oder dem Darm, in denen permanent und in einer hohen Rate Zellen ersetzt werden, ist dieser so genannte Zell-Turnover in den Atmungsorganen gesunder Erwachsener sogar auffällig gering.

 

Reparaturvorgänge in der Lunge

Ihr regeneratives Potenzial zeigt die Lunge erst, wenn sie geschädigt wird – beispielsweise durch Infektionen mit Bakterien und Viren, durch allergische Reaktionen oder durch Zigarettenrauch und andere toxische Substanzen. Denn in Reaktion auf solche Verletzungen des Lungengewebes können schnell und in großer Zahl neue Zellen gebildet werden. Dies geschieht zum einen durch Teilung und Vermehrung verbliebener unbeschädigter Zellen, zum anderen mit Hilfe von Vorläuferzellen, sich zu reifen funktionsfähigen Zellen weiter entwickeln. Idealerweise wird bei diesem Reparaturvorgang das ursprüngliche Gewebe wieder nachgebildet – in seiner normalen Struktur, mit allen benötigten Zellen und in voll funktionstüchtiger Form. Oder anders gesagt: Das verletzte Gewebe wird vollständig regeneriert.

Leider gelingt das nicht immer. Vor allem anhaltende, chronische Schädigungen der Lunge können stattdessen zu einem strukturellen Umbau des Lungengewebes führen. Dieses Remodeling, das bei fast allen chronischen Lungenerkrankungen eine Rolle spielt, ist also letztlich nichts anderes als das Resultat von fehlerhaften Reparaturprozessen in der Lunge.

 

Drei R für eine gesunde Lunge

Reparatur, Remodeling und Regeneration sind auf engste miteinander verbunden. So eng, dass zwei renommierte US-Forscher diese „drei R von Lungengesundheit und -krankheit“ in einer Übersichtsarbeit als den „Heiligen Gral der modernen Lungenbiologie“ bezeichneten. Rund um den Globus arbeiten Wissenschaftler mit Hochdruck daran, die Rätsel um die dahinter stehenden Prozesse zu lösen. Mit dem Ziel, sie zu entschlüsseln und darauf basierend neue Therapien für bislang nicht heilbare Lungenerkrankungen wie COPD, Asthma, Mukoviszidose oder Lungenfibrose zu entwickeln.
So konnte die Arbeitsgruppe „Plastizität von Epithelzellen der Lunge“ des Comprehensive Pneumology Centers in München zeigen, dass der so genannte WNT/ β-catenin–Signalweg eine wichtige Rolle bei Verletzungen des Lungenepithels und dem darauf folgenden Reparaturvorgang spielen.

 

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Informationen zum Inhalt

Quellen:

  • Beers, F. und Morrisey, E.: The three R’s of lung health and disease: repair, remodelling an regeneration. In: The Journal of Clinical Investigation, 2011, 121(6): 2065- 2073
  • Lau, A. et al.: Stem Cells and Regenerative Medicine in Lung Biology and Diseases. In Molecular Therapy, 2012, Mar 6 doi: 10.1038/mt.2012.37. [Epub ahead of print]
  • Kotton, D.N.: Next Generation regeneration: the Hope and Hype of Lung Stem Cell Research. In: American Journal Of Respiratory and Critical Care Medicine, 2012, Apr 19. [Epub ahead of print]
  • James, A.L. und Wenzel, S.: Clinical relevance if airway remodelling in airway disease. In: European Respiratory Journal, 2007, 30: 134-155

Letzte Aktualisierung:

30.05.2012